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Teller statt Tonne: Spitzenköche kochen mit weggeworfenen Lebensmitteln

Spitzenköche aus Mainz und Umgebung zeigten am Mittwoch, den 28. März im Restaurant Treibhaus in Wiesbaden, dass man aus weggeworfenen Lebensmitteln ein leckeres 4-Gang-Menü zaubern kann.

 

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln abgelaufen, wird es oft sofort in die Mülltonne geworfen: So passiert es täglich in Supermärkten und Haushalten in allen Ländern, wo Nahrungsmittel im Überfluss verfügbar sind. Doch dieses Verhalten ist falsch. „Nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, heißt das nicht, dass die Lebensmittel schlecht sind. Gesundheitsgefährdend ist der Verzehr von Lebensmitteln erst nach Ablauf des Verbrauchsdatums – dieses wird auf den Produkten allerdings nicht deutlich genug hervorgehoben und deswegen von den meisten Verbrauchern gar nicht wahrgenommen.“, erzählt Valentin Thurn, Regisseur der Kinodokumentation „Taste the Waste“, die vor einem Jahr großes Aufsehen auf der Berlinale erweckte. Stoff für den 90-minütigen Film lieferten unter anderem das Phänomen der Mülltaucher: Personen, die aus den Mülltonnen von Supermärkten einwandfreies Essen herausfischen oder auch „containern“. Der Film prangert die Lebensmittelverschwendung in den westlichen Industriestaaten an: Für Lebensmittelindustrie, Politik und Einzelhandel ein unangenehmes Thema, das sie nicht gerne in der Öffentlichkeit thematisieren wollen, trägt es doch auch Mitschuld am Hunger in der Welt und globalen sozialen Missständen. Hinter der enormen Verschwendung steckt statt dem Schutz der Verbraucher vor verderblichen Lebensmitteln vielmehr eine ausgeklügelte Marketingstrategie der Hersteller. So erzählt Thurn beispielsweise, dass auf Milch des gleichen Produktionstages unterschiedliche Mindesthaltbarkeitsdaten gedruckt werden, um dem Kunden zu suggerieren, dass er die frischeste Milch bekommt - noch vier Wochen haltbare Milch weckt Misstrauen; er würde die Milch im Kühlregal stehen lassen. Der Kunde ist damit ebenfalls Teil dieses absurden Verschwendungssystems.

 

Um zu zeigen, dass hinter dem Mindesthaltbarkeitsdatum nur eine Marketingstrategie steckt und „abgelaufene“ Lebensmittel noch lange nicht ungenießbar sein müssen, hat das Restaurant Treibhaus in Wiesbaden zum Galadinner „Teller statt Tonne“ eingeladen. Die Spitzenköche Michael Schieferstein, Uwe Becker und Peter Becker sowie Ralph Schüller kreierten aus weggeworfenen Lebensmitteln ein veganes 4-Gang-Menü. Die Crew musste kurzfristig umsatteln: Die erwarteten Spenden von Einzelhandel und Tafel blieben aus. Aufgrund des großen Medieninteresses hatte der Einzelhandel beschlossen, die Aktion zu boykottieren. „Wir mussten auf meinen Gemüsehändler zurückgreifen.“, erzählt Michael Schieferstein, Küchenchef des Barons in Mainz. „ Auch unsere Mülltaucher konnten nur wenig containern. Die meisten Mülltonnen der Supermärkte waren verschlossen.“ Das Dinner wurde deshalb nicht ausschließlich, aber doch auch mit abgelaufener Mindesthaltbarkeitsware und weggeworfener Ware zubereitet. „6 Kilo Weintrauben und Champignons ohne eine einzige braune Stelle haben wir zu leckeren gefüllten Champignons verarbeitet.“, merkt Ralph Schüller an. Überhaupt wurde aus der weggeworfenen Ware viele köstliche und hübsch drapierte Speisen aus der Sterneküche serviert: Zum Einstieg gab es einen „Feldsalat-Cappuccino“ mit Tonkabohnenschaum. Das Buffet bot Wildkräutersalat, Brokkolirahmsuppe, gefüllte Champignons, Brokkoli Tempora, dreifarbige Nockerle (aus Quark und Käseresten) und Karotten-Ingwer-Chutney an. Die Nachspeisenauswahl: Milkyway Espuma in Eclair, Knöterich-Zitronen-Schmand-Eis und Brotpudding. Nach dem Essen waren alle Gäste satt, zufrieden und sich eins bewusst: Abgelaufene Lebensmittel sind noch nichts für den Müll, sondern im Gegenteil sogar richtig lecker.

Autor: 
Vanessa Schmehl & Elena Geiger
Ressort:
Magazin
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Das Menü von "Teller statt Tonne"
Das Buffet: serviert auf CDs
Knusprige Brotspende von Aldi
Das war mal MilkyWay
Dreierlei Gnocci
Brokkoli Tempora