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Gesellschaft

Spiel mit mir

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Es gibt genug Bücher, Dating-Experten und Normalos, die uns erzählen wollen, wir seien die Generation Frauen, die gerne spielt. Abseits vom Bett versteht sich. Man munkelt, wir seien die Meisterinnen im „Hard to get“-Game. Ob ihr es mir glaubt oder nicht, mittlerweile gibt es ganze Frauenpower-Bewegungen, die sich genau damit auseinandersetzen. Mit einem Versprechen: Das ständig komplizierte Dating- und Love-Life zu vereinfachen. Oder viel mehr als Ausrede zu nutzen, wenn Mr.Right sich doch wieder als ziemlich falsch heraus stellt?

Dating 2.0

Schon öfter angesprochen und immer noch brandaktuell: Soziale Netzwerke beeinflussen unser Liebesleben. Zwischen Facebook, Twitter, Instagram, Tinder und so weiter bringen viele Beziehungen einfach nur unkompliziert kompliziert durcheinander. Dass da eine Dating-Bibel mit genauen Anweisungen kommt, wie man dem Ganzen entgeht, klingt erstmal sensationell. Ist aber mit Vorsicht zu genießen. Mein vorliegendes Buch verspricht mir Folgendes: „Wir sind clevere Frauen, die wissen, wie Sie auf Nachrichten eines Mannes antworten, ohne verzweifelt zu wirken, wie sie ein cooles FacebookProfil behalten, ohne zu viel von sich preiszugeben und Player und Betrüger ausfindig machen können – und der Plage aus dem Weg gehen.“ Heißt: Wenn du bestimmte Regeln befolgst, kann da eigentlich gar nichts mehr falsch laufen … theoretisch zumindest.

Don’t Break the Rules

Knüpfen wir uns mal ein paar „Regeln“ vor: Die ersten sind gleich vielversprechend. „Sei eine Kreatur, ungleich jeder Anderen.“ Darauf aufbauend: „Seh aus wie eine Kreatur ungleich jeder Anderen.“ Und schließlich, mein dritter Favorit der Reihe: „Sprich oder schreibe einem Mann niemals zuerst.“ Ah Moment, es wird noch besser! „Setze oder stelle dich niemals zuerst neben einen Mann.“ Wer jetzt auch an Zeiten vor füfnzig Jahren denkt, in denen die Frau als unemanzipiert galt und Gleichberechtigung noch ein Hirngespinst war, ist da auf der gleichen Wellenlinie wie ich. Abgesehen davon, dass viele Männer es sogar richtig geil finden, wenn eine Frau sie anspricht oder sogar – wer mag das glauben! – mit ihm anfängt zu flirten, frage ich mich, wie das ganze ablaufen soll. „Entschuldigung, aber ich kann mich nicht neben dich setzen, weil ich eine Frau mit Niveau bin.“ Die Nummer von dem Kerl ist dir sicher.

Und noch mehr Rules

Auch hoch im Kurs: die TTYL-Regel. TTYL als „Always End Everything First“ (die Abkürzung steht hier für „Talk to you later“ – falls ihr da genauso auf dem Schlauch steht wie ich *räusper*). Okay, aus Erfahrung mag ich sagen, gewissermaßen ist da etwas dran. Ich hatte auch genug Fälle, in denen ich Stunden später oder gar nicht mehr geantwortet habe und gleich mit Antworten überhäuft wurde. Bin ich heute mit einem dieser Männer zusammen? Nein. Gott sei Dank nicht. Heute bin ich fest der Meinung, dass potenzielle Mr. Rights dieses Heckmeck nicht brauchen. Wer jetzt zuletzt nicht mehr zurückschreibt, ist doch eigentlich latte. Wenn ihr Bock drauf habt, mit jemandem zu schreiben, dann macht das. Was das betrifft, tickt sowieso jeder anders. Es gibt Männer, die schreiben für ihr Leben gern auch
tausend Nachrichten hin und her und dann gibt es welche, die nach einem „Hi, wie gehts?“ schon die Schnauze voll haben. Das muss nicht mal schlecht sein, schließlich kann das auch einfach signalisieren, dass derjenige eben nicht wie viele andere, den ganzen Tag mit der Fresse am Handy fest klebt. Auch mal erfrischend!

Forget about it

Ich kann mir nur vorstellen, dass Frauen, die all diese Regeln befolgen, in einem Single-Teufelskreis enden. Ob jetzt genau das von Ratgebern wie diesem gewollt ist, sei mal dahingestellt, gut fürs Geschäft ist eine Single-Frau ja sowieso. Man kann diese Bücher lesen – aber bitte nur, um sich darüber zu amüsieren. Wer wirklich ernsthaft nach Anweisungen zum Daten sucht, ist hier definitiv an der falschen Adresse, wenn es darum geht, einen festen Partner zu finden. Just for fun alle Regeln mal auszuprobieren um sich einen Scherz zu erlauben und das ganze mal auszutesten, könnte sicher richtig amüsant werden. Dieses ganze „Mich-kann-so-leicht-keinerbekommen“-Theater habe ich schon oft hier thematisiert. Und bin immer wieder zum selben Entschluss gekommen: Ist wie Tequila mit Vorsicht zu genießen. Sicher macht das eine Frau in gewissem Maße interessant, aber übertreibt es bitte nicht. Wenn ihr Interesse an einem Mann habt, dann zeigt das. Damit meine ich jetzt nicht, gleich in die Kiste zu springen, sondern kleine Signale zu senden. Sei es ein Lächeln, eine nette Nachricht, ein Kompliment. Seid ihr selbst und macht einfach das, worauf ihr Bock habt. Und sei es ein Dating-Buch zu kaufen, um dann festzustellen, dass man zum Glück doch noch nicht so verzweifelt und arm dran ist.

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