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So wird Döner noch schöner

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Der schwarze, Bio-Erdgas-betriebene Foodtruck aus Klein-Winternheim erhält eine Auszeichnung für Nachhaltigkeit und geht damit als kulinarische Sensation in die deutsche Gastronomiegeschichte ein.

von Hannah Maertin

Klein-Kebabheim“ zieht regelmäßig das Interesse der regionalen und überregionalen Medien auf sich. Sogar im 1LIVE-Podcast des WDR war Inhaber Murat Boztepe schon zu Gast. Das Alleinstellungsmerkmal seines Startups: qualitativ hochwertige Kebab-Kreationen aus regionalen Bio-Zutaten, die über kürzeste Wege transportiert und in nachhaltiger Verpackung serviert werden.

Dieses Maß an Verantwortungsbewusstsein überzeugte nicht nur die Jury des Landesförderwettbewerbs 2021, die Klein-Kebabheim als Gewinner kürte und mit insgesamt 75.000 Euro bezuschusste, sondern auch den Berliner Verein „Deutsches Institut für Qualitätsstandards und -prüfung“ (DIQP), der Boztepes Projekt im Oktober 2022 für Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit zertifizierte.

Die strengen Kontrollen des Instituts durchleuchteten die Arbeitsprozesse des Foodtrucks bis ins letzte Detail; sogar die Menge des Restund Plastikmülls war ein relevantes Kriterium.

Not macht erfinderisch

Die Idee, nachhaltige Kebabs zu verkaufen, entstand aus einer Notlage heraus, in der sich Murat Boztepe selbst befand. Als Ingenieur für die großen Konzerne der Lebensmittelindustrie sah er sich tagtäglich mit den schmutzigen Tricks konfrontiert, mit denen unsere Nahrung profitsteigernd modifiziert wird: Künstliche, noch nicht hinreichend erforschte Zusatzstoffe, Fleisch aus Massentierhaltung, Pestizide, Tonnen an Plastikmüll und Transportwege, die quer über den gesamten Globus reichen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Mit den Jahren sammelte Boztepe ein solches Insiderwissen an, dass es ihm den Appetit verdarb und er nur noch frische Lebensmittel zu sich nehmen konnte. Selbst der Besuch im Restaurant kam nicht mehr infrage.

„Wie kann es sein, dass unsere Ernährung – die Grundlage unseres Lebens – eine der größten Ursachen für die Ausbeutung und die Massakrierung desselben ist?“ Über diese Frage beinahe verzweifelnd, fasste der Ingenieur den Entschluss, einen ethischen Gegenentwurf zur industriellen Lebensmittelherstellung ins Leben zu rufen: ein Projekt, das Nachhaltigkeit, Regionalität und gesunden Genuss mit sozialem Engagement vereint.

Street-Food mit humanistischem Auftrag

„Die Frage ist doch, was jeder von uns für die Gesellschaft und die Natur tun kann“, meint der Foodtruck-Inhaber zuversichtlich. „Wir essen drei- bis viermal am Tag. Und jedes Mal haben wir die Möglichkeit, uns für natürliche, regionale Lebensmittel zu entscheiden, anstatt zu Industrieware zu greifen.“

Boztepes Engagement gilt vor allem der Gesellschaft. Mit einem Benefizlauf, Kebab-Verkaufs- Challenges für Bürgermeister, der kostenlosen Versorgung von Menschen ohne Obdach sowie mit der Einstellung zweier Frauen, die ihm vom Verein „Armut und Gesundheit Mainz“ vermittelt wurden, hat er dies schon unter Beweis gestellt. „Es geht darum, Menschen zusammenzubringen und denjenigen eine Chance zu geben, die nicht so viel Glück hatten wie andere“, erklärt mir der Ingenieur im Interview. Und auch mit seinem Produkt an sich wird die Welt vielleicht schon einen kleinen Bissen besser. Denn wer einmal den „Regio-Kebab“ probiert hat, möchte so schnell kein minderwertigeres Fleisch mehr essen.

Foto: Murat Boztepe


WTF

Hier ist Klein-Kebabheim zu finden:

Montag
Geschlossen

Dienstag
11:00 – 19:00 Uhr
Wochenmarkt in Nieder-Olm
Pariser Straße 101, 55268 Nieder-Olm

Mittwoch
11:00 – 15:00 Uhr
Am Mittwochsmarkt in Ingelheim
Georg-Rückert-Straße 1, 55218 Ingelheim am Rhein

Donnerstag, Freitag & Samstag
11:00 – 18:30 Uhr
Im Gutenberg-Center / Kaufland in Mainz-Bretzenheim
Haifa-Allee 1, 55128 Mainz

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