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Der Grillausweis kommt

Keine Grillverbote, aber auch kein Laissez-faire mehr: Mit dem Grillausweis will Mainz den Interessen von Wurstbrutzlern und Anwohnern gleichermaßen gerecht werden.

 

Die Grillsaison steht vor der Tür, und nun ist es amtlich: Zum 1. Juni darf in ganz Mainz nur noch mit dem offiziellen Grillausweis (OGra) gegrillt werden. Nach langen Debatten hat die Stadt damit laut eigener Aussage den „Königsweg für AnwohnerInnen und GrillerInnen“ gefunden. Bis zur Entscheidung für den Ausweis hatte die Stadt im Kreuzfeuer beider Interessensgruppen gestanden. Auf der einen Seite die Grillenden, die – gerade nach dem Grillverbot am Zollhafen – ihre freizeitgestalterischen Möglichkeiten zu arg beschnitten sahen. Auf der anderen Seite Anwohner, die sich vor allem über unangenehme Gerüche, Wildpinkler und Lärm echauffierten. Damit soll nun Schluss sein – sowohl mit den Unannehmlichkeiten für die Anwohner als auch mit den Grillverboten, die zum 1. Juni stadtweit aufgehoben werden.

Der OGra kann ab dem 15. April in GaEks (Grillausweis-Erwerbskursen) erworben werden. In fünfmal zwei Stunden absolvieren die Teilnehmer verschiedene Lektionen: „Brandschutz 1 und 2“, „Recycling und Sauberkeit“, „Recht“, „Ästhetik“, „Emissionsschutz“ (bezieht sich auf Lärm und auf Rauch, d. Red.) sowie „Grillpraxis 1 und 2“. „Grillpraxis 2“ beinhaltet die praktische Prüfung, zuvor wird – ähnlich wie beim Autoführerschein – in einer schriftlichen Prüfung die Theorie abgefragt.

Die Teilnahme an den Kursen, deren Termine noch bekanntgegeben werden, kostet pro Person neunzig Euro. ALG II-Empfänger bekommen die Kosten vom Jobcenter zurückerstattet. Ab dem 1. Juni wird es schließlich so sein, dass Grillende, die ohne den OGra erwischt werden, mit satten Bußgeldern ab 250 Euro aufwärts rechnen müssen, hinzu können soziale Arbeitsstunden kommen, zum Beispiel zwangsverpflichtendes Müllaufsammeln beim Dreck-weg-Tag. Auch Ausweisinhaber können belangt werden, etwa wenn sie Kohle verwenden, die nicht das grüne TÜV-Feinstaubsiegel trägt oder einen Grill benutzen, der gegen die EU-Verordnung zur Zubereitung warmer Speisen im offenen, teiloffenen und nichtüberdachten Raum (2009/674/EG)  verstößt.

Recht unglücklich über den Grillausweis ist man auf der anderen Rheinseite. Wiesbaden befürchtet nun einen Ansturm von „Guerillagrillern“, die den Ausweis nicht erwerben wollen und an die Rheinufer in Kastel und Biebrich ausweichen. Einen eigenen Grillausweis will man in Wiesbaden nicht einführen: „Zuviel Bürokratie“, lautet die Begründung.

Autor: 
Calpo Salmrohr
Ressort:
Magazin
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Audio: 
Grillausweis by STUZ

Kommentare

nice try

Des is en Aprilscherz oder?

hey, ist das jetzt ein aprilscherz oder ist es keine!?

Das Schlimme ist ja, man würde es der Stadt sofort zutrauen...

RICHTLINIE 2009/67/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
vom 13. Juli 2009
über den Anbau der Beleuchtungs- und Lichtsignaleinrichtungen an zweirädrigen oder dreirädrigen
Kraftfahrzeugen

Ich hab die Sache mal weitergedacht:
http://www.wurstblog.de/wurstipedia/verzehrs-kasper