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Spiel mir das Lied vom Rock (STUZ 77, Mär. 06)

Revolverheld schwimmen Dank des wiedereingekehrten Hypes für deutsche Musik auf der Erfolgswelle. Auf ihrer aktuellen „Generation Rock“-Tour sprachen die fünf Hamburger Jungs über ihre Musik, Castingbands und ihre Einstellung zur Jugendzeitschrift Bravo. 

 

STUZ: Warum der Name Revolverheld?
Revolverheld: Das ist gar nicht so eine spektakuläre Geschichte, wie man immer denken mag. Als die Band sich gegründet hat, hießen wir zunächst „Manga“. Doch da uns das nicht wirklich gefiel, nannten wir uns etwa ein halbes Jahr vor der Flutkatastrophe in Asien in „Tsunami Killers“ um. Danach konnten wir den Namen natürlich nicht behalten. Also suchten wir nach einem Namen, der zu unseren Texten passt, und der wirklich direkt ist. Wir machten eine Liste, um dann zu schauen, welche Namen man noch rechtlich schützen kann. Da das bei „Revolverheld“ ging, und er uns allen auch gut gefallen hat, haben wir uns letztendlich dafür entschieden. Außerdem fanden wir die Metapher ganz geil, dass ein Revolverheld mit einer Knarre auf dich zeigt und quasi Worte schießt. Das ist ein ziemlich gutes Bild für unsere Texte.

 

Sind eure Texte denn so, als ob jemand auf einen schießt?
In erster Linie handeln unsere Texte von Sachen, die wir selbst erlebt haben oder die uns nerven. Wir sehen uns nicht in der Position, irgendwen belehren zu wollen. Wir sind auch keine politische Band. Aber wir sehen schon Dinge, die uns stören, und bei denen es gut wäre, sie zu ändern. Zum Beispiel wollten wir mit unserer ersten Single „Generation Rock“ deutlich machen, dass es uns ankotzt, dass gerade viele junge Leute daheim rumhängen und denken, sie könnten nichts bewegen. Das ist doch völliger Quatsch! Der Song soll daher aussagen: Nimm dein Leben in die Hand, mach was draus und leb deine Träume! Das sind natürlich schon Anliegen, die wir raus hauen wollen mit unseren Liedern.

 

Ihr habt einen Plattenvertrag beim Majorlabel Sony BMG unterschrieben. Werden Euch da nicht zu viele Dinge vorgeschrieben?
Nein, sonst hätten wir da auch nicht unterschrieben. Wir hatten vorher schon andere Angebote von anderen Labels. Da hieß es dann wirklich: Könnt ihr das nicht mal auf Englisch versuchen, oder so. Aber das sind wir nun mal einfach nicht. Wir haben das Glück, nicht so  jung zu sein wie andere Bands im Musikbusiness. Wir alle machen schon ewig Musik, und würden jetzt, mit Mitte zwanzig, nie etwas machen, was nicht wir sind.
Kristoffer und Niels, unsere beiden Gitarristen, konnten das Album „Revolverheld“ bei Sony BMG ja sogar selbst mitproduzieren. Und wir haben dann als Band gemeinsam entschieden, dass „Generation Rock“ die erste Auskupplung aus dem Album wird. So konnten wir zeigen, dass wir eine Rockband sind, und dass das Ganze auch live funktioniert. „Die Welt steht still“ ist wohl eines der besten Lieder auf dem Album und war deshalb eine passende zweite Single. Und der neue Song „Freunde bleiben“ ist das, was wir als aller erstes zusammen geprobt haben; mit ihm verbinden wir auch dementsprechend viel. Das haben wir alles schön selbst bestimmt, und wir lassen uns auch von niemandem sagen, was wir anziehen sollen.

