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Kultur

Ein Wort über Sexismus

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Es war einmal eine Kolumnistin, die regelmäßig Artikel über Liebe, Beziehung zwischen Weiblein und Männlein veröffentlichte und ab und an dafür Vorwürfe kassierte, dass sie doch nicht emanzipiert und sexistisch schreibe … ach Moment mal, das war ja ich!

Von Verena Hein

Meine lieben Moralapostel und Kritiker, um ganz ehrlich zu sein, habe ich die Resonanz auf meine Artikel oft nicht wirklich verfolgt. Bis einige meiner Beiträge doch für mächtig Gesprächsstoff sorgten, vor allem online. Positiv wie auch negativ. Nun ja, dass meine Artikel nicht immer ohne und durchaus mit einem Augenzwinkern zu sehen sind, weiß ich selbstverständlich selbst. Nichts desto trotz war mir das Thema rund um Sexismus zu wichtig, um das Ganze nicht mal aufzugreifen. So here we go.

So manch einer fragt sich vielleicht wie ich das böse Wort mit dem großen „S“ definieren würde. Fakt ist: Ich kann es nicht. Nicht weil ich zu dumm dafür wäre, sondern einfach, weil ich finde, dass kaum eine Beschreibung dem ganzen nicht gerecht wird.
Sexismus ist für mich nicht irgendeine Art Diskriminierung. Sexismus ist für mich viel mehr ein Gefühl, ein Alltagserlebnis, das doch immer noch zu oft tabuisiert wird. Sexismus ist für mich, wenn mir aufgrund dessen, dass ich eine Frau bin, Vorschriften gemacht werden. Wenn mir weniger zugetraut wird, weil ich doch nur eine Frau bin. Wenn mir unterstellt wird, dass, wenn ich mir ein Kleid anziehe, das nur mache, um bei Männern Aufmerksamkeit zu erregen. Oder gar mir Vorteile verschaffen wolle. Wenn mir, nur weil ich mal auffälligen Lippenstift trage, hinterhergepfiffen wird, ohne dass ich auch nur irgendetwas damit anfangen kann.

Sexismus ist für mich hingegen NICHT, wenn mir ein Mann seinen Platz in der Bahn anbietet. Das nenne ich Aufmerksamkeit und Charme. Oder wenn mein Freund die Einkäufe für mich hochträgt, weil er einfach stärker ist. Oder er mir Blumen schenkt, weil er weiß, wie sehr er mir damit eine Freude bereitet. Das nenn ich Liebe und aufeinander achten. Ebenso wenig ist es sexistisch für mich, wenn ich einfach Frau sein will und mich auch so benehmen möchte. Ohne mir anhören zu müssen, ich sei nicht emanzipiert und würde irgendein Klischee erfüllen.

Auch das mit der Emanzipation ist so eine Sache. Wir möchten alle Gleichberechtigung, da müssen wir uns nichts vormachen. Aber face the facts, es gibt genug Baustellen, an denen das noch so gar nicht funktioniert. Meiner Meinung nach geht es dabei aber um Folgendes: Es interessiert mich nicht, ob auf meinem Brief nun Kunde oder Kundin steht oder ich der Gruppe Studenten oder StudentInnen angehöre. Was mich viel mehr interessiert sind gleiche Jobchancen, gleiches Gehalt, dass auch einer Frau mindestens genauso viel wie einem Mann zugetraut wird. Dass wir nicht alleine dastehen, wenn wir Mutter werden und wir in die Hausfrauen-Mutti-Rolle gedrängt werden, ohne dass wir das vielleicht wollen.

Natürlich gibt es Klischees, in denen Frauen und auch Männer oft genug hineingezwängt werden. Vieles davon ist der letzte Bullshit, das möchte ich gar nicht bezweifeln. Dennoch nun zurück zu meinen liebsten Moralaposteln und Kritikern: Ich bin der festen Überzeugung, ohne hier jetzt irgendjemandem nahetreten zu wollen, dass man sich erstens als Mann eher schwer in eine solche Situation hineinversetzen kann und zweitens, ja, man muss Sexismus auch erstmal erlebt haben. Alles als Sexismus zu beschimpfen, was letztendlich gar keiner ist, macht die Sache nicht besser, eher sogar schlimmer. Denn dann frage ich mich, was ist dann nicht mehr sexistisch? Wenn ich als Frau sage, ich möchte von meinem Mann beschützt werden, bin ich dann schon wieder sexistisch (im Prinzip ja zu mir selbst)?

Nun gut Leute, lange Rede kurzer Sinn: Ich denke Klischees gehören zu unserem Alltag dazu und Sexismus leider auch. Heißt nicht, dass wir ihn dulden müssen, aber heißt, wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzten. Und auch dazu tragen die Klischees bei. Einerseits um sie zu widerlegen und andererseits um sie zu akzeptieren. Was absolut nicht schlecht sein muss. Denn seien wir mal ehrlich, jedes Klischee, das auch heute noch bedient wird, kommt nicht von irgendwo. Was wir damit schlussendlich anfangen, ist doch die eigentliche Frage. Und wenn es dann Tage und Texte gibt, die das ganze Thema doch mal mit etwas Humor nehmen, sollte man sich eher drüber amüsieren, statt die Moralkeule zu schwingen. Und das beste zum Schluss: Eure regen Diskussionen zeigen uns, dass es da genug Gesprächsbedarf gibt und das freut mich doch umso mehr.

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