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Per Navi durch die Leber

Uni Mainz stellt neues Verfahren zur Operation an der Leber vor – Wir waren im OP live dabei.

 

Ein monotones Piepen ist zu vernehmen, während der Oberarzt mit Mundschutz und grüner Haube am offenen Fleisch arbeitet. Doch statt den Blick nur auf der Wunde zu lassen, schaut er in regelmäßigen Abständen auf einen Bildschirm. Der zeigt in bunt die Äste der Blutgefäße, an denen quietschgelbe Punkte hängen- die Tumore.
 

 

Das CAS-One Lebernavigationsgerät, das eine 3-D-Landkarte der Leber erstellt wird vom Leiter der Unimedizin, Professor Hauke Lang, vorgestellt. In Zusammenarbeit mit der Firma CAScination von Dr. Matthias Peterhans und europäischen Partnern war Lang an der Entwicklung beteiligt. Das Gerät, das erste seiner Art in Deutschland, ist für 150.000 Euro angeschafft worden.

 

Präziser arbeiten

Für eine Leberoperation gilt, dass einem Menschen bei gesunder Leber mindestens zwanzig Prozent  des Gewebes erhalten werden müssen, sonst stirbt er. Die Leber wächst dann innerhalb von Tagen bis Wochen nach dem Eingriff wieder auf ihr normales Volumen an. Die Blutgefäßäste, die mit dem Leberstück des Tumors entfernt wurden, bilden sich aber nicht wieder neu. Es wachsen stattdessen die übrig gebliebenen Äste an. Wenn ein Mensch also nur noch einen verbleibenden Ast hat und sich erneut Tumore bilden, kann kein Gewebe mehr operativ entfernt werden. Es gilt also, so viele Äste wie möglich auszusparen.

 

Im Voraus planen

Seit zwanzig Jahren gibt es jetzt schon ein Computerprogramm, um die Leber dreidimensional darzustellen. Mithilfe des 3D-Bildes sieht man, wo die Äste in der Leber gelegen sind und wo die Tumore. Somit kann man im Voraus planen, mit welchen Durchtrennungsverfahren die meisten Blutgefäße erhalten bleiben. Die Schnitte können aber nicht zu hundert Prozent präzise durchgeführt werden, da der Chirurg die Tumore ertasten muss. Ihm steht auch Ultraschall während des Eingriffs zur Verfügung. Wenn der Patient eine  vorangegangene Chemotherapie  hatte, sind die Tumore jedoch besonders klein und schwer zu lokalisieren. Daher wurden in solchen Fällen meist größere Stücke der Leber entfernt.

 

Das CAS-One-Lebernavigationsgerät ist seit 2011 auf dem Markt. Sein Verfahren kombiniert die 3D-Darstellung der Leber mit dem Ultraschall. Die 3D-Aufnahmen, die vorher durch eine Tomographie ermöglicht wurden, werden während der OP mit live Ultraschallbildern abgeglichen. Die entstandene „Karte“ aktualisiert sich ständig. Man kann dabei die Position der chirurgischen Instrumente in der Leber wie die eines Autos bei einem Autonavigationsgerät verfolgen. Das Ertasten wird somit überflüssig. Nach Auskunft von CAScination ist die Ortsbestimmung bis auf eine Abweichung von 5 mm genau möglich. Ein Referenzpunkt im Bild ermöglicht das.

 

 

 

 

Autor: 
Miriam Landwich
Ressort:
Reise / News
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Galerie: 
Dr. Matthias Peterhans und Prof. Hauke Lang
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