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Ein Happy Meal, bitte!

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Erwachsensein ist wie seine Mutter im Supermarkt zu verlieren – nur für immer.“ Als Studenten stecken wir alle drin: Wir sind uns am Abkapseln von der Familie oder haben uns schon abgekapselt. Beides macht das ganze nicht leichter. Weder für uns, noch für unsere Familie. Aber warum ist das so?

Von Verena Hein Es gibt diese Tage bei jedem von uns. Alles wird irgendwie zuviel. Zu viele Verpflichtungen, zu viele Aufgaben und Herausforderungen. Zuviel Erwachsensein. Tage, an denen wir uns eigentlich nur im Bettchen verkriechen wollen und uns „Fuck off“ denken. Doch dann merken wir, es führt kein Weg dran vorbei. Selbstdisziplin ist gefragt. Alles ist doch eigentlich gar nicht soo schlimm. Und wir berappeln uns wieder und machen weiter wie bisher.

Zwischen Studium, Job, Familie und Freunde fällt es uns oft schwer, Prioritäten zu setzen. Kommt danach Freund oder Freundin dazu ist es eh vorbei. Wie soll man das alles bitte noch unter einen Hut bekommen? Von allen Ecken wird etwas von uns verlangt. Tausend Rollen müssen wir erfüllen. Und das wollen wir auch, schließlich zeichnet sich durch sowas ja ein geiles Leben aus.

Dass man da manchmal nicht mehr weiß, wo einem überhaupt der Kopf steht, ist klar wie Kloßbrühe. Das kann sich auch mal scheiße anfühlen, aber irgendwie geht‘s dann doch wieder weiter. Und das ist auch gut so. Wir müssen uns nicht immer absolut erwachsen fühlen. Und auch nicht immer verantwortungsvoll sein. Den Druck machen wir uns eigentlich doch nur selbst.

Denn hey, wir sind immer noch Studenten, die in einer Zeit leben, in der man sich ausprobieren und seine Grenzen austesten soll und kann. Zum Erwachsensein bleibt immer noch genug Zeit, so ziemlich die nächsten fünfzig Jahre lang. Wir trinken immer noch Wein aus der Flasche, waschen unsere Wäsche auch mal länger nicht, sind lange vor Ende des Monats pleite und singen auch die dümmsten Lieder lautstark mit und gönnen uns ein Happy Meal im nächsten Fastfood-Schuppen.

Neuerdings sitze ich im Abschluss-Seminar für die Bachelorarbeit und frage mich fast jede Woche, was zur Hölle ich da eigentlich die letzten drei Jahre gelernt habe. Denn eigentlich dachte ich, nach dem Bachelor hätte man zumindest so viel Ahnung von etwas, dass man sich für das Berufsleben bereit fühlt. Aber falsch gedacht. Auch ein Uni-Abschluss kann einen kaum auf das Erwachsenenleben vorbereiten. Und nach anfänglichem Schock war mir klar: Es ist mir Latte. Die vergangen Jahre waren die besten Jahre meines Lebens und haben mich im „Ich-Sein“ einen verdammt großen Schritt weitergebracht. Zwar bin ich immer noch nicht erwachsen, dafür aber um einiges an Erfahrung reicher.

Unser Welpenschutz ist zwar vorbei und viele unserer Fehler und Probleme müssen wir meistens selbst wieder ausbaden aber: In kaum einer Zeit vor oder nach jetzt werden wir so viele Freiheiten haben, in denen wir noch verdammt viel dazu lernen. Auch wenn man mit 24, 25 und 26 schon Paranoia schiebt, weil es mittlerweile auf die 30 zugeht: Bullshit. Lasst uns so lange verrückt, frei und unerwachsen sein, wie wir können. Auch mit Mitte Zwanzig können wir noch unsere Kindheitsvorstellungen vom Erwachsensein wieder umschmeißen. Das Leben spielt so, wie es gerade Bock hat. Und genau das ist auch gut so.

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