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„Wir brauchen Lampenfieber”

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In „On Stage“ gibt der Wahlmainzer Nils Zeizinger Tipps rund um das Thema Performen auf der Bühne. Dabei bleibt er nicht nur theoretisch, sondern nimmt die Leser*innen mit auf einen Ausflug in die Musikwelt. Interview Jonas Julino

Nils, in den letzten 20 Jahren warst du regelmäßig auf der Bühne [on stage], seit gut einem Jahr herrscht aber unfreiwillige Bühnenabstinenz. Wie geht es dir dabei?
Ich vermisse es sehr. Einerseits vermisse ich es auf Konzerte zu gehen – ich bin ja selbst schwerer Konzertbesucher – andererseits vermisse ich es noch mehr mit den Jungs und Mädels zu proben und Konzerte zu geben. Für uns ist das aber immer noch Klagen auf hohem Niveau. Da trifft es andere härter.

Wie vertreibst du dir die Zeit momentan?
Ich bin gerade am neuen Grundfunk-Album dran und schreibe die Songtexte. Ansonsten ist meine Selbstständigkeit nicht so hart von Corona getroffen. Als Texter und Sprecher läuft es eigentlich ganz gut. Über zu wenig Arbeit kann ich mich nicht beklagen.

Und du hattest Zeit ein Buch zu schreiben.
Das habe ich tatsächlich schon vorher geschrieben. Das Buch anzufangen war meine erste Amtshandlung, nachdem ich mich 2019 Selbstständig gemacht habe. Danach bin ich nach Marokko geflogen und habe das Buch dort am Strand geschrieben.

Herausgekommen ist ein nicht ganz typischer Ratgeber über das Performen auf der Bühne. Warum?
Ich glaube, dass es für viele Menschen ein Problem ist, auf der Bühne zu stehen. Für die einen ist es eine Herausforderung und für die anderen ist es der blanke Horror. Ich möchte den Menschen diese Angst ein Stück weit nehmen. Den geborenen Redner gibt es nicht. Es ist wie bei vielen anderen Sachen auch eine Frage des Trainings. Deshalb habe ich versucht in „On Stage“ zu jedem Bereich rund um den Auftritt die wichtigsten Tipps und Tricks zusammenzufassen, die man braucht, um nicht nur auf der Bühne zu überleben, sondern im besten Fall eine Show zu bieten und die Leute zu unterhalten.

Du schreibst dein Buch pragmatisch, teilweise unkonventionell und mit viel Humor. Was hebt dein Buch sonst noch von einem klassischen Ratgeber ab?
Mir war wichtig, dass ich nicht so eine Oberlehrer-Haltung an den Tag lege, sondern mich auf Augenhöhe mit den Lesern bewege. Was „On Stage“ von anderen Ratgebern unterscheidet ist, dass ich mich nicht nur auf Fachliteratur beziehe und meine eigenen Erfahrungen einbaue, sondern auch diese Rockstar-Welt mit reinbringe.

Du schreibst von großen Stars, wie Adele und Freddy Mercury, die selbst Angst und Lampenfieber vor Auftritten haben. Ist diese Angst auf der Bühne zu stehen also ganz normal?
Man sagt, acht von zehn Menschen haben Lampenfieber. Da spielt es keine Rolle, ob du Profi oder Laie bist. Das ist eigentlich ganz schön, dass wir von Profis nicht nur etwas über Professionalität lernen können, sondern auch über Menschlichkeit. Die fürchten sich auch vor einem Blackout und haben teilweise Angst auf die Bühne zu gehen. Und genau wie die Profis müssen wir auch die richtigen Strategien für uns entwickeln, um einen Auftritt möglichst gut zu überstehen.

Wie sieht sie aus, die richtige Strategie?
Es gibt nicht die eine richtige Strategie. Es gibt Optionen, die jeder für sich selbst ausprobieren muss. An diese einzig wahren Tipps für den Weg zum Erfolg glaube ich nicht. Dafür sind wir alle zu verschieden und dafür sind auch die einzelnen Situationen zu unterschiedlich.

Gibt es grundsätzliche Dinge, die wichtig sind?
Dazu gehört zwangsläufig Routine und eine gute Vorbereitung. Das ist das A und O. Das trifft auch auf das Lampenfieber zu. Wenn man genau weiß, was auf der Bühne passiert, und weiß, was man machen muss, senkt das das Lampenfieber enorm. Bewegung oder Atemübungen vor dem Auftritt können auch helfen, das Adrenalin zu senken und ruhiger zu werden.

Am Ende muss also jeder für sich den richtigen Weg finden.
So ist es. Das richtige Level zwischen Fokus und Entspannung ist wichtig. Natürlich muss man sich fokussieren, darf aber nicht so angespannt sein, dass jede Lockerheit flöten geht. Das Level dazwischen zu finden kommt mit der Zeit. Da hilft eben nur Ausprobieren und Routinen schaffen. Man muss ein paar Mal durch dieses Feuer gegangen sein. In der Theorie ist das immer das eine, auf der Bühne sieht die Sache schon ganz anders aus.

Das klassische Lampenfieber lässt sich nicht gänzlich wegtrainieren?
Nein, aber man kann mit Strategien und positiven Gedanken gegenlenken. Nervosität in ungewohnten Situationen ist völlig normal. Das ist auch wichtig. Im besten Fall wandelst du dieses Adrenalin in eine gute Perfomance um. Wir brauchen das Lampenfieber auch. Es geht gar nicht ohne. Aber am Ende sollte es nicht solche Ausmaße annehmen, dass es einen fertig macht.

Bild: Anke Benen

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