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Kultur Wiesbaden

Spiel im Dunkeln

Theater, Kabarett, Musik – es ist viel los auf und neben den Bühnen der STUZ-Region. Wir stellen die Spielstätten in der Region vor. In dieser Ausgabe: Velvets Theater.

von Tim Porzer

Umgeben von tiefem Schwarz entfaltet sich im feinen Lichtschein das Spiel der Puppen, Darsteller:innen und Gegenstände: Momo und Schildkröte Kassiopeia kämpfen gegen die grauen Herren von der Zeitsparkasse und der Kleine Prinz nimmt Jung und Alt mit auf die Suche nach den wesentlichen Dingen des Lebens. Auf der Bühne des Velvets Theaters in Wiesbaden geschieht es aber auch, „dass Gegenstände ein Leben bekommen und dem Schauspieler ebenbürtig werden“, verrät Barbara Naughton. Sie ist auf der Bühne des Velvets aufgewachsen und hat dort bereits im Alter von 10 Jahren Bühnenerfahrung bei ihren Eltern gesammelt. Heute ist sie nicht nur als Theaterleitung die gute Seele hinter der Bühne, sondern auch auf der Bühne aktiv.

Schwarzes Theater
Dass sich vor den Augen des Publikums plötzlich Schüsseln und Schneebesen verselbstständigen können, ermöglicht eine besondere Darbietungsform: Das Schwarze Theater. Dabei sorgen eine schwarz ausgeschlagene Bühne, ein schwarzer Teppich und schwarz gekleidete Darsteller:innen dafür, dass diese selbst unsichtbar werden. Das Schwarze Theater sei eine Theaterform, mit der man Menschen verzaubern könne, weiß Naughton und erzählt: „Wenn man es live sieht, ist es etwas ganz anderes, unsere Stücke gehen schon ans Herz.“ Nicht nur für das Publikum ist das besonders, sondern auch für die Darsteller:innen: „Die Faszination ist, dass man selbst nicht gesehen wird, aber selbst die erste Reihe sehen kann“, verrät Naughton und führt aus: „Wir wollen die Schwerelosigkeit etwas aufheben. Auch Menschen schweben hier in gewisser Weise. Die Gesetzmäßigkeit zwischen Ding, Puppe und Mensch wird auf den Kopf gestellt.“ Das wirkt sich auf die Darstellungsform aus. „Wenn man eine Maske trägt, wird das Spiel viel körperbetonter. Man kann nicht naturalisiert spielen“, berichtet die erfahrene Schauspielerin. „Für das Publikum ist das Spiel mit und ohne Maske abwechslungsreich. Für die Darsteller:innen ist es eine Herausforderung“, betont Naughton. „Der Anspruch ist ganz anders. Der Gegenstand muss wie ein Schauspieler bespielt werden, sonst versteht man es nicht. Das ist sehr versiert.“

Damit die Kunst zur vollen Gestaltung kommt, braucht es mehr, als das Auge sieht: Eine große Bühne. „Für Schwarzes Theater brauchen wir einfach diese Tiefe“, erklärt die Expertin und ergänzt: „Und eine große Anzahl an Scheinwerfern, da man „vom Licht sehr abhängig ist“ und die „Lichtgrenzen scharf abgestimmt sein müssen“. Schließlich darf am Ende nur das Wesentliche im richtigen Licht erscheinen.“

Damit das Publikum auf den 128 zum Verweilen einladenden roten Sesseln die Vorstellung genießen kann, arbeitet das Team des Velvets Hand in Hand: „Wenn wir mal wieder an drei Tagen drei verschiedene Stücke spielen, packen alle Schauspieler mit an“, berichtet Naughton. Licht- und Soundcheck, aber auch die Vorbereitungen für den Auf- und Abbau der Kulissen und Requisiten erfolgen gemeinsam. Nur einer, eine ganz besondere Puppe, kommt lediglich für seinen Auftritt: „Der Kleine Prinz selbst sitzt bei meinen Eltern auf dem Schrank“, verrät Naughton.

Jubiläen und neue Ideen
Schwarzes Theater hat im Velvets Tradition. 1967 gründeten Naughtons Eltern Bedrich Hanyš und Dana Bufková die Theatergruppe in Prag. Ein Jahr später veranlasst der Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts die Gruppe dazu, ihre Heimat zu verlassen. Die Leidenschaft für das Schwarze Theater führt sie zu Auftritten an die unterschiedlichsten Orte der Welt bis sie sich 1970 in Wiesbaden niederlassen. Seit 1996 befindet sich das Velvets am heutigen Standort. Auf 30 Jahre Velvets in der Schwarzenbergstraße 3 im vergangenen Jahr folgt 2027 ein weiteres Jubiläum: 60 Jahre Velvets. Die Ideen sind den kreativen Köpfen hinter dem Schwarzen Theater bisher nicht ausgegangen. „Was zum Nachdenken, was zum Lachen, auch zum Weinen – aber nicht zu viel – und was zum Staunen“, so beschreibt Naughton das Programm des Velvets. Dieses besteht aus drei Sparten. Die erste beinhaltet die Eigenproduktionen des Schwarzen Theaters um die Stücke Momo und Der Kleine Prinz. Auch wenn die Eigenproduktionen Familienstücke sind, ist es der Theaterleiterin wichtig zu betonen, dass das Velvets kein reines Kindertheater sei. Ergänzt wird das Programm von der Revue „Heisse Zeiten – Die Wechseljahresrevue“, die als Feuerwerk aus Komödie und Musik nichts mit Schwarzem Theater zu tun hat. Hinzu kommen Gastspiele, wie Sonambul mit „Surreal – The Art of Mindreading“ am 17. April, das auch bei Naughton die Vorfreude steigen lässt: „Ich bin wahnsinnig gespannt.“ Neues plant die Theatermacherin ebenfalls für 2026, auch wenn sie sich noch bedeckt hält. Etwas im Revue-Stil soll es sein, dass von jeder Sparte etwas hat. Das bedeutet: Schwarzes Theater, Pantomime, Puppen, Filmzuspielung, Schauspiel, Tanz, Gesang.

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