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Meist kein Fall für den Kammerjäger

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Eine Schabe in der Wohnung! Doch kein Grund zur Panik und nicht immer ein Fall für den Kammerjäger. Denn in der Rhein-Main-Region siedeln sich seit einiger Zeit zwei harmlose Waldschaben an.

von Inken Paletta

In Deutschland gibt es bislang sechs einheimische Waldschaben, darunter die Blasse Waldschabe und die Küstenwaldschabe. Letztere kommt nur in Küstendünen vor. Es gibt nur noch drei Fundorte in ganz Deutschland“, verrät der Biologe Manfred Alban Pfeifer, der derzeit die Rote Liste der Schaben in Deutschland führt. Ansonsten leben Waldschaben, wie bereits ihr Name verrät, fern ab von Wohngebieten, in Wäldern oder im Gebüsch an deren Rändern. Ins Haus verirren sie sich diese meist nicht. Seit einiger Zeit fühlen sich zwei neue Waldschabenarten in Büschen und im Gestrüpp der Gärten im STUZ-Gebiet und damit in Menschennähe wohl und verirren sich deshalb auch häufiger in Häuser, zum Leidwesen der Hausbewohner.

Bernstein-Waldschabe und Trassenwaldschabe

„Zum einen handelt es sich um die Bernstein- Walschabe. Sie ist ursprünglich im Mittelmeerraum zu Hause. Doch als blinder Passagier im eingepackten Zelt oder als Eipaket (als so genannte Othek) gelangte sie bereits bis nach Deutschland. Ihre Flugfähigkeit hilft ihr dabei, sich weiter auszubreiten. Ausgehend von Süddeutschland hat sie es mittlerweile sogar bis nach Niedersachsen geschafft. „Die andere Waldschabe wird Trassenwaldschabe, oder auch Tanger-Waldschabe sowie Marokkanische Waldschabe genannt. Ihre Heimat ist Nordafrika“, so Pfeifer. Sie wurde in Deutschland erstmals 2008 in der Rhein Neckar Region entdeckt und verbreitet sich seitdem nördlich der Alpen. Dass die Ausbreitung beider Waldschaben in Deutschland zunimmt, zeigt auch die Zunahme der Meldungen, die Pfeifer zum Beispiel über die Website artenfinder.rlp.de zugehen.

Waldschaben: Harmlose Untermieter

Doch auch wenn es sich bei beiden Waldschaben um so genannte Neozoen, also nicht heimische Arten handelt, so sind sie wie alle Waldschaben für den Menschen nach aktuellem Kenntnisstand ungefährlich. „Sie sind wie Stubenfliegen, lästig aber harmlos“, meint Pfeifer. Im Gegensatz zu den Hausschaben sind sie zudem kein Schädling und übertragen auch keine Krankheiten. „Waldschaben ernähren sich von zersetzendem Pflanzenmaterial wie Laub oder auch von faulendem Obst. Sie überleben in der Wohnung nicht lange“, so Pfeifer. Doch wie erkennt man, ob es sich um einen harmlosen Untermieter oder eine der beiden häufigen Hausschädlinge wie die Deutsche Schabe oder eine Kakerlake handelt? „Beide Waldschaben sind im Gegensatz zu ihren häuslichen Verwandten recht klein und bernsteinfarben“, erklärt Pfeifer. Sie werden kaum größer als 14 mm. Die Fühler beider Waldschaben sind ungefähr so lang wie ihr Körper. Die Flügel der Tanger-Waldschabe reichen dabei normalerweise nicht wie bei der Bernstein-Waldschabe bis zum Hinterleib. Daher kann sie auch nicht fliegen. Die Deutsche Schabe hat eine gewisse Ähnlichkeit mit beiden Waldschaben. Doch das entscheidende Merkmal, um die Waldschaben von der Deutschen Schabe zu unterscheiden, ist das Halsschild. „Es ist sowohl bei der Bernstein-Waldschabe als auch bei der Trassenwaldschabe bernsteinfarben und hat nicht wie das Halsschild der Deutschen Schabe zwei schwarze Streifen.“ Ein weiterer Schädling, die Küchenschabe, auch als Kakerlake bekannt, ist zudem deutlich größer und dunkelbraun bis schwarz gefärbt.“

Tipps und Tricks zur Abwehr von Waldschaben Doch warum verirren sich Waldschaben überhaupt in die Wohnung? „Waldschaben sind dämmerungs- und nachtaktiv und mögen es warm, erklärt Pfeifer. Meist ab Herbst gelangen sie schnell ungewollt in die beheizte Wohnung. Hilfreich um die Waldschaben aus der Wohnung fernzuhalten seien deshalb Fliegengitter. „Zudem kann man Büsche in der Nähe der Fenster und Eingänge regelmäßig zurückschneiden und faulendes Obst von den Sträuchern entfernen, damit die Tiere nicht angezogen werden.“ Pflanzen wie Lavendel, Zitronenmelisse oder Katzenminze auf dem Balkon oder der Terrasse können zur Abwehr beitragen, denn ätherische Öle mögen Schaben wie viele andere Insekten nicht. „Und sollte sich dennoch ein Exemplar ins Haus verirren, einfach einfangen und raussetzen“, so Pfeifer und fügt hinzu: „allerdings muss man schnell sein, denn sie können wie ihre unerwünschten Verwandten recht schnell laufen.“ Wer sich trotzdem nicht sicher ist, um was für ein Exemplar es sich bei dem Untermieter handelt, kann ein Foto der Schabe unter artenfinder.rlp.de oder naturgucker.de melden.

Foto: Didier Descouens Museum Toulouse via Wikicommons

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