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Gesellschaft

Das Lachen hinter der Maske

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Hast du den Kontrolltermin bei deine:r Zahnärzt:in auch verschoben oder hattest dabei ein mulmiges Gefühl?  STUZ hat der Situation in den Praxen auf den Zahn gefühlt.

von Rodney Fuchs

Während der Pandemie scheuten manche den Gang zum Zahnarzt. Zu groß war die Sorge einer möglichen Infektion, denn Masken kann man während der Behandlung nicht tragen. Das hatte zur Folge, dass die Behandlungen laut der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KZVRLP) im zweiten Quartal 2020 um rund 20 Prozent zurück gegangen sind. Darüber hinaus wurden etliche Vorsorge-Untersuchungen und Zahnreinigungen abgesagt oder verschoben. Neuere Daten liegen bisher nicht vor, doch Dr. Wilfried Woop, Präsident der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, spricht davon, dass sich die Situation in den Praxen wieder normalisiere. Hingegen bezeichnete er die Praxen im April und Mai des Jahres 2020 als nahezu „leer“.

Jetzt zum Zahnarzt, aber sicher!
Hinter diesem Slogan, der vor allem auf sozialen Medien massiv beworben wurde, steckt eine Doppeldeutigkeit. Zum einen sollte auf die Dringlichkeit der zahnärztlichen Kontrolltermine aufmerksam gemacht werden, zum anderen betonte man damit die hohe Sicherheit innerhalb der Praxen. Dieser hohe Hygienestandard besteht bereits seit den 1980er Jahren, als das HI-Virus ausbrach, so Woop. Die Änderungen, die die Coronavirus Pandemie mit sich brachte, waren nicht allzu groß. Das Hände desinfizieren beim Betreten der Praxis, das Tragen einer FFP2 Maske und das eventuelle Ausspülen der Münder mit einer desinfizierenden Lösung haben sich schnell etabliert. Dass diese Konzepte erhalten bleiben, befindet Dr. Woop für sinnvoll, denn die Pandemie und deren Folgen wird uns auch in Zukunft erhalten bleiben.
Auch zwischen den Praxen und Laboren wurden hohe Hygienestandards gewahrt. Auch Zahntechniker:innen haben enorm hohe Hygienemaßnahmen und folgen strengen gesetzlichen Vorschriften, die selbst Boten von zahntechnischen Werkstücken und Abdrücken in ihre lückenlose Hygienekette mit einbeziehen. Neben den erhöhten Hygienemaßnahmen ist es jedoch auch die Hinwendung zur Medizin, die für Woop zum Selbstverständnis gehört und die durch die Pandemie bestärkt wurde. Für den Arzt ist die Zahnheilkunde keine kosmetische Disziplin und der Lifestyle-Aspekt von Maßnahmen wie Zahn-Bleaching wurde durch die Pandemie und das Tragen von Masken unbedeutender, während für viele Zahnärzt:innen der medizinische Aspekt in den Vordergrund rückte.

Wie schlimm ist es, lange nicht zum Zahnarzt zu gehen?
Wie dringend eine zahnmedizinische Behandlung ist, ist abhängig vom jeweiligen Befund. „Ein Zahn verrottet nicht von heute auf morgen“, sagt Dr. Woop. Doch Parodontalerkrankungen begännen schleichend und oft unbemerkt, was die prophylaktische Untersuchung unabdingbar macht. Bei Schmerzen sollte man jedoch keine Zeit verlieren, denn Karies oder Parodontitis machen keine Pause. Und auch die Tatsache, dass die Pandemie noch nicht vorüber ist, verlängert den Prozess des Aufschiebens auf unbestimmte Zeit.
Eine gesunde Mundflora stärkt jedoch die Immunabwehr und ist damit auch ein Aspekt, der zum Infektionsschutz des eigenen Körpers beiträgt, so Woop. Ein weiterer wichtiger Faktor, den viele außer Acht lassen, sei, dass Zähne nicht von selbst heilen können. „Ein bestehendes Problem verschlechtert sich so zwangsläufig über die Zeit.“ Abschließend fügt Woop an, dass es keinen vernünftigen Grund gäbe, eine Behandlung oder einen Prohylaxetermin zu meiden. „Aus Überzeugung und mit bestem Gewissen kann ich sagen, dass die Mundgesundheit zu wichtig ist, um sie schleifen zu lassen.“ Auch die Hygienemaßnahmen, die deutschlandweit in allen Praxen und für alle Angestellten und Ärzt:innen gelten, sprechen dafür, dass die größere Gefahr davon ausgeht, nicht zu Zahnärzt:innen zu gehen. Denn meistens verlässt man die Praxis mit einem breiten Lächeln. Entweder, weil man gepflegte Zähne hat, oder weil man froh ist, es hinter sich gebracht zu haben.

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