Anzeige

Burger essen in Mainz und Wiesbaden

Bun, Patty und ein bisschen Deko: Der Burger ist ein so simples wie geniales Essen. Auch genial: Wer in Mainz oder Wiesbaden Burger essen geht, kann quasi nichts falsch machen. Unsere Tour durch das burgerliche Milieu war durchweg lecker.

 

Bullys Burger, Parcusstraße 8a (Insel), Mainz
Der ganze Laden mit seiner Verkehrs-Insel-Lage besteht praktisch aus einem Schaufenster, was Unglück im Glück ist, denn die potentiellen Neider draußen rauschen in ihren Autos vorbei und kriegen nicht mit, wie man drinnen obszön in seinen Burger beißt. Mit einer typisch amerikanischen Einrichtung bietet Bullys Platz für rund 10 Menschen, wobei mit dicken vollgegessenen Bäuchen dann eher gekuschelt wird. Die laute Elektromusik sorgt für Autoscooterfeeling, übertönt dafür die echten Autos und soll wohl dazu führen, dass man den Burger schneller isst – doch der leckere Geruch aus der kleinen Küche hinter der Theke, in der drei freundliche Mitarbeiter rumspringen, lenkt die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Der coole Thekenmann, ein bisschen Typ Gebrauchtwagenverkäuferazubi, von dem man sich gerne anquatschen lässt, verrät: Je Burger kommen 200 Gramm Beef drauf und in Mainz sind die Burger generell größer als in den Frankfurter Filialen.
Wir verzichten auf den einzigen vegetarischen Burger „Trip ins Grüne“, testen stattdessen den Klassiker Cheeseburger und den feurigen Mariachi. Unsere Burger kommen innerhalb weniger Minuten und letzterer (9,25 Euro) ist tatsächlich gut scharf, kein Geiz bei den Jalapenos, Rucola und rote Zwiebeln perfekt dosiert, die Soße prägend, aber nicht zudringlich. Der Cheeseburger (8,55 Euro) begeistert ebenfalls mit der nicht gewöhnlichen Burgersoße. Das Fleisch – laut Bullys Charolais Rind aus Freilandhaltung – ist saftig und angenehm zurückhaltend gewürzt. Die Pommes sind solide, nur die Guarcamole ist lasch – ihr fehlt quasi das, was an Beschallung zuviel ist.

 

das!Burger, Grabenstraße 16, Wiesbaden
Ob der Name ein Joke sein soll? Das absichtliche Verletzen des guten Klangs führt hier – Gott sei Punk – nicht in ein übles Geschmacksloch, sondern ein aufgeräumtes zweckdienliches Burgerrestaurant.  Die Burger überzeugen, die Location in Sachen Style dann nicht, dafür fehlen die Einrichtungsgimmicks des fast schon verpflichtenden Burgerladen-Vintage-Looks. Da hilft die unverputzte Backsteinwand und die scheppernder Delta-Blues-Mucke auch nicht. Saftig, in vielen lustigen aber letztlich schlüssigen Geschmacksrichtungen, wird dem artgerechten Rindfleisch immer eine Nuance mehr an Beiwerk offeriert als andere Burgerläden dies vermögen. Der „Aristokat“ aus dem Special-Programm führte neben dem artgerechten Rind auch Blue-Cheese-Cream, Bacon, Balsamico-Cranberrie, Walnusspesto, marinierte Zwiebeln auf den Brötchenhälften. Und es schmeckt satt und vorzüglich, nahezu knusprig. Das große Lob wird durch die Lauflagenpreise abgemildert. Ein bis zwei Euro billiger pro Essen dürfte es schon sein. Mit Getränk und Pommes streift man die 15-Euro-Marke, also bald das Doppelte, was andere Locations für das günstigste Menu verlangen. Gewicht des Burgers: 292 Gramm. Die Regel sind mehr als 300.

