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Eine App für alle Fälle

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Finnland steht nicht nur in Bezug auf Gleichstellung, Bildung und Lebensqualität im internationalen Vergleich weit vorne. Auch in puncto Smart Mobility und Sicherheit im Straßenverkehr lohnt sich ein Blick in Finnlands Hauptstadt Helsinki.

Von Inken Paletta

Wiesbaden zählt nicht gerade zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands. Am Landeshaus kam es durch die neue Umweltspur, die sich derzeit Busse und Radfahrer teilen, in der Vergangenheit immer wieder zu brenzligen Situationen. Seitdem gilt dort ein Rechtsabbiegeverbot für PKW. In Finnlands Hauptstadt Helsinki sind viele Fahrradwege hingegen klar vom übrigen Verkehr abgegrenzt. 2019 kamen in der Hauptstadt erstmals keine Fußgänger und Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben. Können wir vielleicht noch mehr von den Finnen lernen?

Tempolimits und ausgebaute Radwege
Neben dem Ausbau der Radwege senkte die Stadt Helsinki schrittweise die Höchstgeschwindigkeit bereits 1992 im Zentrum auf Tempo 30. Helsinki und seine Nachbarstädte Espoo, Vantaa und Kauniainen besitzen auch ein gut ausgebautes und weitverzweigtes ÖPNV Netz. Herzstück der Nahverkehrs-Strategie ist das „Forum Virium Helsinki“ (forumvirium.fi), eine stadteigenen Task Force, die kontinuierlich an einer Weiterentwicklung und smarten Vernetzung des ÖPNV arbeitet.

Autofrei bis 2025
Helsinki möchte bis 2025 autofrei und bis 2035 CO2 neutral werden. Erreicht werden soll das nicht durch ein Autoverbot in der Innenstadt, sondern durch ein nutzerfreundliches, integriertes Nahverkehrskonzept. Die stellvertretende Bürgermeisterin Anni Sinnemäki, zuständig für die Stadtplanung, äußerte im Herbst 2020 gegenüber dem NDR, dass bereits 80 Prozent der Einwohner Helsinkis den ÖPNV nutzten oder zu Fuß unterwegs seien. Die Mobilitätsstrategie wird im Gegensatz zu Wiesbaden, wo im November der Bürgerentscheid zur Citybahn scheiterte, positiv aufgenommen. Ein Grund ist sicher die finnische Mentalität. In Finnland ist das Auto nicht unbedingt Statussymbol Nummer Eins. Zum anderen setzt Finnlands Hauptstadt stark auf Bürgerbeteiligung und Transparenz. Auf der Webseite Kerrokantasi (kerrokantasi. hel.fi) können sich die Einwohner auf einer digitalen Karte über den aktuellen Stand aller städtischen Projekte informieren und Bewertungen und Kommentare zu geplanten und laufenden Projekten abgeben.

Helsinki als Vorreiter für „Mobility as a Service“
Finnland ist auch das Land der Smart Phones. Das Datenvolumen ist groß, billig und flächendeckend verfügbar. Überall im Stadtgebiet Helsinkis kann man sich in das öffentliche W-Lan einloggen. Beliebt bei Einwohnern ist die App „Whim“ des Startups MaaS Global. Im Oktober 2018 nutzten bereits 60.000 Finnen die nutzerfreundliche Nahverkehrs-App, mit der man sich im Handumdrehen die schnellste Verbindung des gesamten ÖPNV, also Busse und Schienenverkehr aber auch Taxis, Leihräder, E-Scooter, Carsharing, Mietwagen und sogar Fähren anzeigen lassen kann. Bezahlt wird über die App per Kreditkarte. Im Vergleich zu Wiesbaden und Mainz, wo die Nutzung des gesamten ÖPNV derzeit noch nicht über eine einzige App möglich ist, eine echte Innovation. Besonders beliebt sind die Mobility Flatrates. Für rund 60 Euro im Monat kann man den kompletten ÖPNV inklusive Leihrädern im Stadtgebiet von Helsinki nutzen. Zudem erhält man Rabatte auf Taxifahrten, Mietautos und E-Scooter. Studierende zahlen monatlich rund 35 Euro.

Open Data und „Smart City“
Möglich gemacht hat diese Smart Mobility Lösung die Verordnung „Act on Transport Service“ (2018). Sie verpflichtete alle Transportunternehmen dazu, ihre Daten offen zu legen und Programmierschnittstellen anzubieten, über die Drittanbieter wie MaaS Global mit ihrer Whim Zugriff auf Busrouten, Echtzeitdaten und die Verfügbarkeit von Fahrzeugen haben und darüber auch den Kauf von Tickets oder die Buchung von Leihfahrzeugen abwickeln können. Datenschutz nehmen die Finnen sehr ernst, doch sie wachsen auch mit dem Verständnis auf, dass das Prinzip von „Open Data“ sehr nützlich für die Zukunft der Gesellschaft ist. Im Stadtteil Kalasatama entsteht seit ein paar Jahren eine „Smart City“. Bewohner können nicht nur Heizung, Sicherheitsanlagen und die Sauna über ihr Smart Phone steuern, auch der Müll wird mittels Druckluft durch ein unterirdisches Röhrensystem entsorgt und damit besser recycelt. Helsinki fördert digitale Technologien in allen Bereichen, hierzu wird auch das 5G Netz stetig weiter ausgebaut.

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Mehr Infos und Storys über Finnland, das Land der tausend Seen unter: finntastic.de

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