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Kultur

Quo vadis, Winter?

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Die Folgen des Klimawandels haben uns den ganzen Sommer über beschäftigt. Doch wie steht es eigentlich um unseren Winter? Ein Blick auf das Spielverhalten von Kindern gibt tiefe Einblicke.

Der Wunsch nach weißen Weihnachten ist so alt wie der nach einem regenfreien Sommer. Dass früher während der Feiertage tatsächlich öfter Schnee lag als heute, ist allerdings eine Legende. Die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdiensts (DWD) zeigen, dass es in Deutschland seit 1961 um Weihnachten herum in der Regel gar nicht oder nur sehr spärlich von oben herab rieselt. Die wenigen sAusnahmen und die übliche Vermarktung der Feiertage als weißes Fest sorgen dennoch dafür, dass sich white christmas tief in unseren Köpfen eingebrannt hat. Doch wie steht es um den gesamten Winter? Wie wird die Jahreszeit von Dezember bis Februar von den Menschen heute wahrgenommen? Ein Indikator dafür sind die typischen Freizeit-Beschäftigungen von Kindern um die zehn Jahre, die wir alle kennen, von Schneeballschlachten bis Schlittenfahren. STUZ hat sich mit drei Generationen von Mainzern getroffen, um herauszufinden, wie viel vom Winter(-Spaß) noch übrig geblieben ist.

Freddy (60):

„Als ich zehn Jahre alt war, gab es für mich und meine Kumpels vor allem eine Hauptbeschäftigung im Winter, und zwar Schlittenfahren. Vor 50 Jahren lag hier vielleicht nicht unbedingt reichlich Schnee, aber spätestens ab Silvester kam er zuverlässig und meistens auch für ein paar Wochen. Wir sind dann immer die Wallstraße hoch (Anm. d. R.: am Hartenberg, hinter dem Hauptbahnhof); links hinter einer Häuserzeile lag da an einem Hang die sogenannte ‚Todesbahn‘. Zum Schlittenfahren war das genial, und auch noch mitten in der Stadt! Da musstest du nicht in die Alpen fahren (lacht). Die Bahn war etwa einen Meter breit und hat sich dann in der Mitte nochmal verengt, genau an der Stelle an der es steil runter ging. Vielleicht gibt es die ja noch. Der Winter und der Schnee waren immer ein Highlight für uns, die ganzen Schneeballschlachten und all das, was man im Winter eben so macht. Wir haben uns das ganze Jahr tierisch darauf gefreut.“

Felix (30):

„Ich erinnere mich noch, dass es in meiner Kindheit immer mindestens eine Woche Schnee gab, manchmal auch mehr. In Kostheim gibt es einen Spielplatz mit einem kleinen Hang, da geht es etwa zwanzig Meter runter. Das war perfekt zum Schlittenfahren. In Mainz haben wir uns öfters am Schloss getroffen, die Achsen von unseren Skateboards abgeschraubt und die Bretter als Snowboards benutzt. Da kamen die ganzen Skaterkids im Winter zusammen, das war fast schon wie ein Treffpunkt. Ich erinnere mich aber auch noch daran, dass es irgendwann einfach nicht mehr genug Schnee gab, um es überhaupt noch zu versuchen. Wir mussten es dann sein lassen, was echt schade war. In der Schule veranstalteten wir in den Pausen immer riesige Schneeballschlachten, an denen praktisch alle Kinder beteiligt waren. Wenn dann ein Nachbar mal ein Fenster gekippt gelassen hat, haben wir uns nicht mehr gegenseitig beworfen, sondern alle nur noch auf das Fenster gezielt…ganz schön fies eigentlich. Aber solange es nur Schnee war, war alles erlaubt!“

Luana (10):

„Ich freue mich immer auf den Winter, weil meine Freunde und ich dann Ferien haben und wir viel Zeit im Freien verbringen können. Wir spielen dann immer Fangen oder Verstecken. Dabei muss man sich ja viel bewegen, und so können wir uns auch gleichzeitig aufwärmen. In meiner dicken Jacke ist es aber eigentlich nie so kalt, dass ich nicht vor die Tür gehen würde. Schneebälle werfen macht auch Spaß, aber wie soll das bitte ohne Schnee gehen? Vor zwei Jahren hatte es mal richtig viel geschneit für einen Tag, da bin ich mit meinem Papa und meiner Schwester sofort zum Hartenberg gegangen, um Schlitten zu fahren. Letztes Jahr gab es auch so einen Tag, aber es lag nicht genug Schnee auf dem Boden. Der ist sofort geschmolzen, bevor man irgendwas damit anfangen konnte. Meine Oma hat mir mal erzählt, dass ganz früher, als sie aus Italien nach Mainz kam, einmal der Rhein zugefroren war. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen!“

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