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Mainz

Raves im Einklang finden Anklang

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Sie wollten dem Clubsterben etwas entgegensetzen und gründeten kurzerhand einen Verein. Die Rhein-Raves von EinKlang e.V. werden gut besucht, doch dabei soll es nicht bleiben.

von Princesha Salihi

Knapp 1.400 Menschen folgen ihnen auf Instagram. Hunderte Mainzer*innen besuchten seit Juni die Rhein-Sessions des jungen Vereins. Von so einer riesigen Resonanz hatte sich Chrissy Rauda nicht getraut zu träumen. Sie engagiert sich in der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Aktuell zählt EinKlang e.V. zwölf Vereinsmitglieder, die in Mainz und Umgebung leben. Sie möchten zur Förderung von Kultur und elektronischer Musik in Mainz und im Rhein-Maingebiet beitragen. Dafür haben sie sich schon einige Ziele und noch konkretere Rahmenbedingungen gesetzt.

Im Einklang mit der Umwelt
„Es ist ein öffentlicher Raum und wir haben dementsprechend kein Hausrecht“, erklärt Vorstandsbeisitzer Maurice Fusenig. Darauf möchten sie sich jedoch nicht ausruhen. Sie seien sich ihrer Verantwortung für die Räume, die sie besetzen, bewusst. Bei ihrem Engagement ist es ihnen besonders wichtig, der Name verrät es schon, dass die Musik im Einklang mit der Umwelt ist. Zur Umwelt gehören für sie sowohl der Mensch als auch die Natur. Maurice Fusenig betont: „Nachhaltigkeit beginnt beim Strom und endet beim Müll.“ Die mobile Anlage, die sie liebevoll Klangkiste nennen, haben sie selbst entworfen und gebaut. Dazu dienten unter anderem alte, wiederaufladbare Wohnmobilbatterien, die die Stromversorgung ermöglichen. Außerdem achten sie während und nach ihren Veranstaltungen sehr penibel darauf, dass die Orte sauber und ordentlich hinterlassen werden. Sie weisen die Besucher*innen immer wieder darauf hin, räumen dann nötigenfalls selbst die letzten Reste weg. Auch mit dem vorbeifahrenden Ordnungsamt und der Polizei gab es bisher noch keine Probleme und so soll es auch bleiben. Sie halten deshalb strikt die Nachtruhe von 22 Uhr ein, beginnen dementsprechend schon am späten Nachmittag mit ihrem ersten DJ-Set.
Um ihre Projekte weiterhin umweltverträglich zu gestalten, erarbeiten sie Vereinsrichtlinien, die neben den Nachhaltigkeitsaspekten auch klare Positionen zu antifaschistischen, antirassistischen und antisexistischen Grundwerten beinhalten sollen. Diese Richtlinien sollen auch für ihre Veranstaltungen gelten. Darüber hinaus kooperieren sie mit dem Alice Project und planen mit CatCalls of Mainz zusammenzuarbeiten. Mit ihrer Reichweite möchten sie dazu beitragen, ein Bewusstsein für diese Themen mit dem Ziel eines Safe-Spaces für alle zu schaffen.

Vereinskultur ist auch Kultur
Natürlich soll die Musik bei all dem nicht zur Nebensache werden. Nachdem in den vergangenen Jahren die Planke Nord, das Gebaeude27 und das 50Grad in Mainz schließen mussten und die -Pandemie dazukam, entstand in der Freundesgruppe der Wunsch, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Zu diesem Zweck haben sie einen DJ-Stammtisch eingerichtet, bei dem Ideen und Möglichkeiten zur Förderung elektronischer Musik besprochen werden. Der Verein möchte jungen DJs die Möglichkeit bieten, sich vor Publikum auszuprobieren und erste Erfahrungen zu sammeln. Sie freuen sich besonders, wenn auch Frauen dieses Angebot wahrnehmen. Das war für sie einer der Gründe, sich bewusst gegen den Zusammenschluss zu einem bloßen Kollektiv zu entscheiden.
Mit der Vereinsgründung biete sich die Möglichkeit, langfristiger und nachhaltiger zu arbeiten. Nachhaltig auch im Sinne der Kultur, denn „Vereinskultur ist eben auch Kultur“, betont Chrissy Rauda. Im Rahmen eines Vereins könne man die ganze Arbeit und Energie, die neben Beruf und Studium in das Projekt fließt, zu einer sich selbsterhaltenden Struktur aufbauen. Gemeinsame Projekte und generelle Zusammenarbeiten können sie sich auch mit Schulen oder Jugendzentren vorstellen.

Glühwein statt Kommerz
Finanziert wird der Verein bisher aus eigener Tasche. Zukünftig werden sie deshalb auf Spenden – oder noch besser – auf Vereinsmitglieder angewiesen sein. Chrissy Rauda erzählt, wie nach einer Veranstaltung jemand aktiv auf sie zu kam, sich bedankte und Geld spenden wollte, ohne dass sie eine Spendenkasse aufgestellt hätten. Sie betonen jedoch, dass sie nicht kommerziell werden wollen und die Einnahmen nur die Ausgaben der Veranstaltungen decken sollen.
Auch wenn sie bei den aktuellen Inzidenz- und Hospitalisierungswerten keine Rhein-Sessions anbieten möchten, sammeln sie bei ihren wöchentlichen Treffen Ideen für Alternativen. Wenn alles gut geht, dürfen wir uns auf Glühwein Raves freuen.

Bild: Tjard Osmers

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