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Studentische Prostitution: Erst das Studium, dann die Moral (STUZ 72, Okt. 05)

Versteckte Isolation
„Einmal, da hab ich schon nicht mehr angeschafft, war ich dann in dieser anderen Stadt. Da hat mich einer im Parkhaus gesehen: Ah ja, was machste denn, wo arbeiteste denn? Gar nicht mehr…kann doch nicht sein?“ Das Doppelleben ist für Eva das Schwierigste an der Tätigkeit. Sie tischt Verwandten und Bekannten erfundene Jobs auf und hofft oft, dass sich ihre Erzählungen mit denen von vor ein paar Wochen decken. Wenn ihr es seelisch schlecht geht, meidet sie Nähe zu Familie und Freunden, um die Fassade aufrecht zu erhalten.  „Wegen dieser Belastung wollte ich schon zwei-, dreimal vor Ende des Studiums aufhören, aber wenn dann das Geld knapp wurde…“ Nachdem Eva ihr Diplom in der Tasche hatte, beendete sie ihr Doppelleben. Heute wissen ihre Eltern von ihrer damaligen Tätigkeit und fragen sich, was sie falsch gemacht haben.

 

Das Versteckspiel und die daraus folgende Isolation ist das schwerwiegendste Problem der Sexarbeiterinnen. Die Gewerkschaft „ver.di“ listet in ihrer Studie von 2004 die Hauptgründe auf, warum die Betroffenen anonym bleiben wollen: Sie halten Prostitution selbst für keinen anständigen Beruf, halten die Vorurteile gegen sich für nicht abbaubar und teilen sie oft selbst, wollen keine Abgaben zahlen und sich sowieso nur für eine begrenzte Zeit prostituieren. Über die Belastungen durch die Tätigkeit selbst schreibt die Psychologin Monika Krüger vom Institut für Arbeitswissenschaften an der TU Berlin: „ Der Körper wird in besonderer Weise zur Ware, weshalb Prostituierte eine klare Grenze  zwischen ihrem Körper und ihren Gedanken und Gefühlen ziehen. Es gehört zu ihrem Beruf, ihre Gefühle über einen längeren Zeitraum abzuspalten oder zu negieren.“

 

Körper und Seele
Krüger hat 1999 in ihrem Forschungsprojekt „Prostitution und Gesundheit“ die Arbeitssituation und deren Auswirkungen im physischen als auch psychischen Bereich untersucht. Sie interviewt Selbsthilfebewegungen und Interessenvertretungen, staatliche Institutionen und wertet vorhandene Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung aus. „Psychische und soziale Beeinträchtigungen aufgrund unverarbeiteter, nicht kommunizierbarer Erlebnisse in der Prostitution treten häufig in Form manisch-depressiver Erkrankungsbilder auf. Isolationsgefühle aufgrund des Doppellebens und die anderen Belastungen aus der Tätigkeit führen zu Depressionen, Selbstwertkrisen und Verhaltensänderungen.“

 

Ausgrenzung
Die Sozialarbeiterin Rosina Henning geht in Bordellen ein und aus und kennt das Alltagsgeschäft: „Ich weiß, dass die Frauen mit Bildung das kognitiv erfasst haben,  besser damit umgehen und besser verbalisieren können, was da abläuft mit Freiern, mit den Kolleginnen, mit den Wirtschaftern, mit der Gesellschaft, was so im täglichen Alltag passiert. Aber ich weiß nicht, ob sie emotional damit besser umgehen können.“

Rosina, die die Anlaufstelle Dona Carmen e.V. in Frankfurt gegründet hat, vertritt eine pragmatische Ansicht. Für sie entsteht das Hauptproblem weniger aus der Tätigkeit als durch die Rahmenbedingungen. „Du hast die Triebbefriedigung, die rein körperliche Triebbefriedigung, so wie wir den Trieb haben zu essen oder auf Toilette zu gehen – die werden in der Prostitution befriedigt und unterliegen nicht der Verknüpfung des sozialen Kontakts oder Emotionalität. Sie sind völlig losgelöst, getrennt davon, und das wird permanent kriminalisiert und stigmatisiert. Wenn du trennst zwischen Sexualität und Liebe, wirst du ausgegrenzt… entrechtet.“

Ausgegrenzt fühlt sich Eva in Gesprächen mit Kommilitonen schon früh. Sie hat eine etwas andere Einstellung zu Männern. „Als ich zwanzig war, haben mir die Jungs eh hintergehechelt, warum sollte ich das nicht nutzen? Ich habe eine sehr neutrale Einstellung zu Männern.“ Ihre Freizügigkeit passt nicht ins studentische Umfeld. Das steht der Möglichkeit, jemanden ins Vertrauen zu ziehen, zusätzlich im Weg und verstärkt ihre Isolation. Auch nach ihrem endgültigen Ausstieg ist Eva noch oft hin- und her gerissen. Der schnelle Verdienst lockt, aber der Preis ist ihr zu hoch.

Autor: 
Stephan Kraatz, Franziska Steinhardt-Schwing
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Kommentare

Hallo Stalker.

Wir wissen nicht, welche Frau du hier ständig belästigst, beziehungsweise ob diese Frau das überhaupt mitbekommt oder ob du dich damit begnügst, hier deine Zeilen runterzutippen. Es ist ja immer wieder faszinierend, welche banalen Handlungen Befriedigung nach sich ziehen können.

In deinem Falle aber raten wir zur Therapie. Das ist wirklich gut gemeint. Natürlich kannst du weiterhin sauer sein, dass du diese Frau nicht kriegst - wie sollte das auch gehen, wenn du sie mit Psychoterror behelligst. Die Dame hast du verbrannt, Junge, die wird sich in diesem Leben nicht mehr in dich verlieben.
Du könntest also einfach deinen Arsch hochkriegen, dir was Gutes tun und aus dir gruselig-abtörnenden Typen einen sympathischen Typen machen, vor dem die Mädels nicht davonrennen. Dann hättest du unter Garantie bald besseres und angenehmeres zu tun, als diesen Beitrag hier aufzurufen und dich und andere zu beschämen.

Deine Seelenklempner aus der STUZ-Redaktion