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Into the Blue

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Tragende Gitarren, dreamy Synthesizer und jede Menge Indie-Pop. Ein Gespräch mit Jonas und David von Cinema Nova darüber, wie man ganz aus Versehen ein Coming of Age Album schreibt.

von Leon Groß

Cinema Nova – das sind Sänger und Gitarrist Jonas Grahl, Keyboarder und Synthist David Becker, Schlagzeuger Philip Müller, Bassist Jakob Franz und Daniel Schmitt, der außer der Gitarre auch die anfallende Büroarbeit der Band „bespielt“. Für letzteres bekommt Daniel sicherlich wenig extra Applaus auf der Bühne. Verdient hätte er ihn aber, da die Band nicht zuletzt dank seiner virtuosen Verwaltungsarbeit ohne Booking oder Label auskommt.

Die Idee ein Album zu veröffentlichen und wieder mehr Gigs zu spielen begleitet Cinema Nova seit 2018. Mit „das Ganze wieder etwas professioneller aufziehen“ beschreibt Jonas die Aufbruchsstimmung, die die beinahe zehn Jahre alte Band zu diesem Zeitpunkt erfasst.

Mit Jonas und David treffe ich mich in ihrer gemeinsamen Wohnung in der Mainzer Neustadt zu einem so netten Gespräch, dass objektiver Journalismus spätestens nach dem zweiten Sekt nicht mehr möglich ist. Den braucht es aber auch nicht, denn Cinema Nova tut niemandem weh, was der einzige Kritikpunkt ist, den man finden kann, wenn man denn einen finden will. Wer politisch aufgeladene Texte und edgy Sounds zum Abgrenzen sucht wird im Indie-Pop Genre und somit auch bei Cinema Nova nur eingeschränkt fündig werden. Wer ein fantastisch produziertes Album mit tanzbaren Drum Beats, tragenden Synthesizern und eingängigen Gitarrenmelodien sucht sollte sich „Into the Blue“ nicht entgehen lassen, auch weil das Album wesentlich mehr zu bieten hat, als man von klassischem Indie erwartet.

Die eine Dekade umfassende Bandgeschichte spiegelt sich im Album wider. „Into the Blue“ ist eine Mischung aus neuen und älteren Songs, in die, durch die stärkere Einbindung von Synthesizern, ganz neue Stimmungsfarben integriert wurden. David beschreibt diese als „tiefere Flächen“. Gemeint sind damit Pads, also von Streichern inspirierte Synthesizer, die für einen atmosphärischen, dichten Sound sorgen. Diese tragenden Klänge sind ein Grund, warum Cinema Nova nur beim ersten Hinhören nach klassischem Indie klingt. An Funk erinnernde Bass Grooves wechseln sich mit tragenden Gitarrensounds ab. Auch wenn sich die Band seit ihrer Gründung als Indie-Band versteht, vermischen sie spielerisch Elemente anderer Genres zu einem eigenen Sound. „Ich glaube wir versuchen nicht zwangsläufig verschiedene Genres abzudecken. Wir mögen einfach verschiedene Stilrichtungen und Songs und finden, dass es gut zusammenpasst“, sagt David. Ein Vorbild der Band, die Foals, arbeiten mit ähnlichen Genreverschiebungen.

Das hat Jonas dazu inspiriert, durch diese verschiedenen Stimmungen innerhalb eines Albums eine gewisse Dramaturgie zu erzeugen. „Mit Voyage startet das Album etwas sphärisch, psychedelisch, als ob man auf die Reise losgeschickt wird. Dann kommt man mit Tracks wie Shake Ya Legs auf der Erde an, um dann hinten raus mit Clouds wieder auf die Reise losgeschickt zu werden, beziehungsweise anzukommen, je nachdem, wie man es sehen mag.“ Aufbruch, Ankunft und Ziellosigkeit sind zentrale Themen des Albums. Auch wenn es sich bei „Into the Blue“ nicht um ein Konzeptalbum handelt, ziehen sich diese eher junge Menschen betreffenden Themen durch viele Songs. Dass das Album mehr zufällig als bewusst ein Konzept hat, fällt Jonas erst nach der Veröffentlichung auf: „Dadurch, dass uns das Album so eine lange Zeit begleitet hat, ist es, wenn auch nicht bewusst, zu einem Coming of Age Album geworden. Wir sind mit den Songs aufgewachsen und auch irgendwie erwachsen geworden. Das war nie ein Konzept des Albums, sondern ist von selbst so passiert.“ Die Coming of Age Elemente des Albums werden in den Texten nicht als solche benannt. Vielmehr schwingen sie dezent mit. Die Texte bleiben abstrakt und lassen eigene Assoziationen zu. „Die Interpretation meiner Texte, also wie ich sie verstehe, ist etwas, was mir eigentlich so ein bisschen gehört“, sagt Jonas dazu. „Ich versuche grundsätzlich, den Bildern, die ich mit den Texten male, nicht zu viel Konkretes vorzugeben. Jede:r sieht da etwas anderes drin und das finde ich schön.“

Wenn ihr Fans von Texten seid, die Stimmungen transportieren und Raum für eigene Assoziationen lassen und Interesse daran habt, wie sich dreamy Synthesizer Sounds mit rockigen Gitarren zu Indie-Pop vermischen lassen, dann findet ihr „Into the Blue“ bei einem Streaming- Anbieter eurer Wahl. Wer sich Cinema Nova live anschauen möchte, kann das am 24. November im Schick und Schön oder ihr verkürzt euch die Wartezeit mit einer ihrer Studio Live Sessions auf YouTube.

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