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Gesellschaft

Gemeinsam gegen die Einsamkeit

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Das Gefühl, alleine zu sein, kennt jeder und jede. Doch darüber, wie es ist, wirklich einsam zu sein, wird nicht gerne gesprochen. Besonders nicht an Weihnachten. Die Initiative „KeinerBleibtAllein“ vermittelt Kontakte zwischen Menschen, um Weihnachten und Silvester nicht alleine zu verbringen.

von Franziska Bold

2016 verbrachte ich Weihnachten selbst alleine“, berichtet Christian Fein, Initiator des Projektes „KeinerBleibtAllein“. Um der erdrückenden Stille etwas entgegenzusetzen, startete er auf Twitter den Hashtag #keinertwittertallein. Darauf hätten viele Menschen reagiert. Auf einmal sei das Bewusstsein da gewesen, dass Einsamkeit an Weihnachten stattfindet. Und das eben nicht nur in Einzelfällen. Im Jahr 2017 startete Christian Fein die Vermittlung probeweise über Twitter. Zwischen 300 Leuten aus dem deutschsprachigen Raum konnte in diesem ersten Anlauf so der Kontakt hergestellt werden. Nach und nach sei das Ganze dann professioneller geworden. „Die Evangelische Kirche Deutschland ist auch eingestiegen und hat mitgeholfen, das Logo des Projekts zu entwerfen“, so Fein. 2019 war mit rund 65.000 Teilnehmern das bislang erfolgreichste Jahr von „KeinerBleibtAllein“. Speziell im Mainzer Raum habe es in den vergangenen Jahren 75 Vermittlungen gegeben. In diesem Jahr ist Christian Fein optimistisch, dass wieder ähnliche Zahlen wie 2019 erreicht werden können.

Bereits im August erreichen das Team erste Anfragen. Anfang November gebe es dann ein erstes „Kickoff“, im Zuge dessen Besonderheiten oder Neuerungen der Kampagne vorgestellt werden. In diesem Jahr ist das angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten der Social Fund, durch den armutsbetroffene Gastgeber unterstützt werden können. Die Unterstützung kann auf Anfrage versendet werden, wenn Gast und Gastgeber das Treffen bestätigt haben.

So kann man mitmachen

Die Kontaktvermittlung läuft ausschließlich über Instagram, Facebook, Twitter und jüngst auch Mastodon. Eine Nachricht über eine der Plattformen an „KeinerBleibtAllein“, in der man angibt, ob man Gesellschaft sucht oder als Gastgeber anbieten will, genügt. Außerdem nennt man die Stadt oder Region, in der man sich treffen möchte. Die eigentliche Vermittlung beginnt Ende November. Das mittlerweile achtköpfige Team von „KeinerBleibtAllein“ kümmert sich ab dann um die Vorstellung passender Profile. „Im letzten Schritt liegt die Verantwortung bei den Betroffenen, die untereinander klären müssen, was ihnen wichtig ist und wie sie sich das Treffen vorstellen“, erklärt Fein. Das Ziel der Kontaktvermittlung liegt maßgeblich im Durchbrechen von gesellschaftlicher Isolation und der Erfahrung von Mitmenschlichkeit. Intentionen wie bei einer Dating-Plattform zu haben ist demnach unangebracht. Durch das Projekt seien schon einige langjährige Kontakte entstanden. „Natürlich gibt es auch Kontaktvermittlungen, bei denen sich die Leute nach der Verlinkung der Profile nicht treffen möchten oder im Nachhinein sagen, dass es überhaupt nicht gepasst hat“, erzählt Fein. Trotzdem löse das Suchen nach Kontakten in vielen den bewussten Entschluss aus, mit mehr Zuversicht und Selbstbewusstsein auf andere Menschen zuzugehen. Die Tatsache, dass es ungefähr achtmal so viele Gastgeber wie Gesellschaftsuchende gebe zeige, dass das Klima in der Gesellschaft doch offener sei, als bisweilen behauptet.

Über Einsamkeit zu sprechen, sich bewusst zu werden, dass es sich dabei nicht um ein Randthema handelt und erst recht kein Grund zum Schämen ist, tut gut. „KeinerBleibtAllein“ hilft dabei, über seinen eigenen Schatten zu springen und offen mit dem Thema umzugehen.

Foto: Lisa Fotios


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Web: keinerbleibtallein.net

Instagram, Facebook und Twitter unter #KeinerBleibtAllein

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