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Fünf lange Planungsjahre haben sich gelohnt – noch dieses Jahr will die Genossenschaft Z.WO (Zusammen Wohnen) mit dem Bau im Heilig-Kreuz-Viertel in Mainz beginnen. Vier Wohnungen im Cluster sind noch zu vergeben.

In Zeiten, in denen Großfamilie und Dorfgemeinschaft nicht mehr so recht in unsere kosmopolitischen Lebensentwürfe passen wollen, müssen Alternativen her. Unbezahlbare Mietpreise in Städten, steigender finanzieller Druck, Überlastung, Burn-out und Einsamkeit, das klingt für immer mehr Menschen nicht nach gerade verlockender Zukunftsmusik.

Dass sich Menschen zusammentun, um Synergieeffekte zu schöpfen und um sich gegenseitig zu unterstützen, ist keine neue Idee. Spätestens mit der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland im 19. Jahrhundert bietet der gemeinschaftliche Weg eine neue Art zu wirtschaften, die in Form von genossenschaftlichen Wohnprojekten wieder neu auflebt – nun auch in Mainz. Z.WO e.G. will noch dieses Jahr mit dem Bau beginnen. Auch wenn die Wohnungen, bis auf die Clusterwohnungen, vorerst alle vergeben sind, ist das kein Grund zur Trauer, denn Z.WO will seine Projektidee und das Organisationsmodell langfristig verstetigen und neuen Wohngruppen als Inspiration und Starthilfe dienen. Der Schlüssel zum Erfolg bei der Gründung ist vor allem Geduld, stellt Caro Holzer nun, nach über fünf Jahren Planungsphase fest. Caro und Miro Holzer sind die Initiatoren von Z.WO. „Wir haben mit Z.WO ein Unternehmen gegründet, das am Wohnungsmarkt etwas bewegen kann, das vergessen wir ganz gerne mal“, meint Caro heute und ist froh, dass sich über die Jahre immer mehr Menschen und Unterstützer gefunden haben. So konnte im Projekt immer der Leitgedanke, bedarfsgerechten, gemeinschaftlichen, generationenübergreifenden und barrierefreien Wohnraum zu schaffen, aufrecht erhalten werden. Seit der ersten Ideenphase Anfang 2015 hat sich die Gruppe mehrmals neu formiert, Menschen sind abgesprungen, neue kamen hinzu. „Die Projektvision hat immer als stabiles Element gewirkt und uns die Kraft gegeben all die Jahre weiterzumachen“, meint Caro. So ist aus einer anfangs kleinen Gruppe der Verein einViertel e.V. und schließlich die Genossenschaft Z.WO e.G. entstanden.

Nach einigem Hin und Her und vielen Planänderungen mit den Architekten steht nun fest, dass der gemeinschaftlich genutzte Raum der Z.WO-ler aus einem Gemeinschaftswohnzimmer, einer gemeinsame Dachterrasse, einem Hof, Laubengängen, einem Toberaum, einem gemeinsamen Garten, einer Werkstatt, einem Waschsalon und zwei Gästeappartments bestehen wird.

Mehrgenerationenfit durch Rotationsprinzip

Soziokratie 3.0, Konsent und Transparenz sind die tragenden Grundpfeiler der Organisationsstruktur von Z.WO. Mit dem Quartiersverein, einer Food-Coop, einem Quartierscafé, einem CoWorkingSpace und dem schon voll besetzten iCluster (Inklusionscluster) wollen die Genossenschaftsmitglieder das Leben im Heiligkreuzviertel auch in Zukunft nachhaltig, ökologisch und sozial mitgestalten und Diversität leben. Durch ein Rotationsprinzip der Wohnungen wird der Mehrgenerationenaspekt des Projekts langfristig garantiert (siehe Infografik). Ein Belegungsausschuss trägt dafür Sorge, dass das Projekt eines Tages nicht „vergreist“ und in den einzelnen Wohnungen die Fläche optimal ausgenutzt wird. Wenn also die großgewordenen Kinder bei den einen ausziehen, soll eine neue Familie nachziehen können.

Dank Rotationssystem wird außerdem eine ganz neue Form des Zusammenlebens möglich: die Clusterwohnung – eine LuxusWG mit großer Gemeinschaftsküche und Wohnzimmer, aber (jeweils) eigenem Bad und Kochnische im privaten Rückzugsraum. Andrea Schlemm (30), Ingenieurin und zukünftige Clusterbewohnerin ist begeistert: „Man finanziert nur 40 bis 50 Quadratmeter selbst, hat aber eine Nutzenfläche von 110 Quadratmetern. Obendrauf kommt die gemeinsame Nutzfläche der gesamten Genossenschaft.“ Zu ihrem jetzigen Leben passt das Cluster perfekt, findet sie. Wenn sich ihre Bedürfnisse irgendwann ändern sollten, zählt sie auf das Rotationssystem. Weitere Infos über Z.WO gibt es am Wohnprojektetag in Mainz am 14. März oder bei der nächsten Infoveranstaltung am 24. März. Mehr dazu unter: z-wo.de

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