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Kultur

Regelmäßig gibt es Suppe

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Nicht jede Stadt hat eine Spielstätte speziell für Performance – Mainz hat sie mit dem performance art depot. Ein besonderer Ort, der jetzt womöglich bedroht ist.

von Ingo Bartsch

Als Nic Schmitt und Peter Schulz 2007 ihre Requisiten aus dem Peng räumen mussten, weil Platz benötigt wurde, ahnten die beiden studierten Theaterwissenschaftler noch nicht, dass dies eine entscheidende Fügung sein sollte. Denn um die Sachen anderweitig unterzustellen, brauchten sie Raum. Und „stolperten“, wie Nic es ausdrückt, über einen Leerstand in der Leibnizstraße in der Mainzer Neustadt. Von außen ein niedlicher kleiner Laden – doch innen stellte sich heraus, dass eine Wendeltreppe hinab in ein geräumiges Untergeschoss führte. Ein ehemaliger Laden für Friseurbedarf. Dort gab es Stromanschlüsse und Toiletten. „Uns war sofort klar: Das ist ein Veranstaltungsraum“, erinnert sich Nic. Traurig nur, dass die Miete mit fast fünftausend Euro viel zu hoch war. Doch auch hier war den beiden das Glück hold: „Der Vermieter sagte: Macht erstmal.“

Und so stellten Nic und Peter aus dem Nichts die ersten Veranstaltungen auf die Beine. Die Geburtsstunde des performance art depot, kurz: pad. „Wir haben Künstler akquiriert, die Technik haben wir von einem befreundeten Verleiher bekommen. Das war Wahnsinn, wirklich zwei sehr intensive Monate. Das würde ich heute nicht mehr packen“, sagt Nic.

Viele Anfragen von Gastkünstlern

Die 43-Jährige und ihr 48-jähriger Künstlerpartner haben sich dem Genre Performance verschrieben. Schon während des Theaterstudiums lernten sie sich kennen. 1999 arbeiteten sie zum ersten Mal zusammen, damals an Peters erster eigenen Produktion „Beige Roses“, einem sehr abstrakten Stück ohne Handlung, stattdessen mit szenischen Bildern. Performance – was steckt eigentlich dahinter? Was unterscheidet Performance von Schauspiel, Tanz und anderen Darstellungesarten? „Im Gegensatz zum Schauspiel gibt es erstmal keine fiktive Person, keinen fiktiven Ort. Aber es wird mit durchaus mit den Theatergewohnheiten der Zuschauer gespielt“, erklärt Nic. In Performance stecke viel Bildende Kunst. Viele Künstler arbeiten ohne Bühne, zum Beispiel als lebende Skulpturen. Im pad allerdings wird weniger installativ gearbeitet, es werden vor allem Bühnenstücke geboten. Regelmäßig gibt es etwa „Watch & Eat“, bei dem Nic und Peter improvisieren. Dazu bekochen ihre Mütter die Gäste mit Suppe. Einmal jährlich steigt das Internationale Performance-Festival. „Die Fördermittel reichen leider nicht aus, um ein noch regelmäßigeres Programm auf die Beine zu stellen“, berichtet Nic. „Wir haben unfassbar viele Anfragen von Gastkünstlern und könnten ein Superprogramm anbieten.“ Das Problem an der mangelnden Regelmäßigkeit sei vor allem, dass die Leute die Location mehr oder weniger wieder vergessen würden, erklärt Nic. Wobei das pad in der Neustadt nach über zehn Jahren durchaus eine Institution ist. „Achtzig Prozent unseres Publikums kommen aus der Neustadt“, schätzt Nic.

Aktuell stellt sich die Frage, wie lange im pad überhaupt noch Programm geboten werden kann. Denn die Immobilie in der Leibnizstraße 46 hat den Besitzer gewechselt. Noch ist die Performance-Spielstätte geduldet. Gespräche mit den neuen Vermietern müssen noch geführt werden. Aufgrund der latenten Bedrohung des pad haben Nic und Peter allerdings seit jeher einen eventuellen Ortswechsel in den Hinterköpfen gehabt. Derzeit sind sie in die Kommissbrotbäckerei in der nördlichen Neustadt involviert. Aus der einstigen Arbeitsgruppe ist inzwischen ein Verein geworden, der aktuell an einem Konzept für eine Begegnungsstätte für Kulturschaffende und Bürger arbeitet.

Doch fürs erste geht es in der Leibnizstraße weiter. Zuletzt gab es von dem Künstlerduo ein Stück, in dem sie ihre eigenen Lebensläufe Revue passieren lassen: „About life“ gab es Ende Januar zweimal zu sehen. Sicher wird es auch noch mal Impro-Peformance und Suppe geben – mit „Watch & Eat“ sind Nic und Peter im Februar sogar nach Houston eingeladen. Und im Frühjahr steht einmal mehr das internationale Performance-Festival auf dem Plan. Gelegenheiten, sich Performance im ehemaligen Friseurbedarfsladen anzuschauen, hat es also noch.

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