 

Nassau Burger, Michelsberg 9, Wiesbaden
Eine strahlende blonde Frau nimmt uns in Empfang und berät sogleich über das Mittagsangebot, das den kompetenten ersten Eindruck noch verstärkt: Zu den Burgern aus der Karte gibt’s mittags aufpreislos Pommes und/oder Krautsalat sowie einen kleinen Softdrink. Wir sagen nicht Nein und entscheiden uns für den (wirklich sehr) scharfen Calexico und den König Ludwig, der in der Onlinekarte noch mit Laugen-Bun steht. Laut Restaurantleiter werden Laugen-Buns aber nicht sonderlich nachgefragt, ergo nicht mehr angeboten. Macht nix. Nachdem im Vorfeld unsere Mitarbeiterin Tina von „laschen Burgern da“ berichtet hat, muss an dieser Stelle gesagt werden: berechtigte Kritik, wenn man auf Geschmacksverstärker, übermäßig Salz und überzuckerte Soßen steht. Wir freuen uns aber über qualitatives Fleisch vom rheinhessischen Bauernhof mit saftigem „laschen“ Eigengeschmack. Dass man auch die Mayonnaise, die nach echter Mayo schmeckt und nicht nach dem gesalzenen Fett aus dem Eimer anbietet, zeigt, dass man es ernst meint mit der Profession. Das Dressing des Krautsalates hat ein wenig Überschärfe, aber darüber soll man beim Ich-Glück der wirklich krossen Pommes nicht meckern. Hier passt also ziemlich viel! Nimmt man die coole Vintage-Look-Einrichtung hinzu, die angenehme Musik und überhaupt die stimmige, unaufdringliche Atmosphäre, dann bleibt ein rundum positiver Eindruck, allenfalls mit dem Wunsch das eine oder andere Salatblatt oder Gemüse noch auf die Karte zu mogeln. 

  

Humberto, Holzhofstraße 14a, Mainz
Sortieren wir unsere getesteten Burgerläden auf einer Skala von casual bis gehoben, ist Humberto definitiv das äußere Ende auf der Gehobenseite. Schon der Blick in die Karte zeigt die Bruderschaft Humbertos mit der „Fleischboutique“ Edel Beef, hier kann man richtig teuren Stoff vertilgen, beispielsweise Entrecôte zu deutlich über zehn Euro pro 100 Gramm. Rindfleisch der oberen Preisklasse wird hier zelebriert und es wird wohl kaum mehr als der gebotene Anstand sein, dass sich auf der Karte ein Veggieburger findet, falls eine Gruppe Fleischfetischisten den Quotenvegetarier mitbringt. Klar ist: Wir haben es hier mit einem Restaurant zu tun, keineswegs mit einer Burgerbude – die Garstufen werden mit Kerntemperatur angegeben. Noch Fragen? Der Laden ist extrem geschmackvoll eingerichtet und gestaltet, einen solch eleganten Spagat zwischen vintage und modern muss man suchen.
Die Burger sind preislich gar nicht so weit über dem Level anderer Anbieter, man zahlt in etwa für den Solo-Burger, was anderswo der Burger mit Beilagen und Getränk kostet. Dafür bekommt man für seinen Zehner 250 Gramm geiles gegrilltes Beef, ordentliche Buns und auch der Rest weist keine Mängel in Geschmack und Qualität auf. Wir verspeisen den Dios mit Tomate, Büffel-Mozarella, Rucola und Kräutercreme und den Humberto cheese. Bei Mozarella stellt sich ganz grundsätzlich die Frage, wozu die Welt einen nahezu geschmacksneutralen Käse braucht – den Reiz macht hier klar das Wort Büffel aus. Erfreulich: Besteck, Servietten sowie Ketchup, Mayo und Senf stehen auf dem Tisch. Und zur Vorspeise gibt’s eine kleine Schüssel Popcorn. Charmant!

