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Gesellschaft

Crime #272

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Von leichter Beute und schweren Jungs, oft nicht witzig und häufig zum Schießen: Wir präsentieren die Top-Verbrechen aus dem STUZ-Gebiet.

Jahresende. Das Wetter ist sch***e, dementsprechend auch das Verhalten vieler Menschen. Diese Korrelation ist übrigens nicht verifiziert – will heißen: Muss nicht sein, dass die Leute zwangsläufig vom Wetter beeinflusst worden sind. Im Gegenteil darf vermutet werden, dass sie an einem zweiundzwanzig Grad warmen, sonnigen Tag im Mai nicht anders gehandelt hätten. Aber, wie gesagt, ihre Taten passen zum Wetter: mies. Vorab also eine Triggerwarnung: Die Crime-Lektüre ist diesmal kein Vergnügen. Der ungenießbare Eintopf im Dezember enthält Betrug, Verkehrsunfallflucht, Antisemitismus, Gafferei und überhaupt das hemmungslose Verletzen von Persönlichkeitsrechten. Also am besten gleich auf der Toilette lesen.

„Dabei hatte er zur Verdeutlichung seiner Aussage auch seine Hose heruntergezogen.“

Anfang November kommt es in Mainz zu einem tragischen Verkehrsunfall. Ein 55-Jähriger und seine 41-jährige Begleiterin überqueren die Mombacher Straße bei ausgeschalteter Ampelanlage. Ein Autofahrer sieht die beiden nicht rechtzeitig. Es kommt zum Zusammenprall, der den Fußgänger das Leben kostet. Eine Tragödie. Kurze Zeit später stellt sich heraus, „dass bereits vor Eintreffen der Einsatzkräfte Videoaufnahmen des Unfallgeschehens ins Netz gestreamt wurden“, wie die Polizei mitteilt, die nun gemeinsam mit dem LKA ermittelt – wir wünschen von Herzen viel Erfolg dabei.

Ähnlich wenig von Persönlichkeitsrechten hält ein 23-jähriger iranisch-stämmiger Mann, der für einen Polizeieinsatz auf dem Mainzer Neubrunnenplatz sorgt. Die Cops treffen dort eine junge Frau an, die durch den Beschuldigten wegen ihrer Herkunft aus Afghanistan erheblich beleidigt und sexuell belästigt wird. „Dabei hatte er zur Verdeutlichung seiner Aussage auch seine Hose heruntergezogen.“ Seinen unwürdigen und für die Frau erniedrigenden Auftritt streamt der Täter live in social media.

Durch diverse Anrufe wird eine 39-jährige chinesische Staatsangehörige aus Mainz zu mehreren fünfstelligen Überweisungen genötigt. Die unbekannten Täter geben sich als Mitarbeiter der chinesischen Botschaft aus und täuschen vor, dass mit den Daten der Frau illegale Medikamente bestellt worden seien. Sie geben vor, dass ein Haftbefehl gegen sie erlassen wurde und ihre Abschiebung drohe. Davon völlig verängstigt, veräußert die Behelligte auf Anweisung der Täter ihre Wertpapiere und überweist eine mittlere sechsstellige Summe.

Gleich zwei Verkehrsteilnehmende glänzen durch besondere Skrupel- und Rücksichtslosigkeit. In Rüsselsheim fällt ein 45-Jähriger auf, weil er in seinem Wagen eingeschlafen ist – an der Kreuzung hinter der Autobahnabfahrt, an einem frühen Montagmorgen. Als die Polizei anrückt, wacht er auf und flieht. Auf seiner Flucht gerät er auf die Gegenfahrbahn, wo er einen 43-jährigen Rollerfahrer rammt und schwer verletzt. Ein paar Kilometer weiter kann er gestoppt werden, Ergebnis des Alkoholtests: 1,6 Promille. Um die MPU wäre er ohnehin nicht herumgekommen.

„Der 7-Jährige wurde bei dem Unfall leicht verletzt und das Fahrrad beschädigt.“

Auf dem Weg zur Schule überquert ein 7-jähriger Radfahrer die Homburger Straße in Wiesbaden und wird dabei von einem grauen SUV umgefahren. „Der 7-Jährige wurde bei dem Unfall leicht verletzt und das Fahrrad beschädigt.“ Die den Geländewagen steuernde Person entschied sich, einfach davonzufahren.

In Mainz-Ebersheim kommt es am 9.11., somit zum Jahrestag der Reichspogromnacht, zu einer Attacke auf die im Dorf befindlichen Stolpersteine. Die zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus verlegten Steine werden mit schwarzer Farbe besprüht und damit die Namen der von den Nazis deportierten Ebersheimer Menschen unkenntlich gemacht. „Auch zuvor dort abgelegte Blumen wurden durch den oder die Täter entfernt.“ Bodenlos.

Und als würde das nicht genügen, meldet die Polizei noch dies: „Der Betreiber eines Instagram- Accounts mit Bezug zu Mainz veröffentlicht seit Donnerstag (09.11.2023) Beiträge, welche bei vielen Menschen zur Verunsicherung führen.“ In den Beiträgen geht es um Personen, die angeblich Kinder entführen und deren Organe verkaufen. Der Accountbetreiber fotografiert Menschen, denen er diesen altbekannten Verschwörungsquatsch unterstellt, und ihre Pkws samt Kennzeichen und verbreitet die Aufnahmen – nicht nur via Instagram, sondern auch auf Tiktok und über Telegram. Die Polizei ermittelt nun gegen ihn: „Seine Handlungen können den Verdacht der falschen Verdächtigung, Verleumdung, übler Nachrede, Vortäuschen einer Straftat sowie Verstöße gegen die Persönlichkeitsrechte abgebildeter Personen, erfüllen.“ Wir ergänzen noch derbe Einfalt und Mitgliedschaft in einer Filterblase.

„Auch zuvor dort abgelegte Blumen wurden durch den oder die Täter entfernt.“

Puh. Ganz schön übel, das alles. Aber jetzt heißt es spülen, die Hände gründlich waschen, Fenster weit auf und daran denken: In Kürze beginnt das neue Jahr, und eigentlich kann doch alles nur besser werden. Guten Rutsch! (inh)

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