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Gelebte Solidarität

Das soziale Kaufhaus und Kulturzentrum ZMO in Mainz-Bretzenheim bietet für gesellschaftliche Herausforderungen praktische Lösungsansätze. Vor drei Jahren war die STUZ zu Besuch und hat jetzt nachgefragt: Was hat sich seither verändert?

von Eva Szulkowski

Wer durch die Hallen des ZMO Mainz, kurz für Zusammenarbeit mit Osteuropa, wandelt, bekommt ein Gefühl dafür, wie das Leben in einer nachhaltigen, solidarischen Zukunft aussehen könnte. Von Secondhandläden über den Büchersalon bis hin zu Gemeinschaftsräumen gibt es hier Orte der Teilhabe für alle – Kinder, Studierende, Senior*innen, Menschen jeglicher Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung.

In den Anfangsjahren des 1971 gegründeten Vereins standen Aussiedler aus Osteuropa im Fokus, doch so vielfältig die deutsche Gesellschaft geworden ist, so divers sind heute die Mitarbeitenden und Nutzer:innen der Angebote. Für Migrant:innen und Menschen auf der Flucht leistet das ZMO eine Starthilfe und dient vulnerablen Personen und Gruppen wie Alleinerziehenden oder großen Familien als wichtiger Anlaufpunkt. Dabei geht es nicht nur um Materielles, sondern auch um intellektuelle und soziale Teilhabe.

Unterstützung benötigt
Das Interesse der Bevölkerung wächst stetig, ebenso die organisatorischen Herausforderungen. Lange Zeit funktionierte das ZMO rein ehrenamtlich. „Das war nicht mehr zu schaffen“, sagt Vorstandsvorsitzende Jutta Hager. Daher stellte der Verein vor rund drei Jahren Amadeus Sardon als Geschäftsführer ein. Auch Marina Balzer, die sich für die zentrale Annahmestelle verantwortlich zeichnet, ist nach Jahrzehnten maßgeblicher Mitgestaltung nun fest angestellt.

Vor zwei Jahren erhielt der Verein einen Zuschuss von 50.000 Euro vom Sozialdezernat Mainz, der unter anderem Renovierungsarbeiten im Kleider- und im Porzellanladen ermöglichte. Dieser Zuschuss fällt jetzt weg, was das ZMO vor erhebliche Schwierigkeiten stelle, so die Verantwortlichen. Hager zeigt sich dankbar über die andauernde Rückendeckung seitens der Politik, nimmt aber über die aktuelle Situation auch kein Blatt vor den Mund: „Wir brauchen unbedingt von irgendeiner Ecke Unterstützung.“

Nachhaltigkeit kostet
Das Integrations- und Nachhaltigkeitsprojekt dient nicht nur Hilfsbedürftigen, sondern der Mehrheitsgesellschaft, die Kleidung, Elektrogeräte oder Spielzeug bewusst hierher spenden, um ihren Nutzen zu erhalten und anderen Freude zu bereiten. „Das kann man gar nicht genug loben“, findet Hager. Alle Bereiche hängen zusammen: Der Verkauf der Waren macht es dem Verein möglich, ein reiches Kulturprogramm zu bieten, ist zugleich aber mit hohem Aufwand und Kosten verbunden. „Ende 2024 gab es einen Einbruch auf dem Markt für Alttextilien“, erklärt Sardon. Während man zuvor von Abfallbetrieben Geld für die Entsorgung erhielt, muss man jetzt dafür bezahlen. Die Neuregelung kam „von heut auf morgen, wie der Blitz“, findet Vera, die gerade dabei ist, Kleidung zu sortieren. Natürlich freue man sich über jede Spende, sagt Hager – „sonst könnten wir den Laden dicht machen“. Indem man darauf achtet, nur gut erhaltene Kleidung und, wenn möglich, saisonale Ware zu spenden, kann man helfen, das Team zu entlasten.

Wer hier mitarbeite, tue das aus altruistischer Überzeugung, sagt Hager: „Um die Welt ein Stückchen besser zu machen.“ Besonders freue es sie, wenn Menschen, die gerade erst in Deutschland angekommen sind, sich engagieren. Mitmachen kann man überall, ob in der zentralen Annahme oder bei Veranstaltungen – derzeit findet etwa das große Juli-Festival statt. Auch bei den neuen Treffs im frisch hergerichteten Raum „HB8“, wo auch die Künstlergruppe „Lebenskunst“ und die Initiative „Nachbarn füreinander“ ein Zuhause gefunden haben, kann das Team Hilfe gebrauchen. Zusammenkommen können hier alle, die Gemeinschaft suchen, unabhängig von Sprachkenntnissen.

Humanistisches Kaleidoskop
Mit seinem integrativen Ansatz will der Verein alle ansprechen und als Kaleidoskop die ganze Gesellschaft abbilden, so Hager: „Unser Team ist so divers zusammengesetzt wie das ganze Angebot.“ Kein Wunder, dass es da auch mal zu Konflikten kommt, die gemeinsam gelöst werden müssen. Ganz nebenbei verhandelt das ZMO fernab bloßer Theorie eine der wichtigsten gesellschaftlichen Fragen: Wie kann man Diversität und humanistische Grundwerte leben und trotz aller Unterschiede friedlich koexistieren? Das ZMO sei „eine gewachsene Sache“, beobachtet Sardon: „Wie eine Pflanze – etwas Lebendiges.“ Bleibt zu hoffen, dass Politik und Gesellschaft diesem alteingesessenen und zugleich innovativen Projekt auch in Zukunft einen Nährboden bieten, damit es weiter wachsen und gedeihen kann.

WTF
ZMO Mainz
Karl-Zörgiebel-Straße 2, 55128 Mainz
Treff: freitags von 16–19 Uhr und
samstags von 11–14 Uhr
Infos unter: zmo-mainz.de

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