 

Burgerladen, Quintinsstraße 7, Mainz
Man sitzt über seinem Burger und hört zwischen der 80er-Style-Musik immer mal wieder: „Philipp!" oder „Daniel!“ oder „Lena!“ aus dem Lautsprecher, was bedeutet, dass die Aufgerufenen ihr Essen abholen können. Neben dem Hauptraum gibt es einen ziemlich ungemütlichen Nebenraum, in dem die herbstliche Nebelkälte wohnt. Allerlei Krümelchen von verspeisten Burgern in den Fugen des Upcyclingtischs sind einfach nicht lecker. Die flohmarktmäßige Bestuhlung bringt wenigstens ein Minimum an optischem Leben rein. Der Raum mit der Verkaufstheke und der offenen Braterei ist definitiv gemütlicher. Beim Bestellen zeigt sich die Frau hinter der Theke freundlich und kompetent. Der sexy Typ und Burgerbrater ist dann aber doch der eigentliche Blickfang. Man kann ihm gerne beim Burgermachen ungehemmt auf den Knackarsch glotzen und sich so doppelt mit Vorfreude versorgen. Ein Zertifikat an der Wand liefert Herkunftsinfos zum Fleisch. Es gibt vier Burger zur Auswahl (auch mit 300 Gramm Fleisch oder vegetarisch), dazu Specials und Optionen zu Eigenkreationen. Der Menüpreis für „normal“ liegt an der Zehn-Euro-Grenze. Der getestete Chilli-Cheese hat in Sachen Schärfe noch Luft nach oben, allerdings tritt dank defensiver Soße der Fleischgeschmack deutlicher hervor, was angesichts der guten Fleischqualität kein Nachteil ist. Zu viel Salz verhindert die Bestnote für die Pommes. Und rote Zwiebeln fänden wir besser als normale.

 

Die Henne Lacht, Welfenstraße 5, Wiesbaden
Die Henne Lacht bietet Schwein und Rind, also keine Hinkels. Die leben folglich länger und können bis zuletzt lachen. Als Location ist dies hier eher der Schauplatz für eine ZDF-Vorabendserie. Aufgeräumt, frisch, großzügig und warmherzig. RTL2 würde definitiv nie so viel Geld für eine ordentliche Staffage ausgeben. Lichtes Grün, sattes Petrol, Fensterfront, viele Tafeln mit vielen Angeboten bis hin zum Überblicksoverkill, vollgeschrieben mit Specials voller frischer Waren. Auch Salate, Obst, Stullen, Desserts und Suppen zählen mehr als Pommes. Dankenswerterweise fehlen hier die Hipsterassis mit Undercut aus Berlin Tag und Nacht, die sonst in Burgereien gerne zum Ambiente gehören. Statt schnodderiger Ansprache gibt es bei der Henne freundliches Erklären des Angebots-Tohuwabohus. Wuchtig sind die Burger, die alle anderen Burgerbrater locker mit einem circa Fünf-Zentimeter-Belag an Pulled Pork oder Pulled Beef in die Ecke treiben. Fritz-Limo, griechischer Salat und Burger deutlich unter zehn Euro müssten den Restaurantberater mit der Kalkulationstafel auf den Plan rufen. Billig und außerordentliche Qualität ist sehr ungewöhnlich, funktioniert aber wie folgt: Es gibt eine bestimmte Menge an Ware, ist die ausverkauft, ist zumindest damit Feierabend. Keine Reste, daher bessere Preise. Leider hat die Henne Lacht keinen Abendbetrieb. Die frühe Henne fängt den Burger!

 

Cubo Negro, Karmeliterstraße 4, Mainz
Ihr Name war Lucy. Juicy Lucy. Wie Lucifer, nur teuflischer. Dreihundert Gramm Beef mit Cheddar gefüllt, uns im sündigen Teigzweiteiler in Käsesoße erwartend. Geschmückt mit Bacon, Tomaten, Jalapenos, roten Zwiebeln. Sie wollte erobert werden, suchte einen Kerl, der es mit ihr aufnehmen konnte … Soviel zum monströsesten Burger, dem wir auf unserer Tour begegnet sind. Passend die Nummer des Kolosses auf der Quittung: 666. Juicy Lucy ist die Versuchung schlechthin, ein Burger biblischen Formats für knapp acht Euro, der im dezenten, fast schon gehobenen Flair des Cubo Negro wie ein wütendes Tier lauert, um urplötzlich über deinen Magen herzufallen. Warum dieses Spektakel fast zwei Euro günstiger ist als der Chickenburger (der ebenfalls empfehlenswert ist) – wer weiß. Bei den klassischen Burgern wird man gefragt, wie das Fleisch sein soll (wir orderten Lucy medium). Denkt man sich Lady Gaga weg und einen Könner an den schwarzen Flügel gegenüber der Theke, dann ist das Cubo Negro Candle-light-Burger-fähig. Fest steht jedenfalls: Willst du deine Frau loswerden, dann mach es vor ihren Augen mit Lucy.

