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MVG startet mit On-Demand-Kleinbusflotte

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Ergänzung zum Linienverkehr. Die Mainzer Verkehrsbetriebe planen die Einführung elektrischer Kleinbusse im „On Demand-Dienst“, der Fahrgäste durch die Nacht bringen sollen.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember letzten Jahres häufen sich die Aufforderungen unserer Leser, mal etwas zum Wegfall von Linien und Nachtverkehr zu schreiben. Vor allem nachts fühlen sich manche von ihren Stadteilen oder Vororten abgekoppelt. Diese Problematik sieht Stadtwerke-Pressesprecher Theurer hingegen nicht so sehr: „Die allermeisten Fahrgäste, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, können diesen auch weiterhin sehr gut nutzen – auch nachts. Die Fahrplanveränderung hat sogar an vielen Stellen Verbesserungen gebracht. Daher gibt es durchaus auch Lob von Fahrgästen für das neue Angebot.“
Trotzdem freut es Kneipen und Veranstalter nicht, wenn ihre Besucher nicht nach Hause kommen. So jedenfalls deren Wahrnehmungen. Ebenso ärgern sich die „flexiblen Arbeitnehmer“, deren Job um zwei Uhr früh beginnt oder aufhört. Letztlich bekommt man ökologische und autofreie Innenstädte nur, wenn das Angebot an ÖPNV steigt!
Aber hier bahnt sich eine kleine Sensation an. Im stillen Kämmerlein agiert die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) bereits. Die Einführung eines Testbetriebes für On-Demand-Busse steht laut uns zugespielten Informationen jedenfalls kurz bevor. Bereits ab 4. Mai sollen zehn elektrische Kleinbusse mit jeweils sechs bis acht Sitzplätzen die Stadtteile Gonsenheim, Mombach, Drais, Finthen und Hartenberg anschließen und zwischen 18 Uhr abends und vier Uhr morgens Fahrten anbieten. Geordert werden die, teilweise behindertengerecht ausgestatteten, Kleinbusse via App. Über die Kosten des Projekts wie auch über Fahrpreise schweigt die MVG ebenso wie über weitere, bereits bekannte Details. In einer Stellungnahme seitens MVG-Sprecher Theurer heißt es knapp: „Wir arbeiten an einem On-Demand-Shuttle-Bus-Testprojekt, das ist richtig. Wir werden in den nächsten Wochen darüber öffentlich informieren. Bitte haben Sie um Verständnis dafür, dass wir vorher keine Details nennen können.“ Warum hier um Verständnis gebeten wird, ist unklar. Schließlich geht es um einen völlig neuen Bereich des ÖPNV, eine Dienstleistung zwischen Linienverkehr und Taxis. Mobilitätsthemen erzeugen meist eine große Öffentlichkeit, die auch bei der Ideenfindung mitwirken und Transparenz erfahren will. Im Sinne einer Akzeptanz des Vorgehens sollte man nicht warten, um mit der Öffentlichkeit in einen Austausch zu gehen. Informieren wäre also ohnehin zu wenig! Bekannt ist auch, dass bereits vorhandene als auch virtuelle Haltestellen genutzt werden sollen. Zudem, dass die Fahrdienstleistung, also Fahrer und deren Bezahlung, an einen Fremdanbieter vergeben werden. Gesucht wird ein Unternehmen, das über Erfahrungen im Bereich Personenbeförderung verfügen muss. Inwieweit die ausgeschriebenen Leistungen bereits Resonanz gefunden haben und bearbeitet wurden, ist unklar. Der Testbetrieb soll bis Ende 2020 mit der Option der Verlängerung auf Ende 2021 laufen.
Werden damit bestehende Lücken im Nachtverkehr geschlossen werden? Bei allem Verständnis für Emissionsreduzierung: Kann eine solche Leistung nicht schneller und günstiger mittels bestehender Verbrennertechnologie und dafür umfangreicher angeboten werden? Viele Fragen, denen sich die Mainzer Mobilität sehr bald stellen sollte. Der Weg scheint jedoch der richtige, um den privaten Autoverkehr weiter zu reduzieren. Testbetriebe mit On-Demand-Bussen laufen in Mainhausen (Kreis Offenbach) unter dem Slogan „Hopper“ seit etwas mehr als einem halben Jahr und in Darmstadt, zumindest geplant, ab Beginn 2020.

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