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Kultur

,,NOOBSOUP ist Erlebnis vor Ergebnis’’

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Tim Zerban (23) studiert Zeitbasierte Medien in Mainz und erklärt, wieso seine Bachelorarbeit nicht perfekt sein muss, aber erlebnisreich und warum es sich lohnt, die eigene Neugier zu verfolgen.

Interview: Anne Zerban

STUZ: Hallo Tim, was ist NOOBSOUP?
Tim: NOOBSOUP ist der Oberbegriff für das, was ich seit sechs Monaten zusammen mit Freund*innen und Kommiliton*innen mache. Es ist meine Bachelorarbeit eines Gestaltungsstudiengangs. Unser Output ist Bewegbild. Im Prinzip wie eine kleine Kunstinitiative ohne festes Ziel, es geht mehr darum, das zu machen, was man gerade fühlt. Dabei versuchen wir, unkonventionelle Techniken zu finden, auszuprobieren und neu zu kombinieren. Neugier ist ein wichtiger Bestandteil. Anfangs haben wir intuitiv musiziert und dabei eine Menge Spaß gehabt. Wir nehmen Kameras in die Hand und anstatt tagelang im Schnitt zu verbringen, schnipseln wir es irgendwie zusammen, so wie wir grade Bock haben. So haben wir auch viele andere Sachen gemacht.

Wie bleibst du neugierig?
Ich versuche, mich nicht selbst zu überfordern, ich suche mir Herausforderungen, die in meinem Fähigkeitsrahmen liegen. Dinge die ich noch nicht gemacht habe, aber mir denke, ich könnte sie schaffen. Dabei komme ich ständig auf neue Ideen. Ich will viel lernen, ich will ausprobieren und auch die Lust am Scheitern gehört dazu.

In welchem Zusammenhang stehen NOOBSOUP und Spaß für dich?
Der Leitsatz von NOOBSOUP ist Erlebnis vor Ergebnis. Das beinhaltet, dass ich erst einmal schaue, dass die Sachen mir Spaß machen.

Wieso ist dir das Erlebnis so wichtig?
Das hat einen persönlichen Hintergrund. Davor habe ich in meinem Studium immer versucht, dass die Sachen gut werden. Das Problem war, dass das, was ich als ,,gut“ betrachtet habe, weit über meinen Fähigkeiten lag, das heißt, ich konnte nie zufrieden sein mit dem, was ich gemacht habe. Meine Skills waren und sind einfach nicht so, dass sie meinen Ansprüchen gerecht werden. Dann bin ich auf Dauer total frustriert geworden und habe den Spaß an der Sache verloren. Ich hab resigniert und meine Motivation ist gesunken. Bei NOOBSOUP versuche ich, den Spieß umzudrehen, meine erste Prio ist, ich mache das, woran ich Spaß habe. Dabei geht es hauptsächlich um Bewegtbild, also ich bin schon in meinem Kosmos geblieben.

Was ist deine persönliche Definition von Spaß?
Ich würde es anstatt Spaß lieber Freude nennen. Freude würde ich von reinem Vergnügen wie zum Beispiel Trinken mit Freunden oder einen Film schauen abgrenzen. Alles hat für mich die Möglichkeit Freude hervorzurufen, wenn ich mich dafür interessiere, mich voll darauf konzentrieren kann und es auf Freiwilligkeit beruht. Wenn ich etwas baue, bin ich nicht nur dabei im Flow, sondern sehe auch im Nachhinein, dass ich etwas geschafft habe, somit ist die Freude langanhaltender.
Diese tiefe Konzentration kann man auch zusammen erleben, das verstärkt das Gefühl. Deswegen versuche ich bei NOOBSOUP, verschiedene Prozesse so zu gestalten, dass man sie mit mehreren Personen gleichzeitig ausführen kann und alle eine gewisse Herausforderung haben, wie bei einer Band, in der alle einen Teil beitragen und sich niemand langweilt.

Findest du, dass die Menschen aktuell zu fokussiert auf das Ergebnis sind bei ihrer Arbeit und ihren Tätigkeiten?
Es gibt zwar den Bereich der Hobbys, in dem die Leute Dinge nur für den Spaß machen, jedoch nehme ich die aktuelle Popkultur als sehr spießig wahr. Beispielsweise geht es im Deutsch-Rap nur darum, sich zu profilieren. Ich habe das Gefühl, es geht immer mehr darum, cool zu sein und fette Klamotten zu haben. Ich finde es sehr schade, es ist nur hinterherrennen und Sachen reproduzieren. Viele Leute haben witzige Ideen, aber trauen sich nicht, sie umzusetzen, weil sie denken, dabei kommt nichts Gutes rum, dabei lohnt es sich doch auch, mal angstfrei die Neugier auszuprobieren.

Hast du einen Tipp für unsere Leserschaft für mehr erlebnisorientiertes Arbeiten oder mehr Freude?
Versuchen, sich von den eigenen Erwartungen zu lösen, bewusst etwas ganz Neues ausprobieren, denn bei Dingen, in denen man bewusst unerfahren ist, sinken die Erwartungen.

Wie kamst du darauf, die alten Geräte wieder zu benutzen?
Teilweise war das Zufall, ich dachte mir: Wie kriegt man coole Videoeffekte hin, ohne sie am Computer zu bearbeiten? Durch die alten Geräte (VHS-Kameras aus den 80ern) entstehen unvorhersehbare Ergebnisse, es sind schöne Überraschungsmomente. Die Dinge, die mir gut gefallen haben, habe ich weiter verfolgt.

Was möchtest du mit deiner Bachelorarbeit bei den Zuschauenden bewirken?
Mein Traumziel wäre es, dass die Leute neugierig werden, sie sich denken: Oh, ist ja irgendwie weird was er gemacht hat, eigentlich könnte ich ja auch mal wieder etwas experimentieren, ich hab da doch bei meinen Eltern auch was rumliegen sehen, vielleicht schnappe ich mir das auch mal. Einfach rumprobieren.
Nicht jede*r mag zwar diese experimentelle Optik, aber man kann ja auch Sachen in anderen Gebieten neu ausprobieren.

Wird das Publikum bei deiner Ausstellung selbst ein Erlebnis verspüren, gibt es die Möglichkeit, selbst auszuprobieren?
Ich hoffe, sie werden ein Erlebnis verspüren. Mein Teil der Ausstellung ist eine Videoinstallation, bei der das Publikum live ein Video schneiden kann. Ich habe den ganzen NOOBSOUP-Entstehungsprozess gefilmt und das Publikum wird an einem Keyboard ganz einfach ein Video schneiden können, dabei ist jede Taste mit einem Clip belegt. Die Videos werden in Echtzeit abgespielt. Dieses etwas wirre Video wird durch ein Effektgerät geschleust, das vom Publikum selbst bedient werden kann. Anstatt dem Publikum eine fertige Doku vorzuführen, schauen die Leute vor Ort selbst, was sie mit den Clips machen. Also eine intuitive Art, ein Video zu bearbeiten.

Was passiert mit NOOBSOUP nach deiner Ausstellung?
Für mich ging es von Anfang an darum, dass nicht nur ich Spaß habe, sondern alle, die daran beteiligt sind, den Geist mit tragen können. Es ist ein Kollektivgedanke entstanden; einfach machen und angstfrei ausprobieren, auch wenn‘s mal kacke wird. Es bleibt ein kleines Kollektiv, offen für neue Leute und Ideen!

WTF
Die Ausstellung ist vom 7. bis 11. Oktober in der Fuststraße 2, Mainz, zu sehen.

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