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Kultur

Geschichte goes Comic

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Comic-Autor Christopher Tauber und Illustratorin Annelie Wagner arbeiten in ihrer Comic-Trilogie bedeutende Ereignisse der Frankfurter und deutschen Geschichte für ein junges Publikum auf.

Von Inken Paletta

Nach der Kaiserkrönung 1742 und dem Frauenwahlrecht widmen sich Tauber und Wagner in ihrem dritten Comic-Band „Frankfurt 1848/49 – Skizzen einer Revolution“ den Ereignissen im Revolutionsjahr 1848 und der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. „Geschichte ist für Kinder und Jugendliche oft schwer greifbar. So entstand die Idee, diese Themen visuell durch Comics für ein junges Publikum erlebbar zu machen“, erzählt Susanne Gesser, Leiterin des Jungen Museums Frankfurt. Bei der Suche nach einem Verlag sei sie auf den in Frankfurt ansässigen Zwerchfell Verlag aufmerksam geworden. „Als ich die Anfrage erhielt, bekam ich als Comic-Autor natürlich sofort Lust, die Comic-Trilogie nicht nur herauszugeben, sondern mich auch der Konzeption zu widmen“, erzählt Mitinhaber des Zwerchfell Verlages, Christopher Tauber. Für die Illustrationen holte er sich die Wiesbadenerin und aktuelle Wahlfrankfurterin Annelie Wagner ins Boot: „Annelie hat in Mainz Kommunikations-Design studiert und ich wollte, dass jemand die Comics illustriert, der sich in Frankfurt auskennt.“

Bedeutung demokratischer Werte
„Bei unserer Recherche für die Comicserie habe ich selbst viel Neues über die Frankfurter Geschichte erfahren“, verrät Tauber. Natürlich sei ihm die Nationalversammlung in der Paulskirche aus dem Geschichtsunterricht bekannt. Aber dass sie mit der Verkündung von allgemeinen Bürgerrechten den Grundstein für unsere Grundrechte und Verfassung gelegt hat, wurde ihm erst durch die Recherche richtig bewusst. „Wir sollten uns darüber klar sein, was für ein tolles Konstrukt wir mit unserem Grundgesetz in den Händen halten. Denn bis zur Weimarer Republik und der Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 gab es quasi keine Bürgerrechte.“ Gerade im Hinblick auf die aktuelle Situation und die Querdenkerdemos würde sich Tauber wünschen, dass die Bedeutung demokratischer Werte noch intensiver im Schulen thematisiert werde. Gemeinsam mit Annelie Wagner hat er zur Comic-Reihe bereits Lesungen in Frankfurter Schulen und im Jungen Museum Frankfurt gehalten: „Es macht immer sehr viel Spaß mit den Kindern über all diese Themen zu diskutieren.“

Skizzen einer Revolution
Protagonisten des dritten Comic-Bandes sind der Student Georg und Vera, ein junges Mädchen aus gutbürgerlichem Haus. „Veras Tagebuchaufzeichnungen dokumentieren ihre Gefühle und Gedanken und das damalige Geschehen in Frankfurt“, erklärt Tauber. Das Tagebuchformat sei eine gute Möglichkeit, Veras Emotionen und Sicht der Dinge mit den geschichtlichen Ereignissen zu verknüpfen. „Und Vera ist ja im Grunde ein Symbol für die Revolution“, verrät die Illustratorin der Comics, Annelie Wagner. „Vera ist neugierig, wild und aufmüpfig und trägt deshalb auch praktische Kleider und offenes, wildes Haar. Sie hebt sich damit deutlich vom Stil ihrer Mutter ab, die das damals vorherrschende Frauenbild verkörperte.“ Für die Entwicklung der Storyline und der Charaktere haben die beiden in Archiven Tagebücher von Personen der Zeitgeschichte gelesen, zur Frankfurter Geschichte recherchiert und wichtige Schauplätze besucht. „Wir haben zum Beispiel eine historische Führung durch die Frankfurter Paulskirche gemacht. Das Aufsuchen der Schauplätze hat uns geholfen, ein Gefühl für die damalige Zeit zu bekommen“, erzählt Annelie Wagner. Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, Fiktion und reale Geschichte miteinander zu verknüpfen und den Spannungsbogen an die tatsächlichen Ereignisse anzupassen. „Wir mussten ja auch wichtige Charaktere wie den Revolutionär Robert Blum und weitere bedeutende Persönlichkeiten in die Geschichte integrieren. Und natürlich konnten wir die Geschichte nicht umschreiben, sondern mussten das Scheitern der Revolution in die Story einarbeiten“, erklärt Tauber. „Deshalb wandert Georg nach der gescheiterten Revolution nach Amerika aus. Denn in Deutschland war für demokratische Werte, die er verkörpert, vorerst kein Platz. Das änderte sich erst in der Weimar Republik.“ Deshalb verweist der Comic am Ende auch auf den zweiten Band, also das Jahr 1918. „Die alte Dame, die am Ende erwähnt wird, ist natürlich Vera, die aus ihrer Vergangenheit und von ihrer großen Liebe Georg erzählt. Eine kleine Lovestory ist also auch dabei.“

Bild: Inken Paletta

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