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Mainz

5 Jahre Mainzelbahn – und nun?

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Lärm, Überfüllung, Verspätung, Unfälle, Entgleisungen: Die Mainzelbahn – so sehr sie auch herbeigesehnt wurde – hatte in den ersten Jahren mit vielen Wehwehchen zu kämpfen. Im Dezember wird sie fünf Jahre alt. Wie fällt die Bilanz aus?

von Philipp Wohltmann

Es ist Dezember 2016. Hintereinander rattern die bunten Straßenbahnen die neue Strecke vom Mainzer Hauptbahnhof über die Universität, das Stadion, Bretzenheim und Marienborn zum Lerchenberg hinauf. Es ist die lang erwartete Eröffnung der Mainzelbahnstrecke. Alles wirkt noch etwas chaotisch, Verspätungen von bis zu 45 Minuten, doch das wird sich wohl noch einruckeln.

Denn die Mainzelbahn war nicht immer da. Noch vor einigen Jahren fuhren gefühlte 17 verschiedene Buslinien hoch zur Uni und von da aus weiter nach Bretzenheim, Marienborn oder Lerchenberg. Die wurden sodann durch eine neue Bahnstrecke ersetzt. Fünf Jahre später ist es Zeit, Bilanz zu ziehen: Hat sich die Mainzelbahn denn nun – im Dezember 2021 – eingeruckelt?

Die Entstehung

Die erste Idee für eine Straßenbahn bestand schon länger. Die Überlegungen, Bretzenheim ans Straßenbahnnetz anzubinden, gab es schon seit den Siebzigerjahren. Doch die Idee wurde begraben und erst im Jahr 2008 vom Mainzer Stadtrat wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Zwei Jahre später war ein vielversprechendes Gutachten fertig, das als Grundlage für die Streckenführung der neuen Mainzelbahn dienen sollte. Die Mainzer:innen schienen sich für die Idee der Straßenbahn zu begeistern und so wurden die Planungen begonnen – vorangetrieben von der langjährigen Verkehrsdezernentin Katrin Eder.

Doch es gab auch Kritik am Projekt: Die Straßenbahn sollte ein Busnetz ersetzen, das kleinteiliger war, als eine Straßenbahn es sein könnte. Die Bauarbeiten forderten immer wieder die Geduld der Anwohner:innen. Als die Bahn fertiggestellt war, störten Entgleisungen immer wieder den Fahrplan, insbesondere Bretzenheimer Anwohner:innen beschwerten sich über die quietschende Bahn vor der Haustür.

Und nun?

Fünf Jahre nach Einweihung der Straßenbahn kann man aber festhalten: Wäre die Mobilität durch die Corona-Pandemie nicht eingebrochen, wäre die Mainzelbahn ein echter „Fahrgastmagnet und eine Lokomotive für das gesamte Mainzer Straßenbahnnetz“. Das meint zumindest Michael Theurer, der Sprecher der Mainzer Mobilität. Diese Aussage unterliegt aber einer wichtigen Einschränkung: Die Fahrgastzahlen, auf denen sie beruht, stammen aus dem Jahr 2018. Denn neuere Daten konnte die Mainzer Mobilität aufgrund der Corona-Krise nicht erheben. Nach Schätzung von Michael Theurer brachen die Fahrgastzahlen zu Beginn der Krise um rund 10 Prozent ein.

Die Zahlen aus dem Jahr 2018 lesen sich jedoch beeindruckend: Täglich fuhren durchschnittlich 26.700 Menschen mit den Linien 51, 53 und 59. Davon bewegten sich rund 5.400 Menschen im sogenannten Binnenverkehr, stiegen also zwischen der Uni und der Endhaltestelle auf dem Lerchenberg ein und aus. Gegenüber 2014 war das ein Anstieg der Fahrgastzahlen von 9 Prozent auf dem Lerchenberg, 14 Prozent in Bretzenheim und sogar 21 Prozent in Marienborn. Mit diesen Zahlen übertraf die Mainzelbahn die Erwartungen.

Ein voller Erfolg also. Mit einer Ausnahme: dem ausgedünnten Nachtfahrplan. Derzeit schlafen die Mainzelbahnen zwischen 00.30 und 4 Uhr.

Die Hoffnung bleibt, dass auch die Nachttaktung bald wieder schneller wird. Und im Sinne der angestrebten Klimaneutralität auch, dass noch viel mehr Schienen Mainz durchziehen werden. Denn ein Blick auf die Website des Umweltbundesamtes zeigt, dass ein Kilometer mit der Bahn mit 54 Gramm Treibhausgasen etwa 30 Gramm weniger emittiert als ein Kilometer mit dem Bus. Ganz zu schweigen von den über 150 Gramm beim Auto.

Mehr Schienen für Mainz

Und die Stadt Mainz unternimmt auch nach der Mainzelbahn Anstrengungen, das Straßenbahnnetz weiter auszubauen. Das nächste Großprojekt sollte eigentlich die Citybahn nach Wiesbaden werden, doch die Einwohner:innen Wiesbadens entschieden sich in einer Abstimmung dagegen. Nach einer kurzen Zeit der Enttäuschung sprudelten in Mainz aber wieder die Ideen. Bis 2025 soll die Binger Straße verschient werden, um den Hauptbahnhof zu entlasten. Weitere Ideen sind die Anbindung des neu erschlossenen Heiligkreuzviertels und des Innenstadt-Rings vom Schillerplatz über die Ludwigstraße, Bauhofstraße, die Neustadter Hindenburgstraße bis zum Bismarckplatz.

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