Tanzen, Stricken, Kochen, Singen
Die Spielstätte Wartburg in Wiesbaden beherbergt das Junge Staatstheater – und soll sichtbarer und kurzweiliger daherkommen. Dafür sorgt ein junges Team, das vor Ideen sprüht.
von Anja Baumgart-Pietsch
W steht für Willkommen, für Wir oder für Wartburg. 51 ist die Hausnummer des Gebäudes in der Schwalbacher Straße in Wiesbaden. W:51 heißt das interaktive und abwechslungsreiche Programm, das Valentina Eimer und Oliver Riedmüller, beide für die Dramaturgie am Jungen Staatstheater Wiesbaden (Just) verantwortlich, ins Leben gerufen haben. Die ersten Veranstaltungen sind gelaufen: „Wir dachten, da kommt vielleicht erst mal eine Handvoll Leute, aber es war eigentlich immer voll“, sagt Riedmüller.
Die Wartburg, ein Gebäude mit reicher Tradition, wird in diesem Jahr 120 Jahre alt, das wird im November auch gefeiert. Gebaut wurde es 1906 als Sängerheim und bezieht Namen und Architekturmerkmale von dem sagenumwobenen Sängerkrieg auf der Wartburg im Thüringer Wald. Seitdem wurde es von unterschiedlichen Betreibern als Veranstaltungsstätte genutzt. Die überwiegend kommerziellen Nutzungen waren als Gaststätte und Diskothek, ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an die legendäre Bhagwan-Disco namens Far out. Diverse Umbauten hatten starke Spuren an der Gebäudesubstanz hinterlassen. Seit 2003 wird das Haus vom Hessischen Staatstheater als alternative Spielstätte für experimentelle Theaterstücke genutzt.
Und seit einigen Jahren sitzt das Just darin und bietet hier ein interessantes Programm für junge Theaterbesucher:innen. Nun soll es mit verschiedenen Formaten noch abwechslungsreicher werden. Es passt zur Strategie der Intendantinnen Beate Heine und Dorothea Hartmann, mehr auf die Stadt und ihre Bürger:innen zuzugehen, hineinzuwirken und neue Zielgruppen zu erschließen: „Daher haben wir offene Türen mit unserer Idee eingerannt“, freut sich das junge Wartburg-Team. Die ersten Ideen: Stricken und Häkeln, Lese-Detox, ein Abend ohne Handy und Crowdsinging, alles am sogenannten „Do-it-Dienstag“. Hier treffen sich ab 18 Uhr Gäste regelmäßig an den bestimmten Dienstagen und machen einfach und unkompliziert mit. Beim Singen ist manchmal ein Mitglied des Opernchores zum Anleiten dabei, später geht es dann mit der richtigen Tonlage zum Crowd-Karaoke. „Das hat gleich eingeschlagen“, durften die Macher:innen erfahren. Und es führt dazu, ganz nebenbei, ins Theaterleben ein: Denn auf der Probebühne begegnet man auch mal Schauspieler:innen. Es gibt einen kleinen Einblick ins Theaterleben und hinter die Kulissen aktueller Stücke.
Geplant sind auch Workshops mit anderen Mitarbeitenden des Theaters – auch handwerklich. Es soll die Möglichkeit geben, mit einer „Open Stage“ eigene Musik, Literatur oder andere künstlerische Gestaltungsformen auf die kleine Bühne zu bringen, dafür kann man sich nach der Sommerpause bewerben und erhält vorher die Möglichkeit zu einer Generalprobe, denn Licht und Ton kommen dann vom professionellen Team des Theaters. Es gibt Partys, ein Diskussionsformat namens Wortwechsel, das sich vielleicht auch an aktuellen Stücken orientiert und Fragen bearbeitet, die sich nach oder vor dem Besuch der Stücke stellen. Und auch eine Kochshow „Heiß und fetzig“ steht auf dem Plan – alles wird nach und nach in der neuen Spielzeit eingeführt.
Was jetzt seit Februar schon läuft, kommt jedenfalls gut an. „Wir schauen, was den Leuten gefällt, was die Stadt braucht“, meint Riedmüller und fügt an: „Wir sammeln jetzt Ideen und gucken, wie es weitergeht – aber auf jeden Fall wird die Wartburg eine größere Rolle im Stadtleben spielen.“ Der Geburtstag soll mit einem Galaabend gefeiert werden, entstehen soll aber auch ein interaktiver Spaziergang, der sich aus Erinnerungen der Wiesbadener:innen speist. Dazu will man in Erzählcafés nach der Sommerpause „große und kleine Momente“ sammeln und daraus ein Stück entwickeln, das eine partizipative Reise durch das Haus darstellt und dann auch im Spielplan bleibt.
Massenveranstaltungen sind das alles nicht, die Workshops werden mit etwa 30 Teilnehmenden über die Bühne gehen, bei Publikumsveranstaltungen können es ein paar mehr werden, der Eintritt ist entweder frei oder er kostet bei ausgewählten Veranstaltungen sechs Euro. Spaß machte den beiden jedenfalls auch die Vorbereitung, Konzeption und Ideenfindung. „Die Wartburg wird sichtbarer“ – das hat das altehrwürdige Gebäude mit schönen Jugendstildetails auf jeden Fall verdient.
WTF
W:51
Schwalbacherstraße 51, 65183 Wiesbaden
Programm und Infos:
Staatstheater Wiesbaden – W:51
Foto: SBT, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons


