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Die Frauen der Mainzer Fastnacht

Seit jeher gehören Frauen zur Mainzer Fastnacht: Früher waren sie vor allem im Hintergrund aktiv, durften lange keine offiziellen Mitglieder in den Vereinen sein. Heute stehen sie selbst auf der Bühne und gestalten die Fastnacht sichtbar mit.

von Paula Herrmann

Sitzungspräsident, Büttenredner, Herrenkomitee – der Blick auf die Bühnen der Fastnachtssitzungen zeigt die Männer in der Hauptrolle. Dabei gestalten Frauen die Fastnacht seit vielen Jahren aktiv mit und zeigen, dass sie ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen. Aktiv sind die Frauen der Fastnacht etwa in Damenkomitees, die einige Mainzer Fastnachtsvereine gegründet haben. So auch der Carneval-Club Budenheim 1925 e.V. (CCB). Lea Federlein ist derzeit die erste Sitzungspräsidentin des CCB. Weibliche Vorreiterin zu sein, liege in ihrer Familie: Ihre Großmutter war eine der ersten Frauen im Verein. Von ihr wisse sie, wie sich das Damenkomitee im CCB nach und nach etablierte. Sie berichtet, dass Frauen ihren Partnern schon früh im Hintergrund halfen, jedoch nie offizielle Mitglieder sein durften. Immer stärker wollten die Frauen jedoch aus dem Hintergrund rücken und mitbestimmen dürfen. Lea Federlein erzählt weiter: „Und dann hat es einfach irgendwann in den 70er Jahren den Moment gegeben, dass die Frauen sagten: Wir sind sowieso dabei – wir sind im Hintergrund diejenigen, die die Arbeit schaffen – wir möchten auch da vorne ins Licht, wir möchten Mitglied sein dürfen.“ Dafür musste der Verein zunächst seine Satzung ändern. 1970 startete das Damenkomitee mit dem sogenannten „Kreppelkaffee“ und entwickelte sich drei Jahre später zum „Hausfrauenkongress“, bis der Name sich 1996 in den „Kongress der Frau“ änderte, der auch im Januar diesen Jahres wieder stattfand. Was damals mit dem Wunsch nach Mitsprache begann, prägt heute ganze Generationen von Fastnachterinnen.

Bühne frei
Julia Gehrlein, Sitzungspräsidentin des Damenkomitees des CCB freut sich über diese Entwicklung. Sie beschreibt, wodurch sich die Damensitzungen von den klassischen CCB-Sitzungen unterscheiden: „Frauen unter sich feiern natürlich ganz anders, weil sie einfach sie selbst sein können, aus sich rausgehen. Und da wird nicht irgendwie ein Kostüm belächelt oder über irgendeinen Ausschnitt debattiert im Publikum.“ Für die Sitzungen legt sie besonderen Wert darauf, dass Rassismus, Diskriminierung und Misogynie keinen Platz finden. Gegen Neckereien und Anekdoten hat sie nichts einzuwenden, solange es eine wertschätzende Sitzung für alle bleibt. Sie selbst ist Rednerin und tritt auf Fastnachtssitzungen für Männer und Frauen auf. Fastnacht bedeutet für sie Freiheit, Spaß, Lebensfreude und gegenseitige Unterstützung. Gleichzeitig wünscht sie sich mehr Mut von Frauen, sich auf der Bühne zu beweisen, aber auch mehr Möglichkeiten, neuen Rednerinnen eine Bühne zu geben. In ihren Vorträgen thematisiert sie bewusst das Thema Gleichberechtigung – und stößt damit nicht immer auf Zustimmung. „Es sind dann auch immer so ein paar Szenen, in denen die Frauen besonders jubeln und die Männer sich echt von mir auf den Schlips getreten fühlen. Das hat mich anfangs auch verunsichert. Aber ich dachte nein, ich will diesen Männern um die 80 nicht gefallen und nach dem Mund sprechen, sondern ich mach ja Fastnacht für die Frauen und für Gleichberechtigung. Und wenn die sich von mir auf den Schlips getreten fühlen, dann mach ich ja eigentlich alles ganz richtig“, betont Julia Gehrlein.

Sichtbarkeit und neue Formate
Dass Frauen in der Fastnacht häufig übersehen werden, liegt laut Lea Federlein weniger an mangelnder Beteiligung als an fehlender Sichtbarkeit: „Heute sind Frauen in Vereinen und sind da sehr fleißig dabei, sind aber einfach nicht zu sehen und deshalb haben wir auch heute oft den Eindruck, dass Fastnacht eine sehr männerlastige Angelegenheit ist, aber ist es in der Gesamtsumme eigentlich nicht.“ Die fehlende Sichtbarkeit dürfe jedoch, laut Federlein, nicht mit mangelnder Anerkennung verwechselt werden. Neue Formate greifen die fehlende Sichtbarkeit auf. Der Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) hat in der vergangenen Kampagne mit der GCVrau eine Sitzung etabliert, die komplett von Frauen gestaltet wird und sich dennoch an alle richtet. Organisatorin Franziska Klein erklärt: „Die Idee hinter diesem Format ist, dass auf der Bühne ausschließlich Frauen sind, sei es beim Einmarsch der Gardistinnen, in der Bütt, beim Gesang oder im Ballett. Auch unsere kleine Sitzungsband besteht aus drei Mädels und einer DJane. Und das ganz besondere daran ist, zu sehen, dass sich die Mädels alle gegenseitig supporten.“ Inhaltlich ist die Sitzung ähnlich aufgebaut wie die klassischen Sitzungen, wirkt jedoch moderner – nicht zuletzt durch die Location im alten Postlager und die bewusste Entscheidung für eine Moderatorin statt Komitee und Sitzungspräsidentin. Formate wie dieses zeigen: Die Mainzer Fastnacht befindet sich im Wandel. Frauen sind längst nicht mehr nur ein kleiner Teil des Programms, sondern gestalten es aktiv mit – auf und hinter der Bühne.

Foto: Bärbel Federlein, CCB

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