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Auf Kufen in die ungewisse Zukunft

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Vierzig Jahre ist die Eishalle am Bruchweg alt. 2024 endet der aktuelle Pachtvertrag, und es wachsen die Sorgen über die Zukunft des Eissports in Mainz – denn die Halle ist von überregionaler Bedeutung.

 

Mainz ist keine Eissportstadt. Mainz bringt Fußballtrainer von Weltformat hervor, beeindruckende Zehnkämpfer oder politisch ambitionierte Raabschläger, aber keine Stars auf Kufen. Eissport ist in der Mainzer Öffentlichkeit kein Thema. Zuletzt zog sich Schott als Sponsor der Mainzer Wölfe zurück, und nun spielt die Eishockeymannschaft in der Rhein-Main-Hobbyliga. Und doch ist Eissport in Mainz beliebt und spielt eine wichtige, auch überregionale Rolle – denn Mainz hat eine Eishalle.

Volles Haus am Wochenende

An einem Sonntag im Dezember ist die Eishalle am Bruchweg rappelvoll. Auf dem Eis findet sich die gesamte Bandbreite von Freizeiteisläufern: von den Unsicheren, die sich an der Bande entlang hangeln bis hin zu den Skillern, die rückwärts und mit hinterm Rücken verschränkten Händen Menschenslalom fahren, als hätten sie sich nie anders fortbewegt. Nach einer Pause, in der das Eisfahrzeug die zerkratzte Fläche wieder glättet, plötzlich laute Musik und Lichteffekte – der Nikolaus und seine Crew kommen aufs Eis, drehen ein paar Runden, bespaßen eine Horde Kinder und läuten die sonntägliche Familiendisco ein. Ein beliebtes Event, was sich an der noch immer steigenden Zahl der Menschen auf dem Eis ablesen lässt.
Was für Eltern und Kinder, Teenies und Kufencracks ein großes Vergnügen ist, ist für Milan Nosek und sein Team harte Arbeit und Jonglieren mit knappem Budget. Die vierzig Jahre alte Halle bräuchte dringend eine Sanierung, doch dafür sind die Mittel viel zu gering. Zuletzt wurde das Dach repariert, was einen fünfstelligen Betrag verschlang – und doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Der Pachtvertrag läuft bis 2024. „Wenn sich bis dahin kein Investor oder großer Sponsor findet, sieht es nicht gut aus für den Eissport in Mainz“, sagt Nick Pawolleck, der kurz zuvor noch als Nikolaus durchs Oval geglitten ist. Dass Nosek, dann über 70, den Betrieb weiterführen wird, zumal unter den aktuellen Umständen, ist zu bezweifeln. Doch ein Verlust der Eishalle würde nicht nur die Freizeiteisläufer treffen. „Im Moment beherbergen wir hier zwölf Vereine, von Eiskunstlauf bis Eishockey.“ Diese Vereine, darunter auch welche aus Wiesbaden, gingen dann buchstäblich kaputt.

 

Die Politik lässt sich blicken

Um auf die Bedeutung der Eishalle hinzuweisen, haben Pawolleck und neun Mitstreiter vor kurzem den Förderverein Eissport für Mainz e.V. gegründet, inzwischen hat der Verein 32 Mitglieder. Ziel ist es, den Eissport in Mainz auch mittel- und langfristig zu sichern. Erste Erfolge sind schon zu verbuchen. Zum vierzigsten Geburtstag der Halle Mitte November veranstaltete der Förderverein einen Tag der offenen Tür. Sowohl Hartenberg/Münchfeld-Ortsvorsteherin Christin Sauer als auch Oberbürgermeister Michael Ebling kamen. Sauer versprach, sich für die Halle stark zu machen, und Ebling stellte fest, wie wichtig die Eishalle für Mainz sei. Ein erster Erfolg, die Eishalle am Bruchweg in den Blickpunkt öffentlichen Interesses zu hieven.
Aktionen werden geplant. So soll es am Familienmittwoch einstündige Schlittschuhkurse geben – kostenlos. Der Förderverein wirbt gerade Trainerinnen und Trainer an. Weitere Ideen sind Eislauf als Schulsport und Special Events in der Sommerzeit, in der der Eislaufbetrieb ruht, etwa eine Inlineskatenight oder Hockeytraining. Pawolleck, der Betreiber Nosek auch in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, hofft, dass der Förderverein helfen kann, Geldgeber auf die Halle aufmerksam zu machen. Er selbst ist an diesem Sonntag mit seiner Tochter da, übt mit ihr Eislaufen. Würde die Eishalle irgendwann ihren Betrieb einstellen, fiele ein Schwergewicht in der Region weg. Es blieben kleine Flächen wie die ESWE Eiszeit in Wiesbaden oder die Schlittschuhbahn auf der Laubenheimer Höhe in Mainz. Zu wenig für die Menge an Menschen, die an diesem Sonntag in der Halle ihre Runden drehen. Und erst recht für die Eissportvereine. „Der Bedarf ist da“, weiß Pawolleck. Das Fahrzeug verlässt schon wieder die Eisfläche, der nächste Einsatz als Nikolaus steht bevor.

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