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Radparade

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In der Juni-Ausgabe der STUZ hatten wir unter dem ironischen Titel „Stoppt das Radeln in Wiesbaden“ einige Resonanz erzeugt. Ausgangspunkt der Überlegung war, dass statt der gefährlichen und offensichtlich vom Großteil der Radler nicht genutzten Umweltspur der „Mittelpfad“ von 1. Ring und Rheinstraße so umgebaut wird, dass er schnell und sicher von Radlern genutzt werden kann und Radparkplätze bietet. Im Vorfeld baten wir das Wiesbadener Verkehrsdezernat zum Thema Radwege und die ESWE zum Thema Radmietsystem um Stellungnahmen. Aufgrund von fehlendem Platz in der letzten Ausgabe reichen wir wesentliche Auszüge der Befragung hier nach.

Für das Dezernat für Umwelt, Grünflächen und Verkehr beantwortete David Bartelt unsere Fragen

Welche Verkehrswege, insbesondere Radwege sind innerhalb der kommenden vier Jahre in Wiesbaden geplant?

Derzeit arbeitet das Verkehrsdezernat der Landeshauptstadt Wiesbaden an der Fertigstellung des Rad-Grundnetzes 2020, mehr Informationen zu den einzelnen Radverbindungen sowie eine Karte sind der Webseite des städtischen Radbüros zu entnehmen: https://www1.wiesbaden.de/microsites/radbuero/radinfrastruktur/grundnetz-2020.php. Die nächsten Realisierungen werden die Radverbindungen in der Emser Straße (Westend/Nordost), der Saarstraße (Schierstein) und der Biebricher Straße (Amöneburg und Kastel) sein. Zudem ist eine Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg zwischen Wiesbaden und Mainz in Arbeit; dieser soll vom Wiesbadener Hauptbahnhof durch das Salzbachtal über Amöneburg bis zur Kaiserbrücke – für die zusätzliche Fahrradspindeln angedacht sind – verlaufen und ca. 10 km lang sein. Eine solche direkte und weitestgehend steigungsarme Verbindung nach Mainz könnte laut Prognosen des Landes Hessen von 3.000 Radfahrenden täglich genutzt werden.

Ist bzw. wird die Umweltspur eine dauerhafte Einrichtung oder soll diese ggf. durch andere Verkehrswegekonzepte ersetzt werden? Wenn ja, welche?

Die Einrichtung der Umweltspur auf dem ersten Ring ist sowohl im Sofortpaket zur Luftreinhaltung als auch im Luftreinhalteplan für die Stadt Wiesbaden vorgesehen; die Umsetzung dieser Maßnahme ist bereits im Gange. Die Umweltspur ist dauerhaft geplant.

Welche Mittel stehen für Radwege zur Verfügung für 2019-22 (Stadt: Land: Bund:)?

Die jährlichen Ausgaben der Stadt Wiesbaden belaufen sich derzeit (2019) auf 10 Euro pro Einwohner und Jahr, d.h. 2,9 Mio. Euro (ohne das Fahrradverleihsystem meinRad). Bis 2017 wurden jährlich 300.000 Euro aufgewendet; im „Übergangsjahr“ 2018 betrugen die jährlichen Ausgaben 2 Mio. Euro. Die Ausgaben für den Radverkehr wurden demnach innerhalb von zwei Jahren verzehnfacht. Das Radverkehrsbudget für die nächsten beiden Jahre muss in den Haushaltsverhandlungen festgelegt werden. Wir werben beim Stadtparlament dafür, dass das Radverkehrsbudget in den kommenden Jahren auf dem derzeitigen Niveau bleibt. Darüber hinaus können für Baumaßnahmen Fördergelder beantragt werden.

Wo, in welchen städtisch organisierten Einrichtungen und Institutionen haben Bürger Vorschlags- und Mitspracherechte?

Bürgerinnen und Bürger haben grundsätzlich die Möglichkeit, sich jederzeit mit Radverkehrsbelangen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Radbüros zu wenden. Außerdem wird das mehrmals im Jahr stattfindende Radverkehrsforum einmal pro Jahr interessierten Bürgerinnen und Bürgern geöffnet.

Welche freien Einrichtungen (Vereine, Interessengruppen…) beteiligen sich an Ideengebung etc.?

Am mehrmals im Jahr stattfindenden Radverkehrsforum sind folgende Institutionen eingeladen: ADFC, VCD, ACE, Stadtelternbeirat, Polizei (Westhessen und kommunal), Straßenverkehrsamt / -behörde, Sport-, Umwelt-, Grünflächenamt, Frauenbeauftragte, verkehrspolitische Sprecher der Fraktionen im Stadtparlament, Seniorenbeirat, Jugendparlament, Interessengem. Behinderte, IVM, IHK, Handwerkskammer, hess. Verkehrsministerium, Einzelhandel, Hochschule Rhein-Main, AStA, Deutsche Bahn, Wiesbaden Marketing, Sportkreis, Radfahrerverband, Hessen Mobil, Taxi-Branche, Scholz & Volkmer, ESWE Verkehr, ESWE MeinRad, Nextbike, Bündnis Verkehrswende.

