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Weincrowd: Der Insta-Wein

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„Wein für Euch, mit Euch!“, das ist der Slogan der Weincrowd. Dahinter stecken zwei experimentierfreudige Weinliebhaber und eine aktive Community auf Instagram.

Benni, ein Weinblogger und Reinhard, ein Winzer aus Alsheim, gehen seit Spätsommer 2018 neue Wege: Sie haben mit ihren Fans auf Instagram eine neue Marke geschaffen. Eine Marke für Weine, kreiert mit der „Crowd“. STUZ hat nachgefragt.
Wie sollte es auch anders sein? Der Grundstein für die Weincrowd wurde auf Instagram gelegt. Benni, hauptberuflich Marketingmanager und seit Anfang 2018 erfolgreicher Weinblogger auf Instagram (@schmitt_mainwein), startete eine Fragerunde in seiner Story. Ein Fragesteller wollte wissen, ob er denn auch ein eigenes Weingut habe und den Rebensaft selbst herstellen würde. Benni verneinte, jedoch brachte er seinen Wunsch zum Ausdruck, dies gerne mal zu tun. Reinhard las dies und kontaktierte Benni. Das „Projekt Wein“ war geboren.

Die Crowd bestimmt die Rebsorten

„Branchen wie Fitness oder Mode nutzen Instagram schon gefühlt eine Ewigkeit für erfolgreiche Markenbildung und den Vertrieb von Produkten. Die Weinbranche ist hier noch ganz am Anfang“, bringen es die beiden auf den Punkt. Die Idee: Das Potenzial von Social Media mit der Begeisterung für Wein vereinen. Und die Community von Anfang entscheiden lassen, was aus dem „Projekt Wein“ wird. Diese spricht sich für den Namen „Weincrowd“ und ein Logo aus, das die Köpfe der beiden Querdenker in Symbiose zeigt.
Eine „persönliche Bindung“ will das Duo zu den Kunden herstellen, die sie nicht im eigentlichen Sinne als Kunden sehen, sondern vielmehr als „Fans, Markenbotschafter und wichtige Multiplikatoren“. Hierbei greifen sie auf die Story-Funktionen „Fragen“ und „Umfrage“ zurück oder werten die Kommentarspalte aus, um sich Feedback einzuholen. So kann die Crowd über die anzubauenden Rebsorten sowie über Flaschen, Etiketten und Verschlüsse entscheiden. Am Ende steht somit ein „Crowd-Produkt“ via Instagram.
Aber nicht alles überlassen die beiden der Community. Die Darmstädter Designagentur Studio Liasion liefert die Bilder, Logos und Etiketten, die zur Abstimmung gestellt werden. Immerhin muss ein roter Faden bei der Gestaltung erkennbar sein. Allerdings können sich Benni und Reinhard in Zukunft auch Sondereditionen vorstellen, bei denen die Etiketten von den Crowd-Mitgliedern stammen.
Dass die Weincrowd dynamisch ist, hat sie bereits bewiesen. Am Anfang, im Herbst 2018, stand nur ein 300-Liter-Barrique-Fass zum Ausbau des ersten Weins, dem Pinot Blanc Fumé. Nun sind es allein für diesen Weißburgunder fünf Fässer für den Jahrgang 2019 geworden. Und das Portfolio von 18er-Weinen wurde noch mehr ausgeweitet: Neben dem Pinot Blanc gesellten sich ein Rosé sowie ein Pinot Noir. Die Weincrowd kann allerdings nicht nur Wein. Seit Dezember 2019 gibt es auch einen Ginkonkurrenten, einen Tresterbrand vom Gewürztraminer. Limitiert auf 100 Flaschen.

Für 90 Euro gibt’s die Rebenpatenschaft

Auch die Perspektive für das Jahr 2020 klingt vielversprechend. Im Frühjahr sollen noch zwei trockene Weine hinzukommen, ein Müller-Thurgau und ein Riesling. Sofern alles gut läuft, ist sogar am Ende des Jahres, pünktlich zum Weihnachtsfest, mit einem Chardonnay-Sekt zurechnen.
Neben dem Rebensaft und seit Neuestem dem Tresterbrand bieten Benni und Reinhard eine weitere Besonderheit an: Rebstockpatenschaften. Gegen einen Obolus von 90 Euro wird man „Rebenmama“ bzw. „Rebenpapa“ und kann drei Jahre lang die Entwicklung der eigenen Babyreben begleiten. Außerdem steht einmal im Jahr ein Treffen der Rebenpaten in Alsheim an. Damit die „Eltern“ einen schönen Tag haben und ihr „Patenkind“ in Augenschein nehmen können.
Fest steht, der Weinblogger und der Winzer wirbeln die als etwas verstaubt geltende Weinbranche ein wenig auf. Und sie sind sich dabei sicher, nicht die Einzigen zu sein: „Viele Jungwinzer gehen einen neuen und innovativen Weg“, konstatieren sie. Auch wenn Sie bedauern, dass die Fachpresse ihnen bisher noch nicht die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt hat.
Besonders am Herzen liegt den beiden, dass Wein Spaß machen soll, egal wie teuer er sein mag oder wo man ihn erwirbt. Auch wenn Benni und Reinhard sich dazu bekennen, dass handwerkliche Qualität ihren Preis haben muss, gilt für beide eine simple Logik: „Der beste Wein ist der, der schmeckt und von dem ihr eine zweite Flasche öffnen wollt.“

Foto: Weincrowd

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