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CRIME im Oktober

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Von leichter Beute und schweren Jungs, oft nicht witzig und häufig zum Schießen: Wir präsentieren die Top-Verbrechen aus dem STUZ-Gebiet.

Kaum etwas ist langweiliger als im Krankenhaus zu liegen, zumal pleite, denn dann gibt es nicht mal Fernsehen auf dem Zimmer. Verständlich also, dass ein 61-Jähriger in einem Mainzer Krankenhaus durch die Zimmer zieht, um andere Patienten nach etwas Kleingeld anzuschnorren. Die verpetzen ihn beim Pflegepersonal. Die Polizei kommt, findet den Mann in seinem Zimmer und durchsucht seine Sachen. Dabei wird Diebesgut gefunden – nicht so cool. Aber auch nicht langweilig.

Während der 61-jährige Mainzer seine Missetaten vor Ort im Krankenhaus begeht, ordert ein 61-jähriger Wiesbadener Rettungskräfte zu sich nach Hause. (Was das über die beiden Städte und über den Zustand unserer Gesellschaft im allgemeinen aussagt, würde den bescheidenen Raum dieser Kolumne sprengen.) Als diese bei ihm eintreffen, stellen sie fest, dass der 61-Jährige kerngesund ist. So gesund, dass er die Sanitäter beleidigt und mit einem Bierglas bewirft. Versteh einer die Menschen …

„Auf dem Gelände entwenden sie 100-200 Absperrschranken und einen Schubkarren.“

… etwa auch jenen 51-Jährigen, der in Ginsheim-Gustavsburg mit einem Spaten auf ein geparktes Auto einschlägt. Eine Streifenbesatzung stellt ihn auf frischer Tat und finden bei seiner Durchsuchung Amphetamin. Hat man das früher nicht mal genommen, um zu tanzen, um Party zu feiern? Zeiten ändern sich.

Wenn man etwas nicht kaufen kann, kann man es klauen. Das ist natürlich illegal, bitte nicht zuhause nachmachen. Aber es bleibt eben eine Möglichkeit. Zum Beispiel, mal angenommen, daheim fehlt es an Absperrschranken. Dann macht man es wie die unbekannten Täter in Wiesbaden, die sich auf ein Baugrundstück begeben, das über ausreichend Absperrschranken verfügt: „Auf dem Gelände entwenden sie 100-200 Absperrschranken und einen Schubkarren.“ Das sollte für eine Weile reichen.

Oder wenn man es gemütlicher haben möchte, zum Beispiel durch mehr Grün im Wohnzimmer. Dann geht man dorthin, wo es hübsche Pflanzen gibt, etwa in den Schlosspark, Biebrich. Dort hat(te) es Yucca-Palme und Oleander-Strauch, transportfertig in Pflanzkübeln. Die Diebe (einer allein hätte das nicht transportieren können) sparen so mehrere hundert Euro, verraten die Cops.

„Dem Betroffenen wird die Weiterfahrt untersagt und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach §24a Absatz 1 StVG eingeleitet.“

Einen Stecknusskasten hingegen bekommt man nicht in freier Wildbahn. Hierfür muss ein Baumarkt aufgesucht werden. Und schon treten Hindernisse zutage: Öffnungszeiten und Beleuchtung. Sicherheitsverriegelung am Stecknusskasten. Personal, das die Polizei alarmiert. Kein Wunder, dass ein 46-Jähriger bei dem Versuch, in einem Rüsselsheimer Baumarkt kostenlos an einen Stecknusskasten zu gelangen, erwischt wird.

Nun aber zu den Verkehrsteilnehmer*innen und wie sie bei der Straßenverkehrsteilnahme eskalieren, Teil 4.

Ein 23-Jähriger wird in Mainz von den Cops angehalten, weil er mit seinem E-Scooter mehrfach vom Gehweg auf die Fahrbahn und zurück gewechselt ist. Außerdem hat er 1 Promille. „Dem Betroffenen wird die Weiterfahrt untersagt und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach §24a Absatz 1 StVG eingeleitet.“ Fast schon so langweilig wie im Krankenhaus liegen. Kommt auf Platz vier, weil E-Scooter noch neu sind.

Jetzt aber Action: Am Obstmarkt in Mainz rammt ein Krankenstuhlfahrer einen Elfjährigen aus dem Weg und entfernt sich, ohne sich um den verletzten Knaben zu kümmern. Für diese Gemeinheit kommt Krankenstuhlrambo auf Platz 3.
Silber gewinnt ein Vitofahrer, der den Autobahncops auf der A3 zwischen Idstein und Niedernhausen auffällt – weil sein Fahrzeug stark qualmt. Anhalten lassen will er sich deswegen aber nicht. Er flüchtet, versucht ein ziviles Polizeifahrzeug zu rammen, brettert ohne Rücksicht auf rote Ampeln durch drei Dörfer und verunfallt in Hattersheim. Dort will er zu Fuß weiter, wird allerdings festgenommen. Er hat keinen Führerschein und ist ziemlich zugedröhnt. Rang 2 ist hochverdient.

Platz 1 geht an keinen Mensch, sondern an das erste autonome eskalierende Fahrzeug, einen Wiesbadener Gelenkbus. Der setzte sich, kurz nachdem der Fahrer ausgestiegen war, um die Tür zu überprüfen, in Bewegung. Daraufhin fährt der Gelenkbus die Straße runter, erwischt ein Auto mit vier Leuten drin, fährt gegen die Mittelleitplanke, überquert alle drei Spuren der abschüssigen Straße und kommt nach 120 Metern in einem Restaurant zum Stehen. Vier Leichtverletzte, eine Zeugin mit Schock, Bus und Auto kaputt, Restaurant angeschlagen, 120.000 Euro Schaden – Platz eins geht damit ganz klar an den Terminator-Gelenkbus.

„Im Rahmen ihrer Flucht rennen die Täter aus dem Hof heraus an der Haus-eigentümerin vorbei und entschuldigen sich hierbei mehrfach.“

Zum Schluss noch höfliche Kriminelle: Zwei Typen versuchen in Budenheim in ein Haus einzubrechen. Da taucht die Besitzerin plötzlich auf, was die Einbrecher zum Abbrechen zwingt. „Im Rahmen ihrer Flucht rennen die Täter aus dem Hof heraus an der Hauseigentümerin vorbei und entschuldigen sich hierbei mehrfach.“ Es gibt sie also noch, die gut Erzogenen. (inh)

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