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Du hast den schönsten Bobbes

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Aus dem Schatten des Doms, hinaus nach Würzburg! #mainzgefühl, das Gefühl der Mainzer Lebensart in andere Städte tragen, das ist das Ziel der Mainzegefühl-Stadtpromotiontouren. Unser Autor war bei einer dabei.

von Martin Schwarz

Als zugezogener Schwabe, der mittlerweile seit drei Jahren tagtäglich in den Genuss des Mainzgefühls kommt, wollte ich natürlich erfahren, wie Mainzer Slang, Weck, Worscht, Woi um halb zwölf in anderen deutschen Städten aufgenommen werden, also habe ich kurzerhand an der Mainzgefühltour nach Würzburg teilgenommen.

 

Bewaffnet mit T-Shirts und Jutebeuteln

Um kurz vor acht traf ich mich am Mainzer Hauptbahnhof mit ungefähr dreißig anderen Mainzgefühl-ern und einem Schwellkopf. Ich blickte in die Runde und fragte mich, wie es möglich sein kann so viele Menschen mit so einer Idee zu begeistern. Aber gut, ich wollte nicht vorschnell urteilen und erst mal den weiteren Verlauf der Tour auf mich wirken lassen. Während der Busfahrt nach Würzburg klärte sich schnell auf, dass wir uns in prominenter Begleitung befanden. Tobias Christian Mayer, den meisten wohl besser bekannt als Frederick van der Sonne, war mit uns gekommen um das Mainzgefühl nach Würzburg zu bringen, allerdings nicht in der Rolle seiner Kunstfigur, sondern als er selbst zusammen mit Gitarrist Benjamin Kolloch. Als Haarig und Blank präsentierten sie eine Kostprobe ihres Musikkabaretts und ich begann, das Mainzgefühl als einen Mix aus Müdigkeit und Fremdscham bei gewöhnungsbedürftiger Musik wahrzunehmen. Im Gegensatz zu mir schienen sich meine Mitreisenden jedoch sehr zu amüsieren. In Würzburg angekommen, machten wir uns, bewaffnet mit roten Mainzgefühl-T-Shirts und weißen Mainzgefühl-Jutebeuteln, auf dem Weg zum Würzburger Stadtfest. In unseren Jutebeuteln befanden sich Share-Cards und Postkarten mit Sprüchen wie Du hast den schönsten Bobbes, die wir an Passanten verteilen sollten.

Mainzgefühl tanken

Auf dem Würzburger Stadtfest angekommen, nahmen wir als echte Mainzer natürlich sofort die Wein- und Bierstände ein. Der hemmungslose Genuss von Alkohol um elf Uhr morgens erinnerte mich an das Marktfrühstück und sorgte dafür, dass auch ich endlich begann, das echte Mainzgefühl zu spüren. So gestärkt waren wir nun dazu bereit, unsere Stadt auf der TV-Mainfranken Bühne zu vertreten. Auf dieser sollte eine Person aus dem Publikum in einer
Blindverkostung zwischen Mainzer und Würburger Wein unterscheiden, zu gewinnen gab es eine zweitägige All-Inclusive-Reise nach Mainz. Einzige Kandidatin und glückliche Gewinnerin war eine nette ältere Dame aus Würzburg, die sich über ihren Gewinn beinahe zu Tränen freute – oder wurde hier das Würzburggefühl zum Ausdruck gebracht?

 

Unser Bühnenauftritt war vorbei und wir wurden gebeten die Bühne zu verlassen.Dieser Bitte wollten wir auch nachkommen, aber nicht ohne noch einmal das musikalische und lyrische Talent der Mainzer unter Beweis gestellt zu haben. In schiefen Tönen schmetterten wir aus voller Kehle: Ein Hoch auf Mainz, in dem wir leben! Ein Hoch auf Mainz, das Mainzgefühl! Diese Lyrics, für die uns wahrscheinlich sogar Andreas Bourani ausgelacht hätte, lassen sich nicht einmal auf unseren Alkoholpegel schieben, da sie bereits im Bus erdacht wurden. Bis zur nächsten gemeinsamen Aktion unserer Truppe hatten wir knapp zwei Stunden Leerlauf, die ich mit flüssigem Mainzgefühl tanken sowie Share-Cards verteilen füllte. Unsere nächste Gruppenveranstaltung sollte auf der Alten Mainbrücke stattfinden. Tatsächlich waren auch viele Mainzgefühler sowie der Schwellkopf anwesend, doch nach einer halben Stunde auf der Brücke wussten wir immer noch nicht so genau, zu welchem Zweck wir uns eigentlich auf ihr versammelt hatten. Wieder gab es einen Leerlauf, der mit Alkohol und Share-Cards gefüllt werden musste. Die dritte und letzte Station vor unserer nahenden Heimreise war die Stiftung Juliusspital. Hier überreichte das Orga-Team der Mainzgefühltour dem Weingut der Stiftung Juliusspital eine Flasche des Mainzgefühl-Weins, wofür es im Gegenzug eine Flasche des Juliusspitalweins in der praktischen eineinhalb Liter Bocksbeutelflasche, sowie eine Runde Wein für die Teilnehmer der Mainzgefühltour gab. Erschöpft und betrunken machten wir uns auf den Rückweg zum Bus, in dem es erst mal Weinschorle für alle sowie ein Dankesgeschenk für jeden Teilnehmer der Tour gab. Um was es sich bei diesem Geschenk handelte? Um eine Flasche Wein natürlich.

 

 

WTF: Franziska Schreiber ist heute 28 Jahre alt. In einem links-bürgerlichen Elternhaus aufgewachsen, führte sie ihr politisches Interesse 2013 zur Alternative für Deutschland (AfD). Vier Jahre lang war sie Mitglied. Als junge Frau machte sie schnell Karriere und war unter anderem Pressesprecherin, stellvertretende Vorsitzende und später Vorsitzende der Jungen Alternativen (JA) in Sachsen. Kurz vor der Bundestagswahl 2017 trat sie öffentlich aus der Partei aus. Im August 2018 erschien ihr Buch „Inside AfD – Der Bericht einer Aussteigerin“ im Europa-Verlag und sorgte prompt für viel Aufsehen. Heute betreibt sie in Schulen und bei Lesungen Aufklärungsarbeit gegen rechts. Am Donnerstag, 28. März, kommt sie mit ihrem Buch in den Schlachthof nach Wiesbaden.

 

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