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„Schnell zur Besinnung kommen“

STUZ befragt die Direktkandidaten im Wahlkreis Mainz. Teil 4: Patrick Wybranietz, 20, Student, von der Partei der Vernunft

 

Warum wollen Sie in den Bundestag?

 

Um den Bürgern in Deutschland und auch der Welt ein Beispiel zu sein. Damit im politischen System Deutschlands wieder die Freiheit der Bürger gestärkt wird und damit die Bürger vor Ort wieder über ihr Leben entscheiden können. Im Moment ist es eher undemokratisch aufgebaut. Es soll auch wieder das Grundgesetz verwirklicht werden. Wenn man sich zum Beispiel anschaut, was mit der kommunalen Selbstverwaltung passiert ist, die eigentlich gar nicht mehr vorhanden ist. Kommunen und Bezirke sollen wieder Aufgaben an sich reißen können, die sie selbst lösen können und sollten. Natürlich gibt es auch Aufgaben, bei denen es sinnvoll ist, dass sie auf höherer Ebene erledigt werden, aber das sollten die Kommunen selbst entscheiden. Das ist, als würde man alle vier Jahre wählen gehen, macht sein Kreuz und gibt alle Kompetenzen an sehr, sehr wenige Leute im Bundestag ab. Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun. Dabei gehen auch Minderheiten unter. Das ist das Traurige daran.

 

Was würden Sie nach der Wahl als erstes legalisieren und weshalb?

 

Ich würde, wie es in unserem Programm auch steht, erstmal jedes Geld legalisieren. Im Moment haben wir als gesetzliches Zahlungsmittel den Euro. Darin besteht ein Riesen-Problem, weil Geld das wichtigste Gut schlechthin ist, doch im Moment haben wir sehr schlechtes Geld. Wenn man sich anschaut, was Geld früher war, und zwar eine Ware, wird klar, wie absurd unser Geldsystem ist. Man geht arbeiten und man braucht irgendetwas womit man das zeitlich sichern kann. Das heißt, ein Metzger kan nicht mit hundert Schweinen auf dem Rücken zum Tischler gehen und zehn Tische kaufen. Deswegen muss es eine Möglichkeit geben, dieses Erarbeitete in einer Ware zu sichern. So ist Geld entstanden. Im Moment hat Geld nicht mehr diesen Charakter, inhärenten Wert zu haben. Wenn, wie es die Geschäftsbanken machen, aus dem Nichts Geld geschöpft wird, das so genannte Giralgeld. Banken müssen nur eine Mindestreserve von einem Prozent bei der EZB hinterlegen. Den Rest können Sie über einen Kredit aus dem Nichts schöpfen. Deswegen muss man verstehen, dass auch Inflation kein Akt Gottes ist oder dass es natürlich ist, sondern dass es systemimmanent zu einer Geldentwertung kommt. Das trifft den kleinen Sparer am härtesten. Die Folgen dieses Geldsystems sind verheerend.

 

Was würden Sie nach der Wahl als erstes verbieten und weshalb?

 

Unsere Philosophie ist, man sollte tun und lassen können, was man will, so lange man niemandem schadet. Da ist unsere Grenze. Wie das dann in einzelnen Fällen aussieht, muss man analysieren. Um jetzt ein Beispiel zu nennen, wenn eine Bank einen Kredit gibt über eine Million, hat aber selbst nur zehntausend selbst für diesen Kredit aufgewandt. Man zahlt die Hälfte des Kredits zurück, hat mit Zinsen die Bank schon ins Plus gebracht und kann trotzdem den Rest des Kredits nicht zurückzahlen, dann kann die Bank dennoch das Haus verpfänden. Das neu geschöpfte Geld, das die Bank garnicht besaß, wird trotzdem rechtlich so behandelt, als ob es ihr Vermögen wäre. Das ist ein Riesen-Skandal, der von den etablierten Parteien unter den Tisch gekehrt wird und überhaupt nicht angesprochen wird. Der Staat finanziert sich auch durch dieses System und baut so immer mehr Schulden auf, so dass das am Ende der Steuerzahler zahlen muss. Das zu verbieten wäre schon mal ein Anfang. Das und die unrechte Enteignung der Kreditnehmer.

