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Studentische Prostitution: Erst das Studium, dann die Moral (STUZ 72, Okt. 05)

Trend zum Einstieg
Studentinnen gehören nicht zur klassischen Klientel der Beratungsstellen. Sie organisieren ihren Einstieg selbst. Das liegt sowohl an Bildung und sozialer Kompetenz als auch an ihrem gesellschaftlichen  Status, der eine soziale Absicherung beinhaltet. So fragen sie bei Tamara in Frankfurt meist nur nach Adressen von Wohnungen oder Escort-Agenturen. „Wo sie sich vorstellen können, in ihren vorlesungsfreien Zeiten oder auch tagsüber, wenn sie frei haben, zu arbeiten“. Die Sozialpädagogin Hoffmann arbeitet seit über zehn Jahren für Tamara. Sie beobachtet eine Tendenz hin zu studentischer Prostitution in den letzten drei bis fünf Jahren. „Es hat auch was damit zu tun, wie in allen Bereichen der Gesellschaft, dass das ein bisschen enttabuisiert wird … und es hat was Hippes mittlerweile. Ist ja irgendwie auch ganz peppig, unter Umständen …“

 

… mehr Geld verdienen als vorher
Eva ist 20, als sie durch eine Freundin auf die Idee kommt, mit ihrem Körper Geld zu verdienen. „Ich hab’ da eine Freundin gehabt oder Bekannte, die hat in der Prostitution angefangen und da hab’ ich gedacht, das könnte ich auch mal ausprobieren…weil das war ein guter Weg, selbstständig zu arbeiten und mehr Geld zu verdienen als vorher.“ Die heutige Diplomandin hat zehn Jahre im Bordell angeschafft. Andere Studentinnen hat Eva dort nicht kennen gelernt. „Es kommt wahrscheinlich darauf an, wo man arbeitet. Es gibt da ja dann viele verschiedene Möglichkeiten.“

 

Sozialwissenschaftler sortieren sexuelle Dienstleistungen in sechs Institutionalisierungsformen ein. Übereinstimmend mit Beratungsstellen und Betroffenen bestätigen sie, dass Straßen- und Drogenstrich für Studenten keine Rolle spielen. Im Bordell mietet die Prostituierte ein Zimmer zum Tagespreis von durchschnittlich 150 Euro. Sie entscheidet selbst, wann und zu welchen Bedingungen sie arbeitet.

In der so genannten Appartement-Prostitution teilen sich mehrere Frauen eine Wohnung und die Lebenshaltungskosten. Sie laden ihre Kunden telefonisch ein. Der Stundensatz wird in einschlägigen Anzeigen mit rund 400 Euro angegeben.

In Bar, Sauna und Club sind offiziell alle Beteiligten „Gäste“ und die Frau kassiert durchschnittlich 200 Euro pro Abend bar auf die Hand. Der Verdienst lässt sich durch Einzelabsprachen erhöhen. Fünfzig Euro pro Freier sind der Schnitt.

Escortagenturen bieten die höchsten Verdienstmöglichkeiten. Hier werden für gepflegte Umgangsformen, attraktives Aussehen, gute Sprachkenntnisse und eine abschließende Nacht im Hotelbett vierstellige Beträge gezahlt. Auch wenn die Agenturen einen großen Anteil behalten, kann die Studentin im Escort am meisten verdienen.   

 

Behütet im Bordell
Eva hat das Bordell gewählt: „Dort habe ich zehn bis 15 Minuten mit dem Kunden zu tun gehabt. Im Escortservice oder als Callgirl wäre mir das zu persönlich geworden.“ Nachdem sie Kontakt zu einem Zuhälter aufgenommen hat, arbeitet sie die ersten sechs Wochen für „Charlie“. „Dann hab’ ich aber gesagt, ich möchte allein arbeiten. Ich musste dann damals quasi Abstand für mich bezahlen – abarbeiten.“ Den Freikauf hat der Hauswirtschafter des Bordells für Eva ausgehandelt. Er ist eine Art Hausmeister, Ansprechpartner und Beschützer. Eva schätzt die Sicherheit, die er ihr gibt und auch die Frauen, mit denen sie zusammenarbeitet. „Es hatte ja auch so was Behütendes, diese Gruppe von Frauen…und diese ganze Atmosphäre.“ Da Eva das Zimmer für eine Woche anmieten muss, lohnt sich die Arbeit besonders während der Semesterferien. Doch auch während des Semesters liegt der Verdienst „weit über den Einnahmen von anderen, typischen Studentenjobs. Und das Schöne war halt, ich konnte mir das völlig frei einteilen.“

 

Dunkelziffern
In welcher Statistik Eva und andere Studenten erfasst sind, ist durch Teilzeitarbeit und Ortswechsel nicht nachvollziehbar. In Frankfurt am Main prostituieren sich laut Kriminal-Kommissariat 13 (K13) rund 2000 Frauen. Das in Wiesbaden zuständige K12 schätzt die Gesamtanzahl auf achtzig Frauen, das Gesundheitsamt auf 700. Ob und wie viele Frauen in Mainz dieser Tätigkeit nachgehen, kann niemand sagen.

Das Gesundheitsamt der hier zuständigen Kreisverwaltung Mainz-Bingen weist auf den Wegfall der Registrierungspflicht 2001 durch das geänderte Infektionsschutzgesetz hin. Ein weiterer Umstand erschwert den Überblick: Studentinnen arbeiten, um Enttarnung zu vermeiden, meist weit entfernt von ihrem Studien- und Wohnort. Eva bestätigt das: „Ich war immer in einer anderen Stadt. Das war mir schon wichtig.“

 

Autor: 
Stephan Kraatz, Franziska Steinhardt-Schwing
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Kommentare

Hallo Stalker.

Wir wissen nicht, welche Frau du hier ständig belästigst, beziehungsweise ob diese Frau das überhaupt mitbekommt oder ob du dich damit begnügst, hier deine Zeilen runterzutippen. Es ist ja immer wieder faszinierend, welche banalen Handlungen Befriedigung nach sich ziehen können.

In deinem Falle aber raten wir zur Therapie. Das ist wirklich gut gemeint. Natürlich kannst du weiterhin sauer sein, dass du diese Frau nicht kriegst - wie sollte das auch gehen, wenn du sie mit Psychoterror behelligst. Die Dame hast du verbrannt, Junge, die wird sich in diesem Leben nicht mehr in dich verlieben.
Du könntest also einfach deinen Arsch hochkriegen, dir was Gutes tun und aus dir gruselig-abtörnenden Typen einen sympathischen Typen machen, vor dem die Mädels nicht davonrennen. Dann hättest du unter Garantie bald besseres und angenehmeres zu tun, als diesen Beitrag hier aufzurufen und dich und andere zu beschämen.

Deine Seelenklempner aus der STUZ-Redaktion