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Kultur

Der zweite Frühling

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Weil der erste gelungen war, wird der Konzertfrühling Ingelheim auch 2019 stattfinden. Freunde von Klavierkonzerten, Mozart und Tango dürfen sich freuen. Ebenso wie Kinder und Eltern auf „Peter und der Wolf“.

Wo immer auch der Rhein durchfließt, meint man, er trenne Welten: Mainz und Wiesbaden. Rheinhessen und Rheingau. Doch diese Geisteshaltung erweist sich – zum Glück – immer mehr als Irrtum. In einer Zeit, in der Abschottung leider wieder in Mode kommt, wird in und um Mainz und Wiesbaden gegen den Trend gehandelt. Gemeinsame zukunftsweisende Verkehrskonzepte sprechen für sich. Oder auch rheinübergreifende Kulturprojekte. Ein solches ist der Konzertfrühling Ingelheim. Er geht 2019 in sein zweites Jahr und führt vor, wie eine Kooperation zwischen Rheinhessen und Rheingau aussehen sollte.

„Unser Büro ist ja auch nur 150 Meter von Ingelheim entfernt“, stellt Michael Herrmann klar. Herrmann ist Intendant des Rheingau Musik Festivals, das den Konzertfrühling in die Ingelheimer Veranstaltungshalle kING bringt. Oestrich und Ingelheim liegen direkt gegenüber, dazwischen fließt der Rhein, der in diesem Fall kaum als Grenze bezeichnet werden kann. So, wie das Rheingau Musik Festival ohnehin keine auf seine Ursprungsregion begrenzte Konzertreihe ist. Neben Konzerten in Rheinhessen und Frankfurt gibt es sogar eines auf der Insel Sylt.

„Stolz wie Bolle“

Herrmann war einer der ersten, der auf die noch junge Halle in Ingelheim aufmerksam wurde. „Von der Größe her und mit dieser tollen Akustik war mir sofort klar, das ist geeignet für Kammermusik.“  Marsilius von Ingelheim, Geschäftsleitungsmitglied des Rheingau Musik Festivals, fügt hinzu: „Die kING hat keinen einzigen schlechten Platz.“ So war das Rheingau Musik Festival der erste externe Veranstalter überhaupt, der einen Vertrag für ein Konzert in der kING unterzeichnete. „Wir waren stolz wie Bolle“, erinnert sich der Ingelheimer Beigeordnete Wolfgang Bärnwick. Ingelheims Oberbürgermeister Ralf Claus lobt die hohe kulturelle Qualität, die durch die Kooperation mit dem Rheingau Musik Festival entstehe. „Wir sind froh, ein Teil des Rheingau Musik Festivals zu sein“, freut sich auch Michael Sinn, Geschäftsführer der kING.

Nach nun zwei Jahren Zusammenarbeit, die beide Seiten als „sehr erfolgreich“ und „angenehm“ bezeichnen, geht es gar nicht mehr darum, ob der Konzertfrühling nach 2019 auch 2020 stattfindet, sondern nur, mit wie vielen Konzerten – ob mit vieren, wie in der anstehenden Saison, oder mit noch mehr. Die vier Konzerte 2019 jedenfalls sind definitiv vier Highlights.

Am 16. März präsentiert Kika-Moderator Malte Arkona als Erzähler das Familienkonzert, Prokofjews „Peter und der Wolf“. Musikalisch wird das legendäre Musikmärchen vom Georgischen Kammerorchester Ingolstadt unter Leitung von Ruben Gazarian begleitet.

Am 21. März kommt mit Fazıl Say ein absoluter Starpianist. Gemeinsam mit dem casalQuartett werden Beethoven, Haydn und Schumann zu Gehör gebracht, dazu wird noch eine Eigenkomposition Says gespielt.

Am 6. April gastiert mit Günther Maria Halmer ein bekannter Schauspieler in der kING. „Mensch Mozart“ heißt es an diesem Abend. Halmer wirft einen literarischen Blick auf das Musikgenie, das Klenze Streichquartett sorgt für die musikalische Untermalung.

Tags darauf spielen Quadro Nuevo ihr Programm „Flying Carpet“ in der kING. Die vier Weltmusiker belehren jeden eines besseren, der bei Tango bloß an Argentinien denkt. Ihre klangvolle Reise geht quer durch das alte Europa und über den Balkan bis in den Orient.

Preise sollen sozial bleiben

Beachtlich ist, dass das Rheingau Musik Festival ohne öffentliche Mittel auskommt, sondern allein über Sponsoren wie etwa Lotto finazniert wird. Das werde zwar von Jahr zu Jahr schwieriger, gesteht Intendant Herrmann. Oft würde an ihn herangetragen, man solle doch einfach die Eintrittspreise, die fünfzig Prozent der Finanzierung ausmachen, erhöhen. Dagegen wehrt er sich: „Klar haben wir viele Besucher, die sich auch sehr teure Tickets leisten könnten. Aber unsere Preise sollen sozial bleiben, möglichst jeder soll unsere Konzerte besuchen können.“ Damit wird auch an den fünfzig Prozent Rabatt für Studierende und Arbeitslose nicht gerüttelt.

Nun kommt erstmal der Winter. In Ingelheim kann die Zeit bis zum Konzertfrühling mit diversen Konzerten in der kING überbrückt werden; unter anderem gastiert am 18. November die Deutsche Streicherphilharmonie in Ingelheim. Auch das Rheingau Musik Festival hält keinen Winterschlaf und holt etwa am 5. Dezember die Stargeigerin Sol Gabetta ins Wiesbadener Kurhaus.

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