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Neue Sterneköche in der Region

Motorcity Rüsselsheim und das beschauliche Rheinhessendorf Selzen hatten bisher wohl keine Gemeinsamkeiten. Das hat sich geändert: Beide Orte haben nun ihre ersten Sterneköche.

 

Mit Mispeln und Maronen

Leicht ist es nicht, das Restaurant Kaupers in Selzen zu finden. Der Kapellenhof, der es beherbergt, scheint größer als das ganze rheinhessische Dorf drumherum. Neu-Sternekoch Sebastian Kauper und seine Lebensgefährtin Nora Beyer empfangen ihre Gäste in der warmen Atmosphäre einer augenscheinlich hingebungsvoll eingerichteten ehemaligen Weinstube.
Dass vor knapp anderthalb Jahren aus der guten alten Woistubb ein besonderes Restaurant wurde, habe manch einem nicht geschmeckt, berichtet das Paar. Jetzt, nahezu in Rekordzeit, haben sie die Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht haben – einen Stern im Gourmetführer Michelin. „Alles ist wie immer, nichts ist mehr wie vorher“, sagt Kauper, der die große Glückwunschwelle gerade hinter sich hat. Von der Adelung erfahren hatten die beiden kurz nach der Michelin-Guide-Pressekonferenz von einem befreundeten Sternekoch.

Die kulinarische Philosophie des Kaupers liegt im Trend. Ralf Flinkenflügel, Chefredakteur des Michelin-Guides, stellt fest, dass Spitzenköche derzeit ein Faible für regionale Küche haben. Genau die treibt Sebastian Kauper auf die Spitze, zaubert etwa aus Zuckerrüben, Maronen, Mispeln, Reh oder Rheinfisch sein Sterneessen. Ein Geheimnis ist dabei, dass nur zum Einsatz kommt, was gerade Saison hat: „Wir finden es einfach grundlegend wichtig, mit der Natur und nicht gegen sie zu essen.“ Wenn er und Partnerin Nora Beyer über Essen sprechen, fallen häufig Worte wie „fühlen“ und „spüren“. Spüren sollen die Gäste eben auch die Jahreszeit, was ebenso für die Deko gilt, für die Beyer zuständig ist. Senkrechtstarter Kauper – erst Studium als Bauingenieur, dann Kochausbildung mit 25 begonnen, nun mit 34 Sternekoch – schmeißt die Küche übrigens im Alleingang, von Z wie Zwiebelschälen bis A wie Aufräumen und Putzen.

Eine „Verführung in 5 (oder 6) Akten“ ist für etwa 75 bis 90 Euro zu haben, dazu wird eine „Weinreise“ angeboten. Alle Speisen können auch à la carte bestellt werden. Das Kaupers hat nur vier Tische – auch ein Teil der Philosophie, denn aus ihrer gastronomischen Erfahrung wissen Nora Beyer und Sebastian Kauper, dass das Gesamtkunstwerk Restaurant unter zu vielen Gästen leidet. Und so fügt sich das frisch gekürte Sternerestaurant ins pittoreske Selzen, dessen Bekanntheitsgrad nun in die Höhe schnellen wird – was den Schmerz über den Verlust der Weinstube lindern dürfte.  

 

Autor: 
Ingo Bartsch/ Matthias Schmidt
Ressort:
Ausgehen
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Galerie: 
Thomas Macyszyn
Nora Beyer und Sebastian Kauper

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