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Kultur

Kultstätte Kontext

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Das Wiesbadener Kreativzentrum für urbane Kultur mit Proberäumen, Club, Bistro und Graffiti Store ist ganz nebenbei noch Magnet für Rap-Größen und die weltbesten Sprayer.

von Nadine Tannreuther

Nicht weit vom Wiesbadener Hauptbahnhof gelegen, einen Katzensprung vom Schlachthof entfernt und genau neben dem Real-Supermarkt, befindet sich eine bunte Location mit Garten, Keller und Bistro – ein Teil urbaner Kultur für jede Generation in Hessens Landeshauptstadt. Manuel Gerullis – Gründer des Kontext – wurde 2009 über einen Bekannten auf das Objekt in der Welfenstraße 1b hingewiesen. Für sein „Konzept für ein Zentrum urbaner Kulturen“ erhielt er von der Stadt Wiesbaden den Zuschlag, gründete den Verein Kontext e.V. 2010 und die Geschichte des kreativen Raums nahm ihren Lauf. Heute verfügt das Kulturzentrum über 25 Proberäume, die allesamt seit Jahren vermietet sind. Hinzu kommen ein kleiner aber feiner grüner Hinterhof mit legalen Sprühflächen sowie ein Party-Keller, der für private Parties gemietet werden kann.

Freiraum für kreative Taten

„Das besondere am Kontext ist der Kontext der Entstehung: geboren aus den Graffiti-Meetings in Wiesbaden, sowie genährt von der Hip-Hop-Kultur haben wir in den Jahren seit 2010 zahlreiche deutsche und US-Rap-Acts präsentiert“, berichtet Manuel. Dazu zählen unter Anderem Creutzfeld & Jakob, Mach One, Damien Davis, Karate Andi, Westberlin Maskulin oder Dead Prez, KRS1, Afrika Bambaataa, Smiff-n-Wessun, Buckshot und die Jungle Brothers. Highlight ist im Mai der Besuch einer der Gründerväter der Rap-Musik – die lebende Legende Kurtis Blow.

Natürlich ist der Club geprägt von seiner Historie und dementsprechend mit zahlreichen Graffiti innen und außen verziert. „Neben einer legalen Sprühfläche im Hof, bieten wir von Dienstag bis Freitag Sprühdosen und Supplies für Künstler sowie leckeres, gesundes Essen aus Eritrea an“, lädt Manuel ein. Auch Workshops, Ausstellungen, Musikkurse, Seminare und Vorträge finden hier statt. Das Kontext ist ein Biotop der Kulturen. „Selbstverständlich haben auch andere urbane Kulturen Raum im Kontext und so bieten wir neben einer allmonatlichen Open Stage auch verschiedenen Genres der Techno-Kultur Raum und wurden beim Toxic-Family-Voting unter die zehn besten Techno-Clubs in Rhein-Main gewählt.“

Meeting of Styles

Ein ganz besonderes Highlight findet im Frühsommer statt: Meeting of Styles. Dann kommt ein Mal im Jahr die Sprayerszene zum größten Graffiti-Festival der Welt in Wiesbaden zusammen. Mehrere Tage wird dabei im Kontext gefeiert und am Brückenkopf in Mainz-Kastel auf rund 4.000 Quadratmetern gesprüht, gerappt, gegrillt, geskatet und Breakdance getanzt. Zum Meeting of Styles kommen rund 130 Künstler aus verschiedenen Kontinenten zusammen, darunter die besten und talentiertesten Graffitikünstler wie beispielsweise Cornbread. Zu wechselnden Themen wird Unterführungen und Wänden für das jeweils kommende Jahr ein neuer Anstrich verliehen. Im vergangenen Jahr stand das Festival unter dem Motto „Between the Lines“ und erhielt 2017 mit „The Age of Abundance“ den Kulturpreis der Stadt Wiesbaden.

Die Begeisterung teilen die Gäste des Kontext und vergeben auf Google 4,2 von fünf möglichen Sternen. „Sehr gute Veranstaltungen, humane Preise und super Atmosphäre. Wer gerne mal feiern möchte findet hier eigentlich immer eine passende Veranstaltung“, beschreibt Michel Krebs. Auch Sascha Lupo fühlt sich wohl: „Auch wenn man von außen kaum sieht, dass man hier etwas zu essen kaufen kann, ist das Bistro an sich recht gemütlich. Es hat natürlich dieses alternative Flair, das an das Kulturzentrum Schlachthof erinnert. Außerdem gibt es freies WLAN (Freifunk).“ Kurz und knackig äußert sich auch Ralf Herlert mit „Kleiner aber cooler Club.“

Das Kontext lebt und feiert den Freiraum zum kreativen Tätigsein mit dem positiven Effekt, besonders die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen in der Freizeit zu fördern. Dazu zählen Fähigkeiten wie Teamwork, Kompromissbereitschaft, Kommunikation und Integration. „In Workshops und Projekten wollen wir junge Menschen ermuntern, eigene Vorstellungen und Ideen zu entwickeln, sich zu engagieren und den Mut zur Umsetzung ihres kreativen Potentials zu entwickeln“, sagt Manuel.

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