 

Hans im Glück, Gutenbergplatz 6, Mainz
Wohl eher Hans im Birkenwald. Wir merken bei unserem Besuch schnell: Entweder man mag die vielen Stämme oder man fühlt sich von dieser speziellen Art der Innenarchitektur bedrängt. (Einen ähnlichen Style, nur dezenter, findet man in Mainz übrigens im Restaurant Bergschön.) Da HiG 1A-Lage hat, haben wir natürlich im Vorfeld schon viel über die Filiale der Münchner Kette gehört, darunter viel Lob für die Burger.
Wir nehmen den Avocado-Burger und, weil eine Seltenheit, einen veganen Burger namens „Butterbirne“. Die Auswahl der Brotsorte fällt auf Mehrkorn. Beim Avocado-Burger wird nicht an Avocado gespart, der Heumilchkäse und der Geschmack des Fleisches überzeugen. Wo das Fleisch herkommt? Antwort aus der Küche: „Aus Bayern.“ Der vegane Burger ist ein süßes Exemplar und hat den Charakter einer Nachspeise. Ohne Avocadocreme und Orangen-Senf-Soße ist der Weizenbratling recht fad. Das Gesamtwerk ist allerdings okay.
Schmunzeln müssen wir über den Schlank-mach-Spiegel auf dem Weg zum Klo – da kommt man glatt auf den Gedanken, gleich noch einen Burger zu essen, man muss ja scheinbar nicht auf die Figur achten. Aber egal, ob schlank oder nicht, die Sitzflächen – gerade an der Wand –, sind doch sehr knapp bemessen.

 

 

Autor: 
Ingo Bartsch, Maja Becker, Michel Süss
Ressort:
Ausgehen / Gastroguide
Facebook:
Artikel bewerten:

Dies bewerten

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)

Flattr

Galerie: 
Ein veganer Burger bei Hans im Glück (Mainz). Im Salatdickicht lauert ein Bratling.
Vegan ist auch die Einrichtung im Hans im Glück: Birkenholz, soweit das Auge reicht. Vorsicht vor Waldkoller!
Der hier ist mit Fleisch, das "aus Bayern" (O-Ton aus der Küche) kommt.
Die Henne lacht in Wiesbaden. Warum lacht sie?
Weil sie nichts zu befürchten hat. Serviert werden Schwein und Rind. Auf unserem Burger ...
... pulled pork. Mmmmh ... *lechz*
Wer hart mit der Rute zuschlägt, muss einen vollen Bauch haben. Den holt sich Kollege Nikolaus im Mainzer Burgerladen.
Sieht wirklich verführerisch aus im Cubo Negro (Mainz). Im Hintergrund schon ganz feucht wartet ...
... Juicy Lucy. Ein grandioser, kaum zu bewältigender Burger.
Eine Nummer sagt mehr als 1000 Worte.
Was hier ein bisschen wie Apfel mit Patty im Maul aussieht, ist doch nur ein Burger. Ein Burger von das!burger, Wiesbaden.
Und nochmal Wiesbaden: Bei Nassau Burger gibt's als Mittagsspecial das ganze Mahl + Softdrink zum Preis des Burgers.
Sieht gut aus und schmeckt auch so.
Bei Bullys Burger nahe dem Mainzer Hauptbahnhof gibt's Autoscooter-Mucke zum Burger.
Und von überall strömt das Licht ins Innere.
Wir hatten jedenfalls viel Spaß und wissen jetzt: Schlechte Burger bekommt man weder in Mainz noch in Wiesbaden.