 

Ist eure Musik denn Rock? Teilweise klingt sie ja eher poppig.
Es ist immer schwer, Sachen in Schubladen zu stecken. Wer kann einem denn vorschreiben, „du darfst nicht dies oder das machen, wenn du Rock sein willst“. Es gibt einfach viele Leute, die sich extrem wichtig nehmen und meinen, Dinge in Kategorien stecken zu dürfen.
Für uns ist unsere Musik definitiv das, was wir fühlen, und sie spiegelt auch auf jeden Fall unsere Einflüsse wider. Wir hören alle sehr viel Rock und auch ältere Sachen, wie Pearl Jam, Nirvana, Guns‘n‘Roses; aber auf der anderen Seite auch John Mayer und einige Popsachen. Unsere Musik ist von all dem inspiriert. Und wir haben auch kein Problem, wenn jemand sagt, es sei Pop – aber auf der Bühne ist es definitiv Rock!

 

Aber wie verträgt sich euer Rockimage damit, dass ihr in der Bravo auftaucht?
Wir wollen natürlich möglichst viele Leute erreichen und unsere Lieder präsentieren. Und wir sind froh, in der Bravo zu sein. Denn wenn ein Teenie einen Artikel über US 5 liest, eine Seite weiter blättert, und wir dann da sind, kann er sehen, dass eine Band nicht unbedingt gecastet sein muss. Da sind dann auf einmal Leute, die ihre Songs selber schreiben, eigene Musik machen, und es wird klar, dass es so auch gehen kann. Es muss eben nicht immer dieser Castingscheiß oder ein ausgedachtes Produkt sein, sondern einfach etwas Echtes. Mit ehrlichen Gefühlen und Jungs, die alle ihre Instrumente selber spielen können.
Es kommt ja auch in den Artikeln rüber, dass wir nicht so sind wie US 5 und Konsorten. Und wir finden ja nicht nur in solchen Magazinen statt. Aber es gibt halt auch keinen Grund zu sagen: Nee, in Teeniezeitschriften wollen wir nicht.

 

Inwieweit kommt es euch zu gute, dass deutsche Musik wieder in ist?
Das bringt uns natürlich etwas. Durch die Welle an deutscher Musik wird man selbst auch gepuscht. Aber das ist nicht der Grund, warum wir deutsche Musik machen. Denn auch in den Bands, in denen ein Teil von uns schon vor zehn Jahren war, wurde auf Deutsch gesungen. Lustigerweise hieß es damals oft, „ach, singt doch mal auf Englisch“. Jetzt kommt es uns eben zugute. Aber wir wissen schon, dass wir jetzt vielleicht keinen Plattenvertrag hätten, wenn es Bands wie Wir sind Helden und Sportfreunde Stiller nicht gegeben hätte. Und dafür sind wir natürlich auch dankbar. Aber eigentlich sollte es nichts besonderes sein, dass deutsche Bands in ihrer Muttersprache texten. Es ist es ja auch für jede amerikanische Band normal, englisch zu singen. Letzten Endes finden wir es jedenfalls super, dass es in Deutschland wieder so viele Bands gibt, die geile Musik machen.

 

Wie sieht die nähere Zukunft für euch aus?
Die neue Single „Freunde bleiben“ ist seit kurzem draußen, mit der wir auch beim Bundesvision–Songcontest teilgenommen haben. Dann sind wir noch eine ganze Weile auf Tour, was auch einige Festivals im Sommer mit einschließt. Das ist immer noch mal eine ganz andere Erfahrung. Man hat da eben nicht nur die eigenen Fans vor sich, sondern muss auch noch beim Rest des Publikums Überzeugungsarbeit leisten. Das ist uns letztes Jahr erfreulicher Weise recht gut geglückt. Wir haben auch sonst noch sehr viele Sachen im Hinterkopf und schreiben auch schon neue Songs. Denn wir haben auf jeden Fall noch viel vor! Außerdem steht in unserer festen Planung natürlich, dass Deutschland Fußballweltmeister wird!

Autor: 
Nina Oeser
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