Wenn der Glaube tanzt
Wer die Afrikanische Gemeinde von Mainz in der Pauluskirche erlebt, merkt: Hier pulsieren Gemeinschaft und Lebensfreude – getragen von einem Pastor, der fest an Wunder glaubt.
von Ulrich Nilles
An einem winterlichen Sonntagmittag in der Mainzer Neustadt: Eine kleine Gruppe von Menschen aus Afrika und Deutschland versammelt sich in der Pauluskirche. Pastor Salimi Konde erklärt schmunzelnd den überschaubaren Besuch: „Diese Jahreszeit ist nichts für uns Menschen aus Afrika. Wir fürchten sie. Wir haben Angst vor Kälte und Krankheit.“ Bereits bei Temperaturen um 20 Grad hüllen sich die Bewohner:innen der äquatornahen Regionen in wärmende Kleidung.
Sandra Mbuyamba, ein Gemeindemitglied, stimmt die kleine Runde mit den Worten ein: „Jesus hat uns nicht allein zurückgelassen. Er hat uns den Heiligen Geist geschickt.“ Es folgt ein Gottesdienst wie ein Gespräch mit dem Schöpfer, den die Gemeinde als lebendige Quelle allen Seins versteht und anruft: gemeinsame und individuelle Gebete – teils geflüstert, teils laut, überwiegend auf Französisch, der ehemaligen Kolonialsprache der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Es werden Gesänge wie „Ozamalamu“ („Sei gesegnet“) oder „Jawe“ („Gott“) in Lingala, einer der vier Hauptsprachen des Landes, mantraartig intoniert. Dazu wird im Takt geklatscht, Rhythmusinstrumente erklingen und es wird getanzt. Mikrofone, für Beiträge aus der Gemeinde gedacht, geraten in Vergessenheit.
Wiederholung als Verankerung
Die Predigt von Pastor Salimi Konde kreist an diesem Sonntag um die Taufe Jesu und das Herabkommen des Heiligen Geistes. Fast provozierend eröffnet er, dass die Kindstaufe nirgendwo in der Bibel festgeschrieben sei. „Man kann sich auch noch als Erwachsener taufen lassen.“ Auch er habe dies mit 40 Jahren erneut getan, um ein neues Leben zu beginnen. Immer wieder bestätigt die Gemeinde seine Worte mit den Rufen „Amen“, „Hallelujah“. Die Predigt nimmt Fahrt auf. „Der Heilige Geist ist nicht wie jeder. Er sendet uns Botschaften, die wir spüren, wenn wir uns Gott öffnen. Und er begleitet uns im Leben“, sagt der Pastor und ergänzt: „Ohne Taufe bist Du ein Blinder.“
Währenddessen spielen zwei Kinder im Hintergrund. Ihre Mutter versorgt sie mit Keksen. So zeigt sich eine lebendige Gemeinde.
Ein Pastor und seine Gemeinde
Salimi Konde stammt von der Atlantikküste im Süden der DRK. Seine Eltern waren Christen, allerdings, erzählt er, bekehrte ein Onkel nach dem Studium im Sudan viele Familienmitglieder zum Islam. Konde blieb dem Christentum treu. In den 1990er-Jahren führte ihn sein Weg über Belgien nach Mainz. Hier arbeitet er bis heute an der Uniklinik und ist zugleich Pastor der „Christ International Church“ (CIC), eine freie protestantische Kirche mit Hauptsitz in Dallas. Seine Ausbildung absolvierte er online in Frankreich. Zur Zertifizierung reiste eigens ein Vertreter der CIC aus den USA an.
Die Afrikanische Gemeinde in Mainz existiert seit 1996. Sie sei, wie Konde stolz erzählt, die „Mutter aller CIC-Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet.“ Heute zählt sie etwa 30 Mitglieder aus der DRK, Nigeria, Angola, Kenia und Deutschland. „Menschen kommen und gehen, oder bleiben“, erzählt er und ergänzt. „Herkunft und Hautfarbe spielen keine Rolle. Jeder ist herzlich willkommen.“
Sonntags findet ein Gottesdienst von 13 bis 15 Uhr statt. Samstags trifft sich ein kleiner Kreis für eineinhalb Stunden zum Gebet für Kranke und Menschen in Not. Einmal im Jahr kommen rund 50 Menschen zu einer Versammlung zusammen. Es wird gebetet, gesungen und gegessen. Auch ein jährlicher Grilltag gehört dazu.
Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über Spenden. „Bringt den Zehnten ganz in das Vorratshaus“, das Haus Gottes, zitiert Konde den Propheten Maleachi aus dem Alten Testament. Von öffentlichen Stellen haben sie „noch keinerlei Zuwendungen erhalten“, so der Pastor. Aktuell sucht die Afrikanische Gemeinde neue Stimmen für den Chor. Samstags wird in der Altmünsterkirche unter der Leitung von Bruder Guydon geprobt: Lieder in Deutsch, Englisch, Französisch oder Lingala. Eigene Beiträge sind ausdrücklich erwünscht.
Gebete, die Wunder bewirken
Eindrucksvoll und unglaublich zugleich sind Kondes Zeugnisse über Gebetserhörungen. Er berichtet vom Kinderwunsch eines Paars, den die Ärzte aus medizinischer Sicht bereits aufgegeben hätten: „Die Gebete wurden erhört und heute hat das Paar drei Kinder.“ Schwere Erkrankungen haben sich gebessert, aussichtslose Arbeits- und Wohnungssuchen seien schließlich zum Erfolg gelangt, so der Pastor. „Durch intensives Gebet haben wir tatsächlich Wunder bewirkt“, sagt er ohne Pathos, aber mit voller Überzeugung, und zieht wiederum Jesus aus dem Matthäus-Evangelium heran: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch Ruhe verschaffen.“
Wenn er in einigen Jahren in den Ruhestand geht, möchten Konde und seine Frau ein Zentrum für Waisenkinder und Kinder ohne Perspektive im Kongo aufbauen. Pläne dazu existieren bereits.
WTF
Afrikanische Gemeinde
Pauluskirche, Moltkestraße 1, 55118 Mainz
Gottesdienst: Sonntag, 13–15 Uhr
Kontakt: Pastor Salimi Konde
E-Mail
Tel.: 0151-262 680 47
Foto: Pastor Salimi Konde (li.) und Mitglieder der Afrikanischen Gemeinde in der Pauluskirche.


