Anzeige

Vormarsch der Konterrevolution

Zu Beginn waren sie im Rausch der Revolution, glaubten dies sei die Zeit um die neue Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu zelebrieren und gleich mal ein paar Grundrechte zu fordern. Am Ende rannten sie in alle Himmelsrichtungen. Vom Weltfrauentag in Kairo. 

 

„Seid ihr internationale Frauen?“ Die blonde Dame mit dem typisch amerikanischem Akzent und dem typisch amerikanischen Hüftumfang schaut erwartungsvoll als sie endlich zwei andere Frauen trifft, die wegen des Frauentags gekommen sein könnten. Es ist etwa halb vier, um drei sollte der Millionenmarsch losgehen. Davon sieht man anfangs jedoch wenig. Auf dem Tahrirplatz in Kairo suchen vereinzelt Interessierte die angekündigte Feier des hundertsten Weltfrauentages. 900 Frauen haben via facebook ihre Teilnahme angekündigt, sind jedoch nicht zu sehen. Der Verkehr hat sich halbwegs normalisiert. Der verwüstete Pizzahut wird renoviert. Händler verkaufen Koushery, Teigtaschen, oder Revolutionssouvenirs wie Taschen, Bilder von während den Demonstrationen verstorbenen, Flaggen. Einige bieten gegen Geld an, einem die ägyptische Flagge auf die Hand zu malen. Im Arztzelt wird wieder gearbeitet, in anderen Zelten kiffen oder schlafen Demonstranten. Demonstranten oder Obdachlose, die sich freuen hier eine Zeltplane oder dem Kopf zu haben? Sicher weiß man es nicht. Müll liegt auf dem Boden, als hätte es nie eine Reinigungsaktion gegeben. Ein Baum wird als sanitäre Anlage genutzt. Ein junger Mann, der bei den Demonstrationen, die zum Sturz von Mubarak geführt haben, oft dabei war, sagt, er komme jetzt nur noch selten. „Die Leute, die jetzt hier rumlaufen, sind nicht mehr dieselben wie bei der Revolution.“ Journalisten filmen die orientierungslosen Frauen, schließen sich für wenige Minuten an, machen Fotos.

 

Autor: 
Sarah Nina Marzouk
Ressort:
Reise / Themen
Facebook:
Artikel bewerten:

Dies bewerten

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.6 (7 Bewertungen)

Flattr

Galerie: 
Plakat: "Eine demokratische Verfassung, in der Männer und Frauen in Gleichberechtigung leben und Diskriminierung verboten ist"
Fassungslos stehen die Frauen vor den Gegendemonstranten, die ihnen vorwerfen, ausländische Agenten zu sein.
Nachdem das Militär sich für die Räumung der Zelte entschuldigt hat, stehen jetzt neue Zelte auf dem Tahrirplatz.
Höflich lächelnd nimmt eine Demonstrantin die Argumente der Kontrahenten zur Kenntnis.
Der verwüstete Pizzahut wird inzwischen renoviert.