Welche Hindernisse (gesetzliche Bestimmungen, Interessenskollisionen, bauliche Gründe etc.) stören eine pragmatische Planung?

Der Verkehrsraum ist insbesondere in einer Großstadt knapp und die Frage, wie dieser zugunsten der verschiedenen Verkehrsarten – Fuß, Rad, Auto, ruhender Verkehr, bald auch Elektrokleinstfahrzeuge – aufgeteilt wird, führt verständlicherweise zu Interessenskollisionen. Darüber sind die personellen Ressourcen, was die Radverkehrsplanung betrifft, begrenzt.

Infoseite der Stadt Wiesbaden: www.wiesbaden.de/radbuero.

 

Für die ESWE Verkehrsgesellschaft mbH antwortete Micha Spannaus von der Pressestelle unsere Fragen

Wie viele Ausleihen haben Sie, bezogen auf den gesamten Zeitraum seit Betriebsaufnahme?

Seit der Einführung von „ESWE Verkehr meinRad“ in Wiesbaden am 13. Juli 2018 konnten wir insgesamt über 42.000 Ausleihen verzeichnen. Die Spitzentage sind freitags und samstags. Natürlich sind die täglichen Nutzungszahlen abhängig von Jahreszeit und tagesaktuellem Wetter.

Ist ein Wachstum der Nutzerzahlen zu erkennen?

Der Trend geht spürbar nach oben. In den Wintermonaten wurde erwartungsgemäß weniger geradelt. Dafür steigen die Nutzerzahlen jetzt umso mehr.

Ist Vandalismus ein Thema?

Vandalismus ist immer überall dort ein Thema, wo Objekte öffentlich zugänglich sind. Wir haben jedoch bislang sehr positive Erfahrungen gemacht. So wurden seit der Einführung des Systems im Sommer 2018 erst vier Fahrräder so mutwillig zerstört, dass man sie als Totalschaden bezeichnen muss.

Wie viele Räder und Stationen sind gegenwärtig in Betrieb, wie viele in näherer Zukunft geplant?

Das „meinRad“-Netz von ESWE Verkehr umfasst im Wiesbadener Stadtgebiet nach dem neuerlichen Ausbau im April 2019 insgesamt 86 Stationen. Zuletzt sind vor allem Standorte in den äußeren Wiesbadener Stadtteilen hinzugekommen, die bislang nicht an das „meinRad“-Netz von ESWE Verkehr angeschlossen waren. Aktuell sind insgesamt 500 Räder in der Vermietung. Im Laufe des Jahres 2019 soll sich Anzahl an Stationen noch auf 90 erhöhen.

Kommen Lastenräder hinzu?

Hier prüfen wir derzeit die Umsetzbarkeit eines Pilotprojektes. Genaue Informationen liegen dazu aber noch nicht vor.

Wird es E-Bikes geben? Welche Verkehrsträger sind in Planung?

Die Integration von Pedelecs in das bestehende Fahrradvermietsystem ist als Teil der nächsten Ausbaustufe vorgesehen. Ein konkreter Zeithorizont steht dafür gegenwärtig jedoch noch nicht fest.

Warum wird MeinRad nicht oder nicht wahrnehmbar öffentlich beworben?

Wir sind davon überzeugt, dass unser Fahrradvermietsystem in der Landeshauptstadt deutlich wahrgenommen wird. Dafür sorgen schon die orangen Fahrräder, die auffällig und gut sichtbar im Stadtbild präsent sind. Die zum Systemstart erfolgreich ausgerollte Marketing-Kampagne hat zu einem raschen Anstieg der Nutzeranmeldungen geführt. Außerdem zeigen wir Präsenz bei Veranstaltungen in der Stadt oder in den Sozialen Medien.

Warum gibt es mit Nextbike weiterhin einen zweiten Anbieter in der Stadt?

Auf dem Wiesbadener Stadtgebiet gibt es genau genommen sogar vier eigenständige Anbieter eines Fahrradvermietsystems. Unser Anspruch war es nicht, andere Anbieter zu vertreiben, sondern ein System zu entwickeln, das funktioniert und ein sinnvolles Mobilitätsangebot für unsere Kunden darstellt. Mit Anzahl der Stationen und Anzahl der Fahrräder liegen wir deutlich über den anderen Anbietern in der Stadt. Wir haben in Wiesbaden eine funktionierende Infrastruktur rund ums „meinRad“ aufgebaut, die sukzessive erweitert bzw. optimiert wird. Die steigende Anzahl an Vermietungen bestätigt uns darin, dass wir mit „ESWE Verkehr meinRad“ vieles richtig gemacht haben.

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Ihr wollt was sagen? Habt Vorschläge zur Verbesserung oder habt Kritik zu Radwegen in Mainz, Wiesbaden und der Region? Wir bleiben am Thema und hoffen auf eure Ideen unter radeln@stuz.de

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