 

Ihr Wahlkreis gehört zu den am stärksten von Fluglärm betroffenen Gebieten in Deutschland. Was wollen Sie im Bundestag dagegen tun?

 

Wir als Partei der Vernunft wollen Politik dezentralisieren. Das heißt, da dieses Gebiet von Fluglärm betroffen ist, sollte auch dort gehandelt werden. Das ist natürlich keine Bundessache. Das ist eine Sache, die vor Ort gelöst werden muss. Die Bürger vor Ort sollen über den Bau solcher Projekte selbst entscheiden. Wurde wie hier einfach gebaut, sollen die Bürger auf Schadensersatz und ähnliches klagen können. Wir wollen eine dezentrale, eine demokratische Lösung.

 

Was können Sie im Bundestag für Studierende erreichen?

 

Das ist ein schwieriges und komplexes Thema. Das System ist so aufgebaut, dass eine zunehmende Abhängigkeit geschaffen wird, wenn Studenten mittellos sind. Das betrifft auch mich, ich beziehe BAFöG. Darauf bin ich angewiesen, anders könnte ich mir das gar nicht leisten. Deswegen erscheint es auch oft, dass den Studenten geholfen werden muss. Würde man zum Beispiel Steuern senken, wir wollen etwa die Einkommenssteuer abschaffen, würde auch mir persönlich mein Ferienjob zur Finanzierung meines Studiums ausreichen. Der Wohlstand in der Bevölkerung würde mit dieser Maßnahme auch wachsen, Sozialhilfebeiträge und andere Ausgaben könnten sinken. Politker sagen gerne mit reinem Gewissen: "Wir müssen den Menschen helfen, die mittellos sind." Aber dabei haben diese erst mit ihren hohen Steuern und Abgaben den Wohlstand zerstört. Man zahlt insgesamt gut und gerne siebzig Prozent seines Gehalts an Steuern und Abgaben. Das wird einem weggenommen, ohne, dass man selbst darüber entscheiden kann. Man muss sich nur vorstellen, was man erreichen könnte, wenn man nur das Doppelte hätte, also nur dreißig oder fünfunddreißig Prozent Steuern. Unser Ziel ist es, dass wir langsam den Bürgern wieder die Möglichkeit geben, sich selbst zu helfen. Bei den Studenten würde das so aussehen, dass auch die Studenten mehr Geld hätten. Fast jeder Student war schon mal arbeiten. Der Staat kann den Menschen nichts schenken, was er nicht vorher von ihnen genommen hat. Es wird unheimlich viel Geld mit bürokratischen Strukturen in den Sand gesetzt und nur ein Bruchteil davon kommt zurück. Arbeitslosigkeit gäbe es dann auch nur noch als zeitlich begrenzte Arbeitslosigkeit, wenn schlechte Unternehmen durch neue, bessere Unternehmen ersetzt werden. Wir wollen natürlich, dass die Studenten abgesichert sind und ihre Ziele verfolgen können. Wir wollen also nicht, dass alle BAFöG-Hilfe sofort abgebaut wird. Das gleiche gilt für alle Sozialhilfe. Man kann die Menschen nicht einfach hängen lassen. Auf der anderen Seite muss man trotzdem zum Beispiel mit Steuersenkungen und Vereinfachung von Bürokratie den Wohlstand steigern, um solche Probleme erst gar nicht zu produzieren. Abgesehen davon müssen Universitäten dazu gebracht werden bessere Bildung anzubieten. Wenn man sich staatliche Schule und Universitäten genauer anschaut, findet man viele Missstände.

 

Wie kann man Nichtwähler wieder an die Wahlurne bringen?

