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Stunt, Cheer, Smile

 

Cheerleading ist ein Sport, der häufig belächelt wird – zu Unrecht wird wohl jeder sagen, der ihn betreibt. Wir haben uns das Training der Wiesbaden Phantastics einmal angesehen.

 

 

Wenn man Cheerleading hört, dann denkt man automatisch an hübsche Mädels, die dauerhaft grinsen und mit ihren „Puscheln“ das Publikum eines Sportevents anheizen. Ihre Röcke sind kurz, ihr Verhalten gemein und sie sind alle mit einem Footballspieler liiert. Das ist das Klischee. Aber wie das so ist, steckt hinter jedem Klischee eben doch mehr.

„Cheerleading ist ein sehr vielseitiger Sport, der neben den klassischen Elementen Tanz, Cheer und Jumps auch Akrobatik und Tumbling vereint“, fasst Alexa Ickert, Headcoach der Wiesbaden Phantastics zusammen. „Die Vielseitigkeit des Sportes macht Cheerleading so interessant. Für jeden ist etwas dabei.“

Die  Menge anheizen ist halt nicht die einzige Aufgabe eines Cheerleaders.

Ickert cheert seit 1992 für die Phantastics, seit 1997 ist sie der Headcoach des Teams. Ihr zur Seite steht Kim Hohmann, die bis 2010 selbst aktiv im Team war. Zurzeit umfasst das Team 31 Mädels im Alter zwischen 16 und 32 Jahren. Erfahrungen im turnerischen oder akrobatischen Bereich seien von Vorteil, aber eben kein Muss, stellt Ickert klar. Schwerpunkt des Trainings liegt auf den Stunts, Hebefiguren, die aus fünf Personen bestehen, und Pyramiden, einer verbundenen Kombination von Stunts. Die Basis für die Stunts bilden dabei die vier Bases, die die fünfte Person, den Flyer, hochheben oder werfen. Für die akrobatischen Elemente wie Rückwärtssalti oder Doppeldrehungen ist dann der Flyer zuständig. Flexibilität und Körperspannung sind also das A und O beim Cheerleading. Gerade das Stunten erfordert viel Training, denn die Einzelnen müssen als ein Ganzes zusammen arbeiten und dabei noch über ihre eigenen geistigen und körperlichen Grenzen hinaus wachsen, um ihr Ziel zu erreichen. „Gute Cheerleader schaffen es, schwierige Pyramiden und Stunts kinderleicht wirken zu lassen und dabei auch noch gut auszusehen. Im Cheerleading geht es immer um die Balance zwischen Leistung(sdruck) und Spaß. Mit der falschen Einstellung kommst du hier nicht weit“, erzählt Hohmann.

Die Hauptaufgabe eines Cheerleaders ist mit seinem Spirit, also der eigenen Ausstrahlung, das Publikum zu begeistern und mitzureißen. Spirit meint hier nicht nur Lächeln, sondern auch mit Anfeuerungsrufen, Cheers und Chants, und Jumps, die Freude am eigenen Sport zu zeigen und das Publikum zu begeistern.

Je lauter, umso besser. Vermutlich kommt daher das Vorurteil der „Hupfdohlen am Spielfeldrand“. „Dabei ist es gar nicht so einfach, die ganze Zeit Spirit zu zeigen und das Publikum anzufeuern, wenn du gerade damit beschäftigt bist eine komplette Pyramide zu halten“, weiß Bella, die seit vier Jahren fest zu den Phantastics gehört und vorher schon gecheert hat.Auch bleiben Verletzungen bei einem solchen Kontaktsport nicht aus. So kann es schonmal passieren, dass man einen Ellenbogen oder eine Faust abbekommt. Schwerere Verletzungen wie Nasenbrüche oder Bänderrisse sind jedoch die Ausnahme. „Völlig angstfrei ist natürlich niemand. Jeder hat etwas, das ihn vor eine besondere Herausforderung stellt“, erzählt eine Cheerleaderin. „Das wichtigste beim Stunten ist darauf zu vertrauen, dass vier Menschen da sind, um dich aufzufangen“.

 

 

140 Stunden Training für 150 Sekunden Auftritt

 

Regulär wird dreimal die Woche trainiert, in der Meisterschaftsvorbereitung bis zu viermal. Im Sommer unterstützen die Phantastics ihre Footballer der Wiesbaden Phantoms, die 2010 erstmals in die German Football League, die höchste Liga im deutschen Football, aufgestiegen sind und sich 2011 den Klassenverbleib sicherten. Während für die Footballer ab September die Winterpause beginnt, geht es für die Phantastics direkt weiter, denn im Frühjahr finden alljährlich die Landesmeisterschaften im Cheerleading statt. In exakt 150 Sekunden zeigen die Mädels in einem aufwendigen Programm, wofür sie in 140 Stunden fünf Monate lang trainiert haben. Die Messlatte ist dabei doppelt hoch gelegt. Zum einen errangen die Phantastics den Hessenmeistertitel schon viermal, zum anderen haben sie in ihrer Kategorie „Senior All Girl“ mit den Cheerleader-Squads aus Hanau und Gießen Konkurrenz auf hohem Niveau. Für einen fünften Stern hat es 2012 trotz einer guten Vorbereitung nicht gereicht. Aber das war kein Grund für die siebzehn startenden Mädels den Kopf hängen zu lassen: Sie durften nach Bremen zur Deutschen Meisterschaft fahren, wo die zwanzig besten Teams Deutschlands aufeinander trafen. Der Ausfall von zwei Leuten eine Woche vor der Meisterschaft bedeutete am Ende nur Rang 16.

Am 19. Mai beginnt die zweite GFL-Saison der Herrenmannschaft und die Phantastics werden ihre Footballer im Helmut-Schön-Park in Wiesbaden wieder lautstark anfeuern. Und wenn es im Oktober wieder ins Meisterschaftstraining geht, dann ist das Ziel wieder den Hessenmeistertitel zu erringen. Mit noch mehr Ehrgeiz und noch mehr Spirit.

Autor: 
Vanessa Schmehl
Ressort:
Sport
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