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Durch den Wald geistern bei Bingen

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Diese Tour mit einer Gesamtlänge von rund 14 Kilometern führt vom Hauptbahnhof in Bingen entlang des Rheins durch den Binger Wald zu den „Waldgeistern“ in der „Steckeschlääferklamm“.

von Franziska Bold

Eigentlich ist es doch viel zu heiß zum Wandern, hatte ich mir morgens noch gedacht. Da sich die Hitze entweder im Freibad oder im Wald am besten aushalten lässt, hat die Runde durch den Binger Wald aber doch mein Interesse geweckt. Am Tag meiner Wahl sind es rund 28 Grad, die auf der größtenteils schattigen Strecke gut auszuhalten sind.

Bingen Hauptbahnhof: Den Einstieg der Tour zu finden ist etwas kniffliger – zumindest für mich als Person, deren Orientierungssinn dank blinden Vertrauens auf Google Maps und Outdoor- Apps wie Komoot völlig verkümmert ist.

Ich folge zuerst dem Schild in Richtung „Park am Mäuseturm“ über die Fußgängerbrücke und gelange auf einen geteerten Fahrradweg, von dem aus ich rechts in den Park einbiege und mich dann links halte, vorbei an einer ungenutzten Halle. Rechter Hand ist danach schon der Mäuseturm zu sehen. Der aufgrund der Dürre niedrige Pegel des Rheins zeigt sich hier besonders drastisch.

Der Mäuseturm ist ein ehemaliger Wehr- und Wachturm, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gebaut wurde, um als Warte für die Zollerhebung das Zollsperrsystem der Burg Ehrenfels zu verstärken. Der Legende nach verdankt der Turm seinen Namen dem Mainzer Erzbischof Hatto II. Da der Bischof während einer Hungersnot im 10. Jahrhundert seine Getreidevorräte nicht mit seinen Untertanen habe teilen wollen, ließ er bettelnde Menschen in eine Scheune sperren und diese anzünden. Daraufhin sei er von einer Mäuseplage heimgesucht worden, vor der er sich in den Wachturm flüchtete. Dort aber sollen Mäuse aus der Mauer des Turmes gekrochen sein und den Bischof bei lebendigem Leibe gefressen haben. Schräge Info Nummer x, die ich auf einer Wanderung gelernt habe.

Ich folge dem Weg geradeaus und lasse den Mäuseturm rechts von mir liegen, bis ich endlich die richtigen Wanderschilder entdecke. Der violetten Markierung des „Welterbesteigs“ folgend geht es über eine weitere Fußgängerbrücke in Richtung Forsthaus Heiligkreuz. Nach einer Straßenüberquerung beginnt nun der wirklich schöne Teil: Sanft schlängelt sich der Weg aufwärts bis zum Aussichtspunkt „Prinzenkopf“. Mit einem wunderschönen Blick auf den Rhein wird man hier bereits für den ersten kleinen Aufstieg belohnt.

Neben der Markierung des Welterbesteigs verläuft die Strecke auch auf dem „Rheinburgenweg“ und dem „Soonwaldsteig“. Wichtig in dem Schildermeer ist nur, dass man immer auf dem Weg in Richtung Forsthaus Heiligkreuz bleibt. Vom Prinzenkopf aus verläuft der nächste Streckenabschnitt ruhig durch den Wald. Wenig später kann wer möchte einen kurzen Abstecher nach rechts hinab zum Forsthaus unternehmen und dort eine Pause einlegen.

Weiter geht es geradeaus vorbei an einer Murmelbahn aus Holz bis zu einer Kreuzung. Rechts ist schon eine Hängebrücke zu sehen, die wir aber erst auf dem Rückweg passieren. Vorher folgen wir dem Schild in Richtung „Steckeschlääferklamm“. Auf dem Weg dorthin haben die Römer einmal mehr ihre Spuren in Form einer Villa rustica (römischer landwirtschaftlicher Betrieb) hinterlassen, die etwa von 200 bis 400 nach Christus genutzt wurde.

„Steckeschlääfer“ sind Wanderer, die ihre Stöcke über den Boden schleifen. Insgesamt 46 Schnitzereien, die meisten davon Waldgeistergesichter, Kobolde, Gnome, Zwerge und andere Gestalten sind entlang des Weges zu bestaunen. Wer von hier aus keine längere Runde über neun Kilometer zurück nach Bingen laufen möchte, nimmt denselben Weg durch die Klamm wieder zurück bis zu der Kreuzung mit der Hängebrücke.

Diesmal überquere ich die etwa 50 Meter lange Hängebrücke und folge der Markierung des Rheinburgenwegs zurück. Auf dem Rückweg kann man optional die Kreuzbachklamm durchqueren. Hierfür ist Trittsicherheit erforderlich, da es an manchen Stellen etwas enger und steiler wird. Insgesamt ist der Weg durch die Kreuzbachklamm eine empfehlenswerte Abrundung der Tour. Allerdings muss man bei dieser Alternative etwas länger an der Straße entlanglaufen. Am Ende der Klamm geht es nach rechts bis zur Straße, die man überquert und dann wieder nach rechts auf einen Bürgersteig bis zur Fußgängerbrücke, die man schon vom Anfang her kennt. Nun nur noch durch den Park am Mäuseturm zurück zum Bahnhof. Die Tour ist abwechslungsreiche und sommertauglich, das Eis danach schmeckt gleich doppelt so gut!

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