 

Man muss den Bürgern wieder die Möglichkeit geben, in den Prozess eingreifen zu können. Im Moment ist es leider anders. Man macht alle vier Jahre nur sein Kreuz und darum sind eben alle politikverdrossen. Man hat nur über ganz wenige Dinge selbst Souveränität. Indem man die direkte Demokratie stärkt, also den Prozess von unten nach oben strukturiert, nicht mehr von oben nach unten, weckt man wieder Leidenschaft und Freude am Gestalten. Auch Nichtwähler müssen momentan den Kopf für alles hinhalten, was Politiker tun.

 

In welchen Ausschuss des Bundestages wollen Sie gehen und weshalb?

 

Darüber habe ich mir eigentlich noch gar keine genauen Gedanken gemacht. Mich interessiert das Finanzsystem sehr, daher wohl am ehesten in den Finanzausschuss.

 

Wie stehen Sie zu weiteren Exzellenzinitiativen?

 

Ich kenne leider nicht die Zahlen, wieviel dafür ausgegeben wird, aber ich denke das ist ein sehr geringer Anteil des Bruttosozialprodukts oder des Steueraufkommens. Solche Sachen finde ich schön, solche Sachen sollten da sein und die Möglichkeit sollte gegeben sein. Im Moment ist es eben so, dass in Bildung so wenig investiert wird und so viel Wohlstand durch diesen unglaublich aufgeblähten Staat, diese Bürokratie und dieses marode Finanzsystem verloren geht. Würden wir langfristig diesen Prozess umkehren, würde es auch weiterhin Exzellenzinitiativen geben. Wir wollen das nicht zurückschrauben. Das Land Rheinland-Pfalz könnte dann auch selbst darüber entscheiden. Die Bürger können dann weiterhin solche Projekte anstoßen. Die Bürger sollen das entscheiden. Warum sollten sie das auch nicht?

 

Was ist für Sie die größte Bedrohung für Deutschland?

 

Die ist voll im Gange wenn man sieht, was der Euro mit Europa gemacht hat. Er war ursprünglich dazu gedacht, Frieden und Stabilität zu bringen. Halb Europa hasst uns weil wir angeblich zu wenig zahlen oder Kanzlerin Merkel ganz böse ist. Ich habe da auch schon meine Erfahrungen in Spanien gemacht. Da wurde mir auch gesagt, ich solle nicht so laut sagen, dass ich in Deutschland VWL studiere. Der Euro hat nur Unruhe gebracht und wird scheitern, das ist nur eine Frage der Zeit. Die Schulden sind viel zu hoch aufgetürmt und die Volkswirtschaften der Staaten sind zu unterschiedlich. Im Endeffekt werden alle Länder gerettet und als letztes wird Deutschland zusammenbrechen. Ich bete zu Gott, dass in einer großen Krise, die dann kommen wird, wie schon einmal, keine extremen Gedanken von links oder rechts aufkommen. In Griechenland haben wir ja schon bürgerkriegsähnliche Zustände. Deswegen gilt es, diese Entwicklung so schnell wie möglich zu stoppen und so schnell wie möglich wieder zur Besinnung zu kommen.

 

Die Straßenverkehrsordnung wurde inzwischen gegendert. Sollen auch zukünftige Gesetz_innen gegendert werden?

 

Das Genderthema ist interessant. Wir sagen, dass jeder Mensch frei geboren ist und dass Gleichberechtigkeit da sein soll. Aber wenn dann irgendwelche Quoten eingerichtet werden, hat das wenig mit Gerechtigkeit zu tun. Denn dann bekommen Menschen nur deswegen einen Beruf weil sie Männer sind und nicht weil sie die Fähigkeiten dafür haben. Es gibt ja auch Frauen, die sich Führungspositionen alleine erarbeitet haben. Und diese haben sie dann auch aus gutem Grund. Aber niemand würde sich für eine Frauenquote unter Müllarbeitern oder Bauarbeitern einsetzen, weil Männer diese Arbeit einfach besser machen können. Vielleicht müsste man dann auch eine Männerquote für Sekretärinnen einrichten.

 

Was sehen sie als die größte Herausforderung der Politik der nächsten vier Jahre?

 

Das Euro-Projekt ist ja schon fast am Ende. Es wird sehr schwierig werden, dieses System zu reseten oder zu versuchen, dass es nicht außer Kontrolle gerät. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Politik sich in Sachen Geldsystem wieder besinnt und wir nicht weiter in diese Euro-Zwangsjacke gesteckt werden. Dadurch entstand viel Armut.

 

Im Bundestag wurde es abgelehnt, einen eigenen Verbotsantrag gegen die NPD zu stellen. Würden Sie nach der Wahl einen neuen Antrag stellen bzw. wie würden Sie zu einem solchen abstimmen?

 

Das Problem ist nicht die NPD an sich. Die Ursache dieses Problems liegt darin, dass durch diese Zentralisation, wie wir sie momentan haben, eine Partei so immens in das Leben von Individuen eingreifen kann. Daher fordern wir, dass der Staat dezentralisiert wird. Von mir aus kann sich dann ein Dorf zusammenschließen und einen auf NPD machen, solange sie damit niemandem schaden, auch wenn diese Grenze dort schnell überschritten wird. Die Politik kann Minderheiten in ihren Freiheitsrechten verletzen. Das ist nicht nur bei der NPD, sondern bei fast allen Parteien so.

 

Was ist Ihr wichtigster Programmpunkt und weshalb?

 

Das ist das Geldsystem. Das wird heutzutage nur von wenigen verstanden. Schon Henry Ford sagte: "Es ist gut, dass die Menschen das Geldsystem nicht verstehen, sonst gäbe es eine Revolution schon Morgen früh." Die Hauptursachen dieser Extreme, die wir heute sehen, die große Arbeitslosigkeit, die Rezession, die Depression, wurden schon von gewissen Denkern beschrieben und analysiert. Es ist unser marodes Geldsystem. Unser Grundsatzprogramm richtet sich hauptsächlich nach der österreichischen Schule der Nationalökonomie mit Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek. Hayek beschreibt, wie unglaublich wichtig es ist, dass die Bürger selbst entscheiden dürfen müssen, was für ein Geld sie benutzen. Niemand würde Geld benutzen, von dem er weiß, dass es in zehn Jahren nur noch halb so viel wert ist, wie das beim Euro der Fall ist. Es ist fundamental wichtig, gutes Geld zu haben. Die Folgen eines solchen Geldmonopols sind weitreichend.

 

Worin weichen Sie vom Programm Ihrer Partei ab?

 

Mit unserem Grundsatzprogramm stimme ich voll überein. Das war einer der Gründe, warum ich überhaupt beigetreten bin und mich hier engagiere. Das Programm ist konsistent und in sich stimmig. Es kommt klar zum Ausdruck, wie Individuen geschützt werden müssen. Gerade auch das Geldsystem ist mir wichtig, das keine andere Partei so anspricht.

 

 

Bitte beantworten Sie die folgenden Fragen mit Ja oder Nein. Wollen Sie Personen unter 18 Jahren das Wahlrecht geben?

Ja

 

Soll man mit einem Direktmandat mehr den eigenen Wahlkreis als die eigene Partei vertreten?

Nein

 

Befürworten Sie eine Quellen-Telekommunikationsüberwachung wie im Programm PRISM?

Nein

 

Setzen Sie sich für den Ausstieg aus der Atomenergie ein?

Nein

 

Ist der Euro die bessere Währung für Deutschland?

Nein

 

Wollen Sie die Bundeswehr weiterhin im Ausland einsetzen?

Nein

 

Soll der Bund den Bildungssektor auch direkt mitfinanzieren dürfen?

Nein

 

Werden Sie sich dafür einsetzen, das Mitspracherecht der Studierenden in der Hochschulpolitik zu stärken?

Ja

 

Autor: 
Xander Dorn
Ressort:
Magazin
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