Naturschutz statt Greenwashing
Der Ingelheimer Naturschutzverein Plantaciones Edelman pflanzt im Regenwald Costa Ricas Bäume. Im Gespräch mit STUZ stellt Andreas Tschuk das Wiederaufforstungsprojekt vor.
von Eva Szulkowski
Es ist 2025 und dem Regenwald geht es nach wie vor nicht gut. Wiederbewaldungs-Aktionen, oft von großen Unternehmen beworben, sollen der ‚grünen Lunge‘ erste Hilfe leisten. Woran aber erkennt man, ob es sich um ein seriöses Angebot oder eine Greenwashing-Kampagne handelt? „Ich kaufe eine Tafel Schokolade und dann wird ein Baum gepflanzt – da habe ich Bedenken, ob das realistisch geht“, sagt Andreas Tschuk, Mitbegründer des Ingelheimer Vereins Plantaciones Edelman, der im Regenwald Costa Ricas ein Wiederaufforstungsprojekt betreibt. Großzügige Versprechen wie „ein Euro, ein Baum“ sieht er kritisch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Baum groß wird.“ Allein ein Setzling koste schon weit mehr, von der Pflege des heranwachsenden Bäumchens ganz zu schweigen.
Mit der Machete in den Regenwald
Andreas, der im IT-Bereich arbeitet, hat vor einigen Jahren in Costa Rica Land erworben, um dort Obst anzubauen. Zuvor war dort die invasive Baumart Gmelina arborea angepflanzt worden, aus deren Holz Paletten hergestellt werden und die alle anderen größeren Gewächse verdrängte. Die Grundstücke laufen mittlerweile auf den Namen des gemeinnützigen Vereins, der sowohl in Ingelheim als auch in Costa Rica ansässig ist. Somit gibt es klare Besitzverhältnisse und Ansprechpersonen für die Arbeiter:innen, die vor Ort die Bäume anpflanzen und pflegen.
Heute werden die sechs Hektar hauptsächlich für das 2011 gestartete Projekt verwendet. Rund 4.000 Setzlinge wurden seitdem gepflanzt, über 60 heimische, aber seltene Baumarten sind vertreten. Wichtig ist, dass auf Artenvielfalt geachtet wird, dass Bäume in ausreichendem Abstand gepflanzt und regelmäßig von Bewuchs befreit werden. Einmal im Jahr ist Andreas selbst vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Für 57 Euro können Interessierte zu Baumpaten in Costa Rica werden und auf dem Grundstück einen Setzling pflanzen lassen. Da jeder Baum eine individuelle Baumnummer erhalte, könne dieser auch vor Ort besucht werden. Wer seinen Baum in Costa Rica einmal live sehen möchte, braucht gutes Schuhwerk und ortskundige Begleiter, die mit einer Machete umgehen können. Das Gebiet liegt ab vom Schuss, man muss einen Kilometer unbefestigten Weg durch Matsch und Gestrüpp zurücklegen – dabei könnte einem außerdem die ein oder andere Schlange begegnen.
Stargast lässt auf sich warten
Auch die Tierwelt hat inzwischen wieder auf den ehemals verwaisten Grundstücken Einzug gehalten. „Alle vier Affenarten aus Costa Rica sind da unterwegs“, berichtet Andreas. Auch Tukane, Montezumastirnvögel, Faultiere und Wildkatzen wie Otzelot oder Jaguar gehören zu den Bewohnern. Einer hat sich jedoch noch nicht blicken lassen, obwohl mit ihm alles begann: Der vom Aussterben bedrohte Große Soldatenara (im Volksmund auch – weniger martialisch – Papagei genannt). Für ihn charakteristisch sind sein grünes Federkleid und sein kräftiger Schnabel, mit dem er selbst die härtesten Nüsse knackt. Er ernährt sich zu 80 Prozent von den Samen des Waldmandelbaums, der ebenfalls vom Aussterben bedroht ist. Um dem gefährdeten Prachtvogel ein Zuhause zu bieten, wurden in der Gegend rund 100 dieser Bäume angesiedelt, die bereits Früchte tragen. Dennoch lässt der Stargast auf sich warten.
Damit der grüne Papagei in den Baumkronen der Waldmandelbäume nisten kann, müssen jene erst eine gewisse Höhe erreichen (sie können bis zu 50 Metern hoch werden). Es gebe auch noch eine Abkürzung: In etwa 5 bis 10 Jahren könnten Wassertonnen, die hoch oben im Geäst angebracht werden, als Nisthilfen dienen, wie es auch bei Auswilderungsstationen schon gemacht wird. „Aber es ist immer eine waghalsige Aktion, so ein Ding hochzuziehen“, gibt Andreas zu bedenken. Der weniger anspruchsvolle Scharlachara sei dagegen bereits eingezogen. Das berichte ein Spezialist aus Costa Rica, der hoch in die Bäume hinaufklettert und anhand der dortigen Nester erkennen kann, um welche Nistvögel es sich handelt. Allerdings ist der Schnabel des roten Aras nicht stark genug, um die Waldmandeln zu knacken. Andreas bleibt jedoch optimistisch, was die Attraktivität seiner grünen Immobilien anbelangt: „Ich denke, das wird sich im Laufe der Zeit unter den Vögeln rumsprechen.“ Das Klima retten werden Wiederaufforstungsprojekte wie Plantaciones Edelman allein sicher nicht. Dafür gebe es zu viele Stellschrauben, an denen dringend gedreht werden müsse, angefangen mit einem Stopp der Flächenversiegelung hierzulande, findet auch Andreas. Die Hoffnung aufgeben sei aber keine Option: „Wir tun auf jeden Fall was, und ich glaube, das hat einen positiven Einfluss.“
WTF
Plantaciones Edelman e.V.
plantacionesedelman.com
Foto: Belen Sanchez


