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Unser Berg soll schöner werden

Den politischen Strippenziehern im Wiesbadener Rathaus ist der Zustand des Neroberges augenscheinlich ein Dorn im Auge. Ein neues Nutzungskonzept soll den Berg attraktiver machen.

 

„Unbefriedigend“, in Teilen auch „grottig,“ so wurde der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Martin Kessler jüngst in der Tagespresse zitiert. Die Rede ist vom Zustand des Wiesbadener Hausberges, dem Neroberg. Jetzt strebt die Koalition einen Nutzungsplan an, der dem Berg in seiner Form auch gerecht wird. Denn wenn es nach Kessler geht, so liegt oben, 130 Meter über dem Stadtzentrum, einiges im Argen. Kritikpunkte sind vor allem der Zustand der Fuß- und Fahrwege, die verlotternde Turmruine, die funktionslose Erlebnismulde, der Mangel an gastronomischen Einrichtungen und eine fehlende öffentliche Toilette.
Auf unsere Anfrage erklärt Kessler, dass es ihm in dem angestrebten Nutzungskonzept um einen „Wettbewerb der guten Ideen“ gehe, an dem sich vor allem auch die Bürger beteiligen sollen.
Wie eine solche Bürgerbeteiligung aussieht, konnte an der regen Diskussion unter einem Onlineartikel des Wiesbadener Kurier verfolgt werden, wobei die Meinung unter den Lesern stets in die gleiche Richtung ging, nämlich nicht zu viel zu verändern und den Neroberg als Naherholungsgebiet nicht zu verschandeln. Bessere Beleuchtung und die Errichtung einer öffentlichen Toilette sind die häufigsten Wünsche der Kommentatoren.

 

Reichtum an Attraktivitäten
Dass der Berg für Wiesbadener und Touristen als Naherholungsgebiet trotz oder gerade wegen seines aktuellen Zustandes sehr attraktiv ist, zeigt sich vor allem an schönen Sommerwochenenden.
Denn die angeblich funktionslose Erlebnismulde wird dann von zahlreichen Sonnenanbetern und Picknickern belagert. Wochentags dient sie für Kindergarten und Schulgruppen als beliebtes Ausflugsziel und wird im Juli vom jährlich stattfindenden Improsommer als Bühne genutzt.
Zudem stellen die bereits von Weitem sichtbare russich-orthodoxe Kirche, das leider nicht für jedermann finanzierbare Freibad, das Aussichtsplateau, die Bergbahn und der Kletterwald weitere beliebte Attraktionen dar.

 

Für kein Geld der Welt Spielstätte tauschen
Frederik Malsy, Verantwortlicher des Wiesbadener Improsommers, beklagt die einseitig negative Berichterstattung über den Neroberg. Denn der Berg und die Mulde seien „die perfekte Location, die man für kein Geld der Welt eintauschen möchte.“ Die jährlich rund 10.000 Besucher des Improsommers belegen zudem, dass die Mulde gerade nicht funktionslos sei. Beschwerden habe es  bisher noch nie gegeben.
Holger Elze, Pressesprecher von ESWE-Verkehr spricht von einem äußerst attraktiven ÖPNV-Angebot rund um den Neroberg, schließlich sei ein Umsteigen von Bus auf Nerobergbahn an der Talstation problemlos möglich und die Fahrpreise seien im Bundesvergleich für Bergbahnen sehr günstig. Nicht zu vergessen sei laut Elze auch die immaterielle Gegenleistung, die der Kunde bei der Nutzung der 1888 errichteten, ca. 500 Meter langen Bergbahn erhalte, schließlich handelt es sich bei der Bahn um ein Kulturdenkmal, in dem sich der Fahrgast in die Zeit des Historismus zurückversetzen lassen kann.  Die stets steigenden Kundenzahlen sprächen zudem für die Popularität der Bahn und des ÖPNV-Angebots.
Eine immer wieder gerne ins Gespräch gebrachte touristische Öffnung des freistehenden Turmes scheitert nach unseren Recherchen aber schon daran, dass es sich um einen alten Wasserturm des niedergebrannten Neroberghotels handelt, der seinerzeit als technisches Gebäude konzipiert und genutzt wurde und für touristische Zwecke nicht erschlossen werden kann.
Auch wenn der optische Zustand des Turmes kritisiert werde, so sei die Verkehrssicherheit gegeben, teilten uns die Wiesbadener Liegenschaftsfonds auf Anfrage mit.

 

Fehlende Toilette entwertet den Berg
Große Veränderungen auf dem Hausberg wünschen sich weder Bürger noch Betreiber von gewerblichen Einrichtungen. Unisono bemängelt wird die fehlende öffentliche Toilette, Anja Hauke vom Weitblick Kletterwald spricht in diesem Zusammenhang gar von einer „Entwertung des Berges“.
Improsommer-Macher Malsy wünscht sich dazu noch ein gelungenes Abflusssystem für die Mulde und würde sich freuen, wenn der Neroberg ansonsten in der Form erhalten bliebe. Damit liegt er wohl auf einer Linie mit vielen Wiesbadenern.
 

Autor: 
Daniel Roth
Ressort:
Magazin
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Foto: Alessa Paern
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