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Mainz

Let`s go CADORO!

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Ein gläsernes Kunstgebäude aus drei Komplexen strahlt in Hechtsheim weit über Mainz hinaus. Die Betreiberin, die „van der Koelen Stiftung für Kunst und Wissenschaft“, zeigt, interpretiert und interagiert zwischen Wissenschaft und Kunst

von Nadine Tannreuther

Dr. phil. Dorothea van der Koelen lebt seit vielen Jahren in Venedig. „Ca’ d’Oro“ ist dort ein alter gotischer Palast aus Marmor, auch wenn die Übersetzung eigentlich „aus Gold“ bedeutet. Als der Bau in Mainz anstand suchte die Stifterin nach einem Namen für alle drei Bereiche: Galerie, Verlag und Stiftung. Es musste ein neutraler Name sein und so entstand das „Casa von der Dorothea“: kurz und einprägsam. Außerdem erinnert die Verknüpfung, cadeau“, aus dem Französischen „Geschenk“, an einen Schatz für seine Besucher. Im Juli 2003 gründete Dorothea van der Koelen ihre Stiftung: „Ich liebe die zeitgenössische Kunst und die Schönheit, die in ihr ruht. Für mich ist Kunst keine nette Begleiterscheinung, sondern die Determinante. Mir geht es darum eine neue Sichtweise auf die Kunst zu ermöglichen, andere Fragen zu stellen und ungeahnte Blickpunkte zu eröffnen.“.

Den Besucher erwarten in Hechtsheim auf rund zweitausend Quadratmetern eine lichte Galerie sowie der angeschlossene Chorus Buchverlag. Ein innovatives Konzept, das Theorie und Praxis im Bereich der Bildenden Kunst verknüpft und vor allem Studierende auf die Zukunft und das Berufsleben vorbereitet. Denn Kunst, Ästhetik und Wissenschaft laden zu einem Austausch auf hohem Niveau ein. Im Fokus liegt der Anspruch, neue Wege zu gehen. Der direkte Umgang mit der Materie, die sogenannte „Feldforschung“ vermittelt eine andere Wahrnehmung von Kunst und Kreativität. Dazu zählen auch verschiedene Kulturveranstaltungen, vor allem als Plattform von Zusammenkunft, Austausch und Kooperation. „Die Kunst ist der letzte Bereich, wo wir einen Freiraum haben. Wir müssen mit der Kunst nicht Auto fahren. Kunst ist etwas, was absolut frei ist. Deswegen bin ich ein Fan davon. Dieser Spirit macht mich glücklich und davon hoffe ich, den nachfolgenden Generationen etwas weitergeben zu können“, lädt van der Koelen etwas unkonventionell in das Kunsthaus ein.

Seit über 40 Jahren aktiv

Mit Herzblut ist van der Koelen nunmehr über 40 Jahre als Vermittlerin der Kunst sowie als Galeristin tätig. Den „Weg der Kunst“ bekam sie durch die Eltern in die Wiege gelegt, was dazu führte, dass sie Kunstgeschichte studierte und sich mit Buchwesen und der Philosophie zeitgenössischer Kunst beschäftigte. Bis heute hat sie in 25 Ländern mehr als 500 Ausstellungen organisiert. Als Schnittstelle für Künstler, Kunstmarkt, Wissenschaft, Forschung und den öffentlichen Raum ist es die Aufgabe des CADORO zu vernetzen und einen Austausch anzustoßen. Dieses Wissen teilt die Stifterin sowohl in Artikeln, Aufsätzen, Fachzeitschriften, Vorträgen als auch Büchern und hat sich als Verlegerin und Herausgeberin von OEuvre-Katalogen einen Namen gemacht. Zusätzlich ist sie als Jurorin in mehreren Gremien aktiv.

In der Sammlung CADORO befinden sich aktuell 800 Werke (auch Originale), wovon einige als „Meisterwerke“ bezeichnet werden, wie die der Künstler Daniel Buren, Raimund Girke, Joseph Kosuth, François Morellet, David Rabinowitch oder Günther Uecker. Hier spricht die Vielfalt: Malerei, Grafiken, Skulpturen, Mappenwerke, Serien und Künstler-Editionen.

Auch die Zukunft sieht beständig aus, denn seit fast zehn Jahre besteht der Komplex für Kunst und Wissenschaft und dies soll so blieben: „Dieses Haus soll mich überleben. In jungen Jahren habe ich mir viele Ziele gesetzt. Mein Wunsch war es, nach Venedig zu gehen, einen Verlag zu gründen und ein Haus für Kunst, Wissenschaft und Kreativität ins Leben zu rufen. Das CADORO soll auch nach mir gewissenhaft und fördernd geführt werden“, so die Initatorin van der Koelen. Zwar sind wissenschaftliche Kunstforschung und Kunstmarkt miteinander verzahnt, gehen jedoch voneinander abweichende Wege. Durch die Globalisierung der Welt steigen die Ansprüche von Kunst und Vermittlung, weshalb eine Begegnungsstätte wie das CADORO eine entscheidende Rolle dabei spielt, einen Ort zu formen, der zur Weiterbildung einlädt.

Foto: Nadine Tannreuther

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