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Waschen, schneiden, nähen

Mit der Lillybag will man in Wiesbaden die Umwelt entlasten. Das findet die Stadt so gut, dass sie die Idee mit dem Umweltpreis auszeichnete.

 

Die Wilhelmstraße in Wiesbaden ist gesäumt von Fahnenmasten. Beim Flanieren entdeckt man Messeankündigungen, Tagungs- und Werbefahnen und manchmal auch einfach die Wiesbadener Lilie auf blauem Grund. Letzteres inspirierte Anke Trischler vor etwa einem Jahr zu einem mittlerweile preisgekrönten Projekt: der Lillybag. Aus alten Fahnen sollten Taschen mit Wiesbadenbezug werden, die ganz nebenbei die Nutzung von Plastiktüten reduzieren. Waschen, schneiden, nähen: so leicht kann es sein ein bisschen die Welt zu retten. Anke Trischler selbst macht es sich aber nicht so leicht. Die Lillybag ist für sie ein Ehrenamt, sie verdient daran nichts. Trotzdem besteht sie auf eine eigenhändige hundertprozentige Qualitätskontrolle. „Das liegt wohl an meiner Ausbildung bei Miele“, meint sie lachend. Natürlich sei es ungeheuer wichtig, eigene Kompetenzen zu zeigen, um die Mitarbeiter zu motivieren. Das Thema Weltretten nimmt sie dabei nur ungern in den Mund: „Die Lillybag soll zunächst etwas Nettes sein, nicht direkt die Welt retten.“

 

Nur Vorteile
Die Vorteile durch Lillybag lägen klar auf der Hand, so Trischler. Die Stadt spare Entsorgungskosten für die Flaggen, diese können in ihrem Aggregatzustand bleiben und weiterverarbeitet werden. So werde keine unnötige Energie aufgewandt. Die Verarbeitung der Stoffe wird durch Frauen geleistet, die es normalerweise schwer auf dem Berufsmarkt haben oder durch Mehrfachbelastung flexible Arbeitszeiten brauchen. Perspektivisch könne eine solche Tätigkeit auch ein gutes Beschäftigungsfeld für Flüchtlinge bieten, die dadurch in die Gesellschaft eingebunden würden. Das Einsparen von Plastiktüten beim täglichen Einkauf entlastet schließlich die Umwelt und auf Reisen hat man ein Stück Wiesbaden dabei.

 

Zunächst ist die Lillybag bei einem Preis von 13,50 Euro für Messen, Firmenjubiläen und ähnliches gedacht, aber mit steigender Bekanntheit könne man sich durchaus vorstellen, auch einzelne Stücke in Wiesbadener Geschäften zu vertreiben. Der Preis habe mehrere Komponenten: Zum einen die Arbeit der Näherin, aber auch die Vorbereitung der Stoffe, der Transport und die Versicherungen müssten bezahlt werden. Jeder Deutsche nutzt durchschnittlich 71 Plastiktüten im Jahr. Geht man davon aus, dass jede davon 20 Cent in der Herstellung kostet, käme man auf einen ähnlichen Wert, betont Trischler.

 

Pioniere gesucht
Trischler rief das Projekt mit der Unternehmergemeinschaft Wiesbadener Salon ins Leben. Noch steht das Projekt am Anfang und das vertreibende Unternehmen reTHING sucht nun nach „Lillybag Pionieren“. Die Gewinnsumme von 1.500 Euro aus dem Umweltpreis soll nämlich für die Herstellung von 250 limitierten Lillybags genutzt werden. Diese werden kostenlos an interessierte Bürger verteilt – mit einer kleinen Bitte. Auf einer Liste unterschreiben die Pioniere, dass sie ein Jahr lang ihre Nutzung der Lillybag dokumentieren und mit Selfies zeigen in welche Teile der Welt die Lillybag schon reisen durfte.

 

Autor: 
Frederike Holewik
Ressort:
Magazin
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