Verantwortung statt Geschenkband
Die Tierheime sind deutschlandweit schon seit Jahren überfüllt. Im Gespräch mit STUZ berichtet der Leiter des Mainzer Tierheims, Veli Kabadayi, über die Ursachen der Überfüllung sowie über zielführende Maßnahmen.
von Paula Herrmann
Die Überfüllung deutscher Tierheime ist längst kein saisonales Problem mehr. Auch das Mainzer Tierheim in Mombach stößt an seine Grenzen. „Ganz früher hat man ja gesagt, dass es in den Sommerferien die ausgesetzten Tiere sind, im Winter die Weihnachtsgeschenke“, erklärt Tierheimleiter Veli Kabadayi und betont, jetzt bestünde über das ganze Jahr gesehen ein Problem. Einige der Ursachen sind unüberlegte Anschaffungen, fehlende Erfahrung und Überforderung. Durch die aktuelle Vogelgrippe ist die Belastung im Tierheim nochmal gestiegen. Jedes Tier, das Hilfe braucht, wird im Mainzer Tierheim aufgenommen. Von Hunden und Katzen über Tauben, Igel, Schwäne bis hin zur Königspython sind alle Tierarten mit dabei. Die finanziellen Ausgaben im Mainzer Tierheim sind hoch, unter anderem durch die steigenden Energiekosten und durch die Aufnahme von immer mehr kranken Tieren. Neben Personalkosten und hohen Energiekosten entstehen also auch enorme Tierarztkosten. Der Tierschutzverein lebt dabei unter anderem vom Engagement und von Spenden. Es gibt auch weitere Möglichkeiten, den Tierschutzverein ehrenamtlich zu unterstützen: „Wir suchen immer Katzen-Schmuser, Leute, die morgens hier mitarbeiten wollen, die bei den Kleintieren mit sauber machen möchten, oder bei den Katzen, die für uns Spendenfahrten machen wollen, oder mal Fahrten zum Tierarzt. Also wir sind da über jede Hilfe sehr, sehr dankbar“, betont Kabadayi. Zum Hundeausführen werden nur sehr erfahrene Leute für die schwierigeren Hunde gesucht. Die restlichen Hunde haben meistens ihre Stamm-Gassi-Gänger.
Aufklärung gegen Tier-Geschenke
Das ganze Jahre über wollen Menschen Tiere verschenken, nicht nur zur Weihnachtszeit. Das Tierheim will dagegen steuern, indem es verdeutlicht, dass es sich um Lebewesen und nicht um Geschenke handelt. „Wir versuchen da Menschen zu berühren, ihnen Tierschutz nah zu bringen, auch den Kindern. Wir haben zwei Ehrenamtliche, die wirklich auch Kinderführungen machen mit Kindergärten oder Grundschulen. Das ist uns ganz, ganz wichtig, den Kindern Tierschutz nah zu bringen, weil das die nächste Generation ist“, erklärt Kabadayi. Zum Alltag im Tierheim gehören auch emotionale Geschichten, die hinter jedem Tier stecken. Eine davon hat Kater Leopold erlebt. Als er gerade einmal acht Monate alt war, wurde er angefahren und hat sich das Becken gebrochen, doch die Halter wollten die Kosten nicht bezahlen. So wäre das Tier beinahe eingeschläfert worden. Die zuständige Tierärztin rief beim Mainzer Tierheim an, die den Kater und damit auch die Kosten übernommen haben. „Das ist die Wegwerfgesellschaft. Also der Tierschutz spiegelt unsere aktuelle Gesellschaft sehr deutlich wider. Wie die Leute mit ihren Beziehungen umgehen, so gehen sie auch mit den Tieren um. Man kann da ein ganz einfaches Zitat vom kleinen Prinzen nehmen: Man ist lebenslang für das verantwortlich, für das man sich vertraut gemacht hat“, verdeutlicht der Tierheimleiter. Mehr Tierheime zu bauen, löse damit nicht das Problem, denn es braucht eine grundlegende Veränderung im Denken der Menschen. Auch von der Politik müsse sich, so Kabadayi, etwas ändern: Es brauche unter anderem eine Katzenschutzverordnung zur Kastration und einen Hundeführerschein für alle Hunde, damit die Leute besser aufgeklärt werden und sich ihrer Verantwortung für die Tiere bewusst werden.
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Tierschutzverein Mainz und Umgebung e.V.
Zwerchallee 13-15
55120 Mainz
tierheim-mainz.de
Foto: Anna Kumpan via unsplash.com


