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Kultur

Lampenfieber

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Endlich bekommt Mainz wieder eine Lesebühne der klassischen Art, wie es sie etwa in Berlin haufenweise gibt. Fast schon logischerweise steigt sie in der Dorett Bar.

von Calpo Salmrohr

Plötzlich war da dieses Loch. Pink Carpet, die literarische Bühne in der Dorett Bar, war tot. Die Textbühne im Kulturcafé schon länger komatös. Kein haltbarer Zustand, fanden Sarah Beicht und Ingo Bartsch. Die beiden waren direkt betroffen. Sarah, 24, hat hat unter anderem schon den Jugendliteraturpreis Frankfurt gewonnen und war Finalistin beim Mainzer Literaturförderpreis. Ingo, 38, Lesebühnenveteran, wird Anfang 2019 sein Romandebüt bei Piper vorlegen. Beide sind sie also über den literarischen Selbstfindungsprozess weit hinaus, aber noch nicht so weit, dass sie von ihren Verlagen durch Deutschlands Hugendubel-Filialen geschickt werden. Auf der anderen Seite gibt es Poetry Slams und hier und da auch offene Lesebühnen für den Nachwuchs. Die neue Lesebühne soll das Dazwischen abdecken.

Der Name des Babys: die Leselampe. Der Name ist Sarahs Idee, den Look hat Ingo entworfen. Die beiden arbeiten schon länger zusammen, haben auch schon als Autorenduo Bartsch&Beicht gelesen. Allerdings wird die Leselampe nicht ihre eigene Lesereihe sein. „Klar, wir werden sicher auch irgendwann mal selbst lesen“, sagt Ingo. „Sinn der Leselampe ist es aber, eine Plattform für möglichst viele Autoren zu bieten.“ So werden jedes Mal zwei Gäste eingeladen. Neben diesen „Haupt-Acts“ wird es ein bis drei Plätze für externe Bewerber geben, gerne auch für den Nachwuchs. „Aber wir treffen da schon eine Auswahl“, sagt Sarah. „Durch unser Tingeln über die Bühnen der Region und darüber hinaus konnten wir ein dichtes Netzwerk knüpfen mit Leuten, die echt was drauf haben:“ Wer lesen möchte, sollte nicht mehr ganz am Anfang stehen und Texte haben, die vortragsfertig sind. No trash, lautet hier das Motto. Und dass für Hetze, Verschwörungstheorien und „diskriminierenden Scheiß“, wie Ingo es formuliert, kein Platz ist, versteht sich.

Atmosphäre: kuschlig, nicht einschläfernd

Wichtig ist: Die Leselampe ist kein Slam. Es wird nicht stehend performt, sondern sitzend gelesen. Die Leselampe wird aber auch keine ermüdende Frontalveranstaltung sein, bei der entrückte Intellektuelle erdrückende Monstertexte runterbeten. „Wir achten auf eine gute Mischung bei der Besetzung und auf die Textlängen“, verspricht Sarah. Auch predigen Leserinnen oder Leser nicht von oben herab, sondern sitzen vom Publikum „umzingelt“, was eine „angenehme, fast schon kuschlige Bühnensituation“ schaffe, so Ingo. Eine Pause und etwas auflockernde Musik wird es ebenfalls geben. „Keiner soll hinterher zu müde sein, um noch Party in der Dorett zu machen.“ Denn die schließt freilich nicht nach der Leselampe.

Einen echten Kracher wird es zum Auftakt schon mal geben: Mit Maximilian Pollux kommt ein bemerkenswerter Autor, dessen Erzählungen sich aus einer kriminellen Vergangenheit und zehn Jahren Gefängnis in Bayern speisen. Die weitere Besetzung zum Auftakt steht noch nicht fest. Aber natürlich kann die Leselampe auf den üblichen Wegen sozialer Medien verfolgt werden, wo sie News verkünden wird. Und natürlich freut sie sich über Kontaktaufnahme jeder Art.

 

Die Premiere der Leselampe steigt am 23. Oktober ab 20 Uhr in der Dorett Bar, Mainz. Der Eintritt ist frei.

Autor*innen und auch Musiker*innen sind immer willkommen und können sich gerne melden: die.leselampe.mainz@gmail.com oder via FB: die.leselampe.mainz. Eine Homepage hat die Leselampe auch: dieleselampemainz.wordpress.com

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