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Wiesbaden

Das flüssige Gold am Ende des Regenbogens

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Dank dreier echter Bierstädter hat nun auch Wiesbadens Stadtteil Bierstadt sein eigenes Bier. Die offensichtlichste Marktlücke, seit es „Wein aus Weinheim“ gibt, wurde endlich geschlossen.

von Luca Bartolotta

Warum hat Bierstadt eigentlich noch kein eigenes Bier? Mit dieser Frage hat alles angefangen bei Jens Hüttenrauch, René Düvel und Maximilian Gras, den drei bierbegeisterten Gründern von Bierstadter Gold. 2019 produzierten sie die erste Charge „Bierstadter Gold“ und boten sie bei der heimischen Fußball-Vereinsfeier an, selbstverständlich als Freibier. Noch bevor die Fässer leer waren, wurde klar – hier kann was richtig Gutes entstehen, ein Bier für Bierstadt. Inzwischen findet man das „Naturtrübe“ Bier der drei Kindheitskumpels in mehr als 15 verschiedenen Wiesbadener Kneipen, beispielsweise im „c/o“ oder im „60/40“, in Restaurants sowie in verschiedenen Supermärkten im Rhein-Main Gebiet. Geschmacklich ist das „Naturtrübe“ etwas milder als ein Pils, süffig und trotzdem frisch. Eiskalt getrunken, hat es das Potential, das neue Lieblingsbier ein Jedermann und Frau zu werden. Nur für Leute, die ihr Bier so herb wie eine nordfriesische Strandbrise mögen, ist das Bierstadter Gold wahrscheinlich etwas zu leicht.

Vor dem gemeinsamen Start-Up hatte nur einer der drei Gründer beruflich etwas mit Bier zu tun: Jens arbeitet für ein Unternehmen, das unter anderem Infrastruktur für Brauereien in den USA bereitstellt. Doch das eigene Biergeschäft ist bei den drei Jungs schon lange kein Hobby mehr: „Das Ziel ist es, den Job schon bald in Vollzeit zu machen“, erzählt René. Wichtiger als das große Geld sei den Gründern allerdings etwas anderes: „Wir wollen die Leute zusammenzubringen, ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl schaffen und einfach gemeinsam eine gute Zeit haben“. Und bisher liefe das auch ganz gut: „Wir bekommen eigentlich durchgehend positives Feedback, die Leute finden super, was wir machen. Gerade unser Freundes- und Bekanntenkreis unterstützt uns total. Am Anfang haben wir die Etiketten für unser Bier noch auf jede Flasche einzeln aufgeklebt. Ein riesiger Arbeitsaufwand! Das hätten wir ohne Unterstützung niemals geschafft“, erzählt René.

Dass das Bierstadter Gold etwas teurer ist als das durchschnittliche Bier im Supermarkt, liegt hauptsächlich an den Unterschieden in den Produktionsmengen zwischen kleineren und größeren Brauereien: „Leider ist es sehr schwierig mit den großen Massenbrauereien preislich mitzuhalten, aber unser Ziel ist es natürlich, den Preis langfristig zu senken“, sagt René. Momentan produzieren sie etwa 5.000 Liter Bier, also 50 Hektoliter im Monat. Im Vergleich: Eine deutsche Großbrauerei wie die Bitburger Braugruppe produziert monatlich etwa 525.000 Hektoliter. David gegen Goliath im Bier-Business.

Eine gesellschaftliche Entwicklung könnte dem Bierstadter Gold allerdings zugutekommen: „Wir spüren den Trend zu regionalen Produkten, die Leute wollen nicht immer nur das gleiche trinken“, sagt René. Das komme dem Unternehmen natürlich entgegen, gerade weil es noch keine bekannten Biermarken in Wiesbaden gebe, so René weiter. Und mit ihrem „Naturtrüben“ stechen sie definitiv heraus, es ist eben „nicht noch ein neues Pils“, wie René es formuliert.

Nur gebraut wird das Bier momentan noch nicht vor Ort, sondern im Baden-Württembergischen Aalen. LKWs fahren die Bierkisten regelmäßig in das Lagerhaus nach Bierstadt. „Auch wenn wir es noch nicht hier brauen, ist es aber trotzdem schon unser Bier“, erklärt René, „wir sind regelmäßig bei der Brauerei vor Ort und konnten uns zu Beginn das Bier ganz nach unserem eigenen Geschmack zusammenstellen. Sobald wir ein Grundstück finden und genügend Kapital zusammenhaben, planen wir unsere eigene Brauerei in Bierstadt aufzumachen.“

Übrigens: Der Name Bierstadt findet seinen Ursprung nicht im Lieblingsgetränk der Bewohner*innen, sondern stammt aus der Gründungszeit von Bierstadt. Irische Mönche siedelten im heutigen Stadtgebiet Bierstadts, dass sie damals „Birgidestad“ tauften, benannt nach ihrer Schutzheiligen Brigida von Kildare. Im Laufe der Zeit wurde der Name dann so lange vernuschelt, bis daraus schließlich Bierstadt wurde. Das Wahrzeichen, die „Bierstadter Warte“, ein Wachturm aus dem Jahr 1473, schmückt nebenbei nicht nur das Etikett des ersten Biers aus Bierstadt, sondern auch das Wappen des Wiesbadener Stadtteils. Na dann